31. Mai 2017, 21:44 Uhr

Geld verdienen, Erfahrungen sammeln

31. Mai 2017, 21:44 Uhr
Ferienjobs sind bald wieder heiß begehrt.

Gießen (gäd/eb/dpa). In ein paar Wochen geht sie los: die Ferienzeit – und damit auch die Zeit des Müßiggangs für die Schülerinnen und Schüler. Aber nicht für alle. Denn ein Ferienjob bietet Schülern die Möglichkeit, erste Erfahrungen für das Berufsleben zu sammeln und Geld zu verdienen. Im Folgenden ein paar Tipps, zur Jobsuche:

? Wie alt muss man sein, um arbeiten zu dürfen?

Um Kinder und Jugendliche in Deutschland vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren, ist generell die Beschäftigung unter 15 Jahren verboten. Für Schüler ab 13 Jahren gilt die Ausnahme, mit Einwilligung der Eltern höchstens zwei Stunden am Tag in bestimmten Bereichen unter altersgerechten Bedingungen zu arbeiten, schreibt die Arbeitsagentur. Darunter fallen einfache Tätigkeiten wie Zeitungen oder Werbung verteilen, Nachhilfe, Gartenarbeiten, Babysitten, Tiere und Pflanzen betreuen oder Reinigungsarbeiten. Vertragliche Ferienjobs dürfen von Jugendlichen erst ab 15 Jahren eingegangen werden. Bis zur Vollendung der Vollzeitschulpflicht, das heißt bis nach Beendigung der 9. Klasse (in Hessen) muss die Ferienarbeit auf maximal vier Wochen im Kalenderjahr begrenzt bleiben, teilt das hessische Sozialministerium mit. Ab dem zehnten Schuljahr gilt diese zeitliche Begrenzung von vier Wochen im Kalenderjahr für Jugendliche nicht mehr. Die Arbeitszeit darf acht Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche nicht übersteigen. Den Jugendlichen müssen ausreichende Ruhepausen gewährt werden. Grundsätzlich gelte die Fünf-Tage-Woche. Eine Beschäftigung dürfe nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr erfolgen. Vom Arbeitsende bis zum Beginn der Arbeit am nächsten Morgen muss eine ununterbrochene Freizeit von mindestens zwölf Stunden garantiert sein. In bestimmten Branchen, wie etwa in der Gastronomie, sind Ausnahmen vom Beschäftigungsverbot an den Wochenenden möglich.

? Welche Arbeiten sind für Schüler nicht geeignet?

»Verboten sind insbesondere unfallträchtige Arbeiten oder der Umgang mit gefährlichen Maschinen wie Sägen, Pressen oder Fräsen«, heißt es in einer Mitteilung des Regierungspräsidiums Gießen vom vergangenen Jahr. Bei der Beschäftigung dürften die Schüler weder Erschütterungen, gesundheitsschädigendem Lärm noch Strahlen oder Giftstoffen ausgesetzt sein. Schweres Heben und Tragen seien ebenso wie Arbeiten, die ein hohes Maß an Verantwortung erforderten oder auch die Schüler seelisch belasten könnten, nicht erlaubt.

? Wie und vor allen Dingen wo finde ich einen Ferienjob?

Die erste Anlaufstelle bei der Jobsuche kann ein Gespräch mit Eltern, Verwandten und Bekannten sein. Auch Anzeigen in der Tageszeitung und im Internet sind eine Möglichkeit. Vorsicht ist laut Arbeitsagentur Gießen bei Anzeigen geboten, in denen es heißt »schnell und ohne hohen Aufwand zu Hause Geld verdienen«. Am Ende soll man selbst Bearbeitungs- oder Vermittlungsgebühren zahlen und verdient keinen einzigen Cent. Die Bundesagentur für Arbeit bietet eine Jobbörse an, die im Internet unter der Adresse jobboerse.arbeitsagentur.de angesteuert werden kann. Diese Plattform ist gedacht sowohl für Arbeitgeber, die auf der Suche nach Mitarbeitern sind, als auch für potenzielle Arbeitnehmer, die auf der Suche nach einer Aufgabe sind, wie Johannes Paul, Pressesprecher der Arbeitsagentur Gießen, erklärt. Derzeit seien über 200 Stellen im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen gemeldet. Zu diesem Bezirk zählen die Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg.

? Was muss ich bei einem Ferienjob in Sachen Steuern beachten?

Sind die Ferienjobber angestellte Arbeitnehmer und ist der Job das einzige Beschäftigungsverhältnis, fallen sie in die Steuerklasse I. Dann wird erst Lohnsteuer fällig, wenn sie mehr als 985 Euro im Monat verdienen. Sind die Schüler oder Studenten angestellte Arbeitnehmer, haben aber noch einen zweiten Job, werden sie in die Steuerklasse VI eingestuft. Diese wird am höchsten besteuert. Wer einen Minijob hat, zahlt normalerweise weder Lohnsteuer noch Sozialversicherungsbeiträge. Dann darf man aber nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Und: Die Ferienjobber müssen sich ausdrücklich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Liegt der Verdienst während der Ferien oberhalb der Minijob-Grenze, kann die Arbeit trotzdem sozialversicherungsfrei bleiben, wenn diese von vornherein auf drei Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist. Sonst fallen Sozialversicherungsbeiträge an. Das sind bei einem Lohn von 985 Euro pro Monat etwa 200 Euro. Wer zu viel Lohnsteuer gezahlt hat, kann sich diese zurückholen, indem er eine Steuererklärung macht. Bleibt man nach Abzug der steuermindernden Beiträge für das Jahr 2016 unter 8652 Euro, bekommt man sogar alle einbehaltenen Steuern zurück.

? Wie sieht es denn mit der Unfallversicherung aus?

Schüler und Studenten sind bei der Ausübung von Ferienjobs laut Arbeitsagentur gesetzlich unfallversichert. Der Schutz erstreckt sich auf die Arbeitszeit sowie den Hin- und Rückweg. Ob es sich um einen Minijob oder eine Beschäftigung mit Lohnsteuerkarte handelt, spielt dabei keine Rolle. Auch bei einem Job für einen Privathaushalt (zum Beispiel beim Babysitten, Kochen, Putzen oder Waschen) ist man gesetzlich unfallversichert. Die Kosten dieser Versicherung müsse der Arbeitgeber, also der Haushaltsführende, tragen. (Foto: dpa)

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