23. Februar 2018, 20:02 Uhr

Frost statt Tauwetter

23. Februar 2018, 20:02 Uhr
In den kommenden Tagen werden in Hessen Temperaturen von bis zu minus 15 Grad erwartet. (Foto: dpa)

Schneeglöckchen und Krokusse breiten sich aus, die ersten Triebe an Bäumen zeigen sich. Doch nun soll tagelanger Dauerfrost Hessen bibbern lassen. Vom Wochenende an sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für das Land flächendeckend trockene Kälte voraus. Nachts gibt es Minusgrade bis in den zweistelligen Bereich, auch tagsüber klettern die Werte auf dem Thermometer kaum über die Null-Grad-Grenze. Wegen des Winds können sich die Minusgrade den Wetterforschern zufolge noch kälter anfühlen. Pflanzen, Menschen, Viren – welche Auswirkungen hat das späte Winterwetter?

Krankheiten: Auf die aktuelle Grippewelle und andere Erkrankungen haben die Minusgrade aus Sicht des Frankfurter Gesundheitsamtes kaum eine Auswirkung. Die Annahme, dass bei Minusgraden auch Viren und Bakterien absterben, stimme nicht, sagt der Mediziner Udo Götsch. Das Gegenteil sei der Fall: »In der Kälte überleben sie besser als bei Licht und Wärmeeinwirkung.« Ein Beispiel sei, dass das im Permafrost eingefrorene Influenza-Virus der »Spanischen Grippe« aus dem Jahr 1918 theoretisch noch wiederbelebt werden könne. Millionen Menschen starben damals weltweit an der Pandemie. Einen spürbaren Einfluss von Temperaturschwankungen auf Krankheitsentwicklungen hält der Mediziner für unwahrscheinlich. Bei bestimmten Asthmaformen könne das trockene, kalte Wetter allerdings Anfälle provozieren.

Obdachlose: Das Frankfurter Sozialdezernat sieht sich gut gerüstet, was die Versorgung der Obdachlosen betrifft. Neben den Notschlafplätzen sei die unterirdische B-Ebene der Hauptwache weiterhin nachts geöffnet und der Kältebus im Einsatz. Zuletzt seien 179 Menschen auf der Straße gezählt worden, 125 von ihnen hätten in der B-Ebene übernachtet, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. Wer jemanden sehe, der in der Kälte übernachte, solle die Mitarbeiter des Kältebusses informieren. Allerdings könnten und würden diese niemanden dazu zwingen, die Übernachtungsmöglichkeiten der Stadt zu nutzen.

Tiere: Nicht nur den Menschen auf der Straße, sondern auch Tieren im Zoo macht die Kälte zu schaffen. »Die meisten Tiere verfügen sowohl über ein Innen- als auch über ein Außengehege und können selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten«, sagt eine Sprecherin des Frankfurter Zoos. Allerdings müssten die Huftiere, zu denen Giraffen und Zebras zählen, bei Glatteis ins Innengehege ausweichen. Auch die Löwen werden der Sprecherin zufolge ins Warme gebracht, sobald der Wassergraben im Außengehege zugefroren ist.

Landwirtschaft: Den hessischen Bauern bereiten die bevorstehenden Frostnächte bisher keine Sorgen, sagt Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbands. Im Gegenteil: Da der Boden morgens gefroren sei, könnten die Bauern nun auch mit Maschinen auf die Felder fahren und düngen, ehe die Saat aus dem Boden komme. Zudem dezimieren Frostnächte Läuse und andere Schädlinge, die Krankheiten auf die Ackerpflanzen übertragen können. Wenn es allerdings zwei bis drei Wochen lang nachts minus 15 Grad kalt werde, sei das eine andere Sache, betont Weber.

Klimaforscher: »Bis jetzt ist das ein normaler Winter«, versichert Jörg Steinkamp vom Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klima. Lediglich die geringe Sonnenscheindauer im Dezember und Januar sei eine Besonderheit gewesen. Frostnächte bis in den März hinein seien nicht unüblich: »Die mitteleuropäischen Pflanzen sind darauf angepasst.«

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