03. Mai 2017, 22:06 Uhr

Frühjahrsbelebung hält an

03. Mai 2017, 22:06 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek

Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt hält an: Im April ist die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland um 93 000 auf 2,569 Millionen gesunken. Das waren 175 000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosigkeit erreichte damit den niedrigsten April-Wert seit dem Jahr 1991. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,8 Prozent. »Die Beschäftigung ist in fast allen Branchen gestiegen«, zeigte sich BA-Vorstandschef Detlef Scheele zufrieden. Auch saisonbereinigt gab es einen erneuten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Arbeitslosenzahl lag bei 2,568 Millionen. Damit waren rund 15 000 weniger Männer und Frauen ohne Job als im März. Im Westen und im Osten ging die Zahl jeweils um knapp 8000 zurück.

Der BA-Vorstandschef räumte ein, dass die Unterbeschäftigung im Vergleich zum Vorjahr erneut zugenommen hat. Hauptgrund ist die große Zahl von Flüchtlingen, die nicht als erwerbslos gezählt werden, sondern zum Beispiel Integrationskurse absolvieren. Offiziell unterbeschäftigt waren im April 3,603 Millionen Menschen – das sind 8000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind gleichzeitig weiter kräftig gewachsen. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Erwerbstätigen im März auf 43,82 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 638 000. Der Anstieg gehe vor allem auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück: Die Zahl der Menschen mit regulärem Job nahm nach Hochrechnung der BA von Januar auf Februar saisonbereinigt um 56 000 auf 31,77 Millionen zu. Das waren 717 000 mehr als ein Jahr zuvor. Und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter hoch: Im April waren 706 000 offene Stellen bei der BA gemeldet – 66 000 mehr als vor einem Jahr. Vor allem der Handel, Dienstleistungen und der Bausektor suchten nach neuem Personal, sagte Scheele.

Der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung hat auch die Arbeitslosigkeit in Hessen weiter sinken lassen. Im April fiel die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer und Frauen auf 168 683. Das waren 1,8 Prozent weniger als im März und sogar 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel im besten April seit 26 Jahren um 0,1 Punkte auf 5,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 5,4 Prozent gelegen.

Direktionschef Frank Martin berichtete von einem wachsenden Stellenangebot, das keineswegs nur aus Zeitarbeitsstellen und Helferjobs bestehe. Allein im April seien 14 300 neue Jobs hinzugekommen. »Vor allem die etwa 9000 Helferstellen bieten auch Langzeitarbeitslosen gute Einstiegsmöglichkeiten, zudem sind knapp 70 Prozent aller gemeldeten Stellen außerhalb der Zeitarbeit.« Noch nicht zur Verfügung stehen hingegen viele Flüchtlinge, die in Sprach- und Orientierungskursen für künftige Jobs fit gemacht werden sollen. Sie sind der Hauptgrund dafür, dass die sogenannte Unterbeschäftigung in Hessen um 1,6 Prozent auf 234 250 Menschen zugenommen hat.

Licht und Schatten in der Region

Auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt setzt sich der saisonübliche Rückgang der Arbeitslosigkeit weiter fort. Im April ist die Zahl der Erwerbslosen im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen weiter zurückgegangen. Im abgelaufenen Monat waren insgesamt 17 911 Menschen arbeitslos. 275 Personen weniger als im März. Im April des Vorjahres waren noch 1409 Arbeitslose mehr gemeldet.

Im April gebe es, wie in dieser Jahreszeit üblich, viel Licht, »aber wir sehen auch Schatten auf dem Arbeitsmarkt«, fasst der Leiter der Arbeitsagentur Gießen, Eckart Schäfer, die Situation zusammen. »Vorwiegend Männer konnten in den letzten Wochen von der guten Entwicklung profitieren. Bei den Älteren erkennen wir den gleichen Trend.« Jedoch sei die Zahl der Unterbeschäftigten, wenn auch nur sehr moderat, gestiegen. Daran sei ablesbar, dass stetig mehr Menschen mit Fluchthintergrund dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, beziehungsweise nach Abschluss der Sprachkurse noch zur Verfügung stehen werden. Der Blick auf die Stellenzugänge und den Stellenbestand zeige, dass der Arbeitsmarkt nach wie vor sehr aufnahmefähig sei.

In den drei zum Bezirk der Arbeitsagentur gehörenden Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg gibt es bei der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ein gleichermaßen positives Bild. Der Rückgang in den Kreisen war jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt. Der nominal und prozentual stärkste Rückgang wurde im Wetteraukreis verzeichnet.

Im Kreis Gießen waren im April insgesamt 8359 Menschen erwerbslos gemeldet, 112 Arbeitslose weniger gegenüber dem Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozent auf nun 5,9. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 6,6 Prozent. Damals waren 833 Menschen mehr registriert.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im April um 155 Personen auf jetzt 7056 gesunken. Die Quote ging um 0,1 auf nun 4,4 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 635 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 4,8 Prozent.

Im Vogelsbergkreis ist die Zahl der Erwerbslosen im April nur ganz leicht gesunken. 2496 Personen waren arbeitslos gemeldet, acht weniger als noch im März. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,4 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 59 Erwerbslose weniger gemeldet.



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