11. Juni 2019, 22:42 Uhr

Fast 200 Hinweise

11. Juni 2019, 22:42 Uhr

Kassel (eb/dpa). Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehen die Ermittler inzwischen knapp 200 Hinweisen nach. Ob sich darunter eine heiße Spur befindet, ist bislang unklar. »Wir ermitteln in alle Richtungen, alles andere ist Spekulation«, sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Christoph Schulte, am Dienstag. Die mittlerweile 187 eingegangenen Hinweise würden nun abgearbeitet.

Der Polizeieinsatz an einem Nordseefährhafen am Samstag in Niedersachsen stand nach Angaben der Ermittler in Verbindung mit dem Fall. »In diesem Zusammenhang wurde eine Person in Gewahrsam genommen und mit dem Ziel der Informationsgewinnung in das Polizeipräsidium Nordhessen nach Kassel verbracht«, teilten LKA und Staatsanwaltschaft mit.

Bei der Befragung hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Mann an der Tat beteiligt war. »Aus diesem Grund wurde die Person in den frühen Sonntagmorgenstunden wieder entlassen«, erklärten die Ermittler, die keine weiteren Angaben zu dem Mann oder dem Hintergrund der Polizeiaktion machten. Bei dem Mann, der am Samstag vorübergehend festgenommen worden war, handelt es sich um den Rettungssanitäter, der als einer der ersten am Tatort in Istha gewesen ist. Wie die HNA berichtet hatte, soll der Rettungssanitäter von dem jüngsten Sohn Lübckes gerufen worden sein, nachdem Lübcke auf seiner Terrasse mit einer Kopfverletzung gefunden worden war. Der mit Lübckes Sohn befreundete Sanitäter gehörte nicht zu der Besatzung des angeforderten Rettungswagens.

Manipulationen am Tatort

Nach Informationen der HNA soll dieser Sanitäter aber den Tatort manipuliert haben, indem er Blutspuren weggewischt hat. Die »Bild«-Zeitung berichtet, dass der Mann sogar Felgenreiniger benutzt haben soll, um Blut verschwinden zu lassen. Dazu wollte Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, keine Auskünfte geben.

Die Sonderkommission »Liemecke« und die Staatsanwaltschaft haben am Dienstag lediglich eine Presseerklärung herausgegeben. Darin wird bestätigt, dass der Mann, der am Samstag im Bereich Harlesiel (Niedersachsen) in Gewahrsam genommen worden war, zum Fall Lübcke befragt wurde. Bei der Befragung im Polizeipräsidium Nordhessen hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, die eine Tatbeteiligung stützten. Aus diesem Grund wurde der Mann am Sonntagmorgen wieder entlassen. Gegenüber dem »Focus« hatte gestern das Landeskriminalamt erklärt, der Mann sei nicht auf der Fähre, sondern schon vorher von verdeckten Ermittlern auf einem Parkplatz in der Nähe des Hafens festgenommen worden.

Die Rolle des Rettungssanitäters gibt weiter Rätsel auf. Fest steht, dass er von Familie Lübcke vor etwa zwei Jahren ein Grundstück und ein Haus in Istha gekauft hat, das er derzeit saniert. Auch diese Immobilie wurde am Samstag durchsucht.

Die Ermittler sehen ihre Arbeit insgesamt durch Spekulationen in Medien und sozialen Netzwerken erschwert. »Das ist ein Riesenproblem, weil riesiger Druck aufgebaut wird«, sagte LKA-Sprecher Schulte. »Wir sind dabei, die Tat zu rekonstruieren, so dass wir den ganzen Abend nachvollziehen können.« Dafür bräuchten die Ermittler Zeit. Bereits am Sonntag hatten diese darum gebeten, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen, um nicht den Eindruck einer Vorverurteilung im Fall der in Gewahrsam genommenen Person zu erwecken.

Die Trauerfeier für Walter Lübcke findet an diesem Donnerstag ab 16 Uhr in der Kasseler Martinskirche statt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erschießungen
  • Informationsgewinnung und Informationszugang
  • Rettungssanitäter
  • Staatsanwaltschaft
  • Tatorte
  • Umfragen und Befragungen
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos