27. April 2018, 22:24 Uhr

Frühjahrsaufschwung drückt Arbeitslosigkeit

27. April 2018, 22:24 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek

Nürnberg/Gießen (dpa/gäd). Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April im Vergleich zum Vormonat um 74 000 auf 2,384 Millionen gesunken. Das ist der niedrigste Wert in diesem Monat seit der Wiedervereinigung. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Erwerbslosen um 185 000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,3 Prozent. »Die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt setzt sich auch im April fort«, sagte BA-Chef Detlef Scheele. Die Entwicklung sei allerdings etwas schwächer gewesen als in den extrem guten Wintermonaten.

Auch saisonbereinigt sank die Zahl der Jobsucher: Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl lag im April bei 2,37 Millionen. Damit waren rund 7000 Männer und Frauen weniger ohne Arbeit als im März. Die Unterbeschäftigung, die auch Menschen umfasst, die gerade beispielsweise an einer Weiterbildung teilnehmen, lag bei 3,354 Millionen. Sie sank damit saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 17 000.

Der Anstieg gehe allein auf mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurück, hieß es. Diese hat nach Berechnungen der BA von Januar auf Februar saisonbereinigt um 53 000 zugenommen. Damit hatten hochgerechnet 32,55 Millionen Menschen in Deutschland zuletzt einen regulären Job – 773 000 mehr als ein Jahr zuvor.

Weitgehend stabilisiert hat sich die Flüchtlingsarbeitslosigkeit. Mit 177 000 lag die Zahl erwerbsloser Asylbewerber im April in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Nimmt man aber noch jene Flüchtlinge hinzu, die in Integrations- und beruflichen Förderkursen auf die Arbeitswelt in Deutschland vorbereiten, liegt die Zahl der arbeitssuchenden Flüchtlinge derzeit bei 472 000 – mit leichter sinkender Tendenz. Entsprechend groß ist die Zahl der Flüchtlinge, die mangels Job auf Hartz IV angewiesen sind: Sie lag zuletzt im Januar bei 594 000.

In Hessen fehlen Fachkräfte

In den Jubel um niedrige Arbeitslosen- zahlen mischt sich derweil in Hessen immer mehr die Sorge um fehlende Fachkräfte. Mit Hinweis auf die mehr als 55 000 offenen Stellen im Land erklärte der Chef der hessischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur, dass der hohe Fachkräftebedarf aus den Reihen der Arbeitslosen nicht mehr gedeckt werden könne. Im Schnitt dauere die Besetzung einer Stelle inzwischen mehr als 100 Tage.

»Fast 60 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen haben keine Berufsausbildung, Tendenz steigend. Diese Menschen werden auf absehbare Zeit die Fachkräftelücke nicht schließen können«, erklärte Martin laut einer Mitteilung. Auf dem Ausbildungsmarkt mache sich der demografische Wandel immer stärker bemerkbar, sodass 2018 voraussichtlich erneut Tausende Lehrstellen unbesetzt blieben. Für kleine und mittlere Unternehmen werde die Nachwuchsgewinnung immer schwieriger.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im April auf 157 860 Männer und Frauen gesunken. Das entsprach einer Quote von 4,7 Prozent und markierte den niedrigsten Stand in einem April seit 37 Jahren. In neun von 26 Kreisen und kreisfreien Städten Hessens liegt die Quote bereits unter vier Prozent.

Bis einschließlich Februar ist in Hessen die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer auf 2 567 300 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war das ein Plus von 2,7 Prozent. »Neue Arbeitsplätze entstehen hier schneller als im Bundesdurchschnitt«, kommentierte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Zahlen.

Der DGB Hessen-Thüringen verlangte eine bessere finanzielle Ausstattung der Job-Center. Das finanziell unterstützte Nachholen von Berufsabschlüssen – anstelle kurzfristiger Maßnahmen von der Stange – müsse auch dort möglich sein, verlangte Hessens DGB-Chef Michael Rudolph. Der hessische Arbeitsmarkt biete Chancen für alle, erklärte hingegen die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU). Ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt werde nicht benötigt.

Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt hält derweil auch im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen an. In den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau waren im April insgesamt 16 126 Menschen arbeitslos gemeldet. 275 weniger als im März. Dies entspricht einer Quote von 4,4 Prozent, 0,1 Prozent niedriger als im Vormonat. Im April vor einem Jahr waren 1785 Menschen mehr im Gießener Bezirk arbeitslos gemeldet. Damals lag die Quote bei fünf Prozent.

Der Leiter der Arbeitsagentur Gießen, Eckart Schäfer, verweist auf die weiter rückläufigen Arbeitslosenzahlen. Zudem liege der Stellenbestand leicht über dem Vorjahresmonat. »Erneut konnten alle Personengruppen vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren und die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gestiegen«, teilt Schäfer mit. Er blickt dem Sommer optimistisch entgegen: »Wir rechnen in den nächsten Monaten mit einem weiteren, moderaten Rückgang der Arbeitslosigkeit.« Auch die Zahl der Menschen in der Unterbeschäftigung war rückläufig. Dort waren im April 23 738 Menschen registriert, 306 weniger als noch einen Monat zuvor. Ein Jahr zuvor waren noch 1454 Personen mehr verzeichnet.

Deutlicher Rückgang im Vogelsberg

Im Kreis Gießen waren im April 7479 Menschen erwerbslos gemeldet, 49 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 5,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,9 Prozent.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im April um 113 Personen auf jetzt 6518 gesunken. Die Quote blieb unverändert bei 4,0 Prozent. Im April 2017 lag die Quote bei 4,4 Prozent. Im Vogelsbergkreis ist die Zahl der Erwerbslosen deutlich gesunken. 2129 Personen waren arbeitslos gemeldet, 113 weniger als noch im März. Die Quote sank um 0,2 auf nun 3,7 Prozent. Sie lag im Vorjahr bei 4,4 Prozent.



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