21. März 2018, 01:09 Uhr

Anti-Terrorübung

Explosionen, Schreie, Rauchwolken: So lief die Anti-Terrorübung im Frankfurter Hauptbahnhof

Menschen schreien in Panik, Explosionen und Schüsse schallen durch die Nacht, Bewaffnete rennen umher: Die Anti-Terrorübung im Frankfurter Hauptbahnhof war realitätsnah. Aus mehreren Gründen.
21. März 2018, 01:09 Uhr
Nach wenigen Augenblicken sind die Beamten der Bundespolizei am Tatort und versuchen, die Opfer zu retten und die Angreifer zu stellen. (Foto: Keßler)

»Hilfe! Wir brauchen hier Hilfe! Wo ist meine Freundin?« Eine Frau schreit, ihre Stimme überschlägt sich. Sie liegt verletzt am Boden, man sieht Blut. Um sie herum tobt die Hölle. Menschen liegen tot oder verletzt am Boden, Terroristen schießen wahllos in die Menge und werfen Sprengsätze, während sich Polizeibeamte aus mehreren Richtungen heranpirschen, um die Attentäter zu stellen. Und schließlich auszuschalten. Zum Glück war alles nur eine Übung. Denn genau darum ging es in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im nördlichen Teil des Frankfurter Hauptbahnhofs.

 
Fotostrecke: Chronologie: Die Anti-Terrorübung am Frankfurter Hauptbahnhof

Rund 700 Beamte von Bundespolizei, Landespolizei, Berufsfeuerwehr, Rettungskräften sowie Bedienstete der Deutschen Bahn übten dort seit dem späten Abend den Ernstfall: einen Terroranschlag. Die lange angekündigte Aktion dauerte bis in die frühen Morgenstunden und sollte vor allem die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Behörden und Einsatzkräften trainieren. »Alle haben sehr professionell zusammengearbeitet. Das ist wichtig, denn Terrorismus ist eine der größten Herausforderungen für die Sicherheit in der heutigen Zeit«, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth im Anschluss an den ersten von insgesamt sechs Szenarien, die in der Nacht auf dem Programm standen.

 

Erstes Szenario nach wenigen Minuten erfolgreich beendet

Gegen 22 Uhr war die erste Aktion gestartet worden. Dazu hatten sich Dutzende potenzieller Opfer - in Wahrheit Anwärter der Bundespolizei - zwischen den Gleisen 20 und 21 als normale Bahnreisende versammelt. Plötzlich sind Schüsse und Explosionen zu hören, die Menschen versuchen zu fliehen, während über die Rolltreppe der B-Ebene zwei maskierte und schwer bewaffnete »Terroristen« nach oben stürmen. Sie schießen wahllos in die Menge, werfen Sprengsätze und Rauchgranaten. Menschen schreien, winden sich verletzt auf dem Boden, versuchen sich hinter einen der vielen Pfeiler zu verkriechen.

Wir müssen jederzeit mit einem Terroranschlag rechnen

Bundespolizeipräsident Joachim Moritz

Dann kommen Einsatzkräfte der Bundespolizei. Mehrere Streifenbeamte und ein Überfallkommando rücken von zwei Seiten auf die Szenerie vor, stellen die Täter und erschießen schließlich einen, der andere kann überwältigt und gefesselt werden. Anschließend wird der Bereich gesichert, weitere Kräfte kommen und versuchen, die Verletzten zu versorgen oder aus dem Gefahrenbereich zu bringen, sodass die Rettungskräfte ihre Arbeit aufnehmen können. Bereits nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei, der einem angesichts der Terroranschläge in den letzten Jahren in Europa allerdings das Blut in den Ader gefrieren lassen konnte.

 

Übung sollte vor allem den Streifenbeamten dienen

Anti-Terrorübung Frankfurt 2
Mit einer Maschinenpistole bewaffnet wird der Angriff von Terroristen auf Bahnreisende sim...

Im Anschluss an die erste Übung erklärte Joachim Moritz, Präsident der zuständigen Bundespolizeiinspektion Koblenz, die Hintergründe: »Wir müssen jederzeit mit einem Terroranschlag rechnen, schließlich sind wir als Bundespolizei für die Sicherheit an Bahnhöfen und Flughäfen zuständig. Deshalb müssen wir vorbereitet sein. Diese Übung diente dabei vor allem den Streifenbeamten, die im Ernstfall als Erstes mit einer solchen Situation konfrontiert sind.« Aus diesem Grund seien die Übungen auch die ganze Nacht angesetzt worden, sodass jeder Beamte mindestens einmal zum Zuge komme.

Ein weiteres Ziel der Übung: Die Schnittstellen zwischen Bundespolizei und der Frankfurter Polizei, die im Falle eines Terroranschlags zuständig wäre, den Rettungskräften sowie der Bahn als Zuständige für die Sicherheit aller Züge und Passagiere zu testen und zu verbessern. »Die Übergabe mit einer detaillierten Beschreibung der Lage muss funktionieren. Rettungskräfte können nur in gesicherten Räumen arbeiten, auch das muss geübt werden. Ich bin mit der Übung daher insgesamt zufrieden«, sagte Moritz.

 

Polizeipräsident Bereswill: »Hauptbahnhof ist ein ideales Ziel«

Ebenfalls zufrieden zeigte sich der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. »Wichtig ist, so etwas in einer möglichst realistischen Übung zu trainieren und nicht nur im Trainingszentrum. Der Hauptbahnhof ist als weiches Ziel ideal für Terroristen, umso wichtiger werden diese Übungen.« Sie ist Teil einer Offensive von Bundes- und Landespolizei, die vor dem Hintergrund der Terrorereignisse der vergangenen Jahre ihre Beamte in die Lage versetzen wollen, auch in Extremsituationen perfekt reagieren zu können. Aus diesem Grund habe man etwa auch die Bundeswehr beim Schminken der »Opfer« um Unterstützung gebeten, um das Szenario noch realistischer werden zu lassen.

Deutschland ist zwar gefährdet, aber es gibt keinen Anlass zur besonderen Sorge. Wir haben keine konrekten Hinweise auf einen Anschlag

Innenminister Peter Beuth

Bis um 5 Uhr morgens waren weitere Übungen mit einer Dauer zwischen zehn und 30 Minuten geplant. Anschließend sollte der Betrieb im Bahnhof, dessen nördlicher Teil durch schwarze Sichtschwutzwände abgetrennt war, wieder normal verlaufen. Bei den weiteren Übungen in der Nacht sollten unter anderem auch Szenarien in und um Züge geübt werden. Weitere Details dazu sowie die Auswertungen der eigens eingesetzten »Schiedsrichter«, die im Anschluss eine Manöverkritik machen sollten, blieben allerdings geheim. Stattdessen beruhigte Innenminister Beuth: »Deutschland ist zwar gefährdet, aber es gibt keinen Anlass zur besonderen Sorge. Wir haben keine konkrekten Hinweise auf einen Anschlag.«

Denselben Job hatten auch die Polizeibeamten sowie eigens eingesetzte Bahnmitarbeiter, die die übrigen Bahnreisenden angesichts des Lärms beruhigten sowie Hinweise zum geänderten Ablauf im Bahnhof gaben. Dies war auch nötig, denn bereits nach der ersten Übung hatten sich mehrere Grüppchen an den Sichtschutzwänden versammelt, um eventuell einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen.

Info

Das Fazit der Akteure

Noch in der Nacht gaben Bundespolizei, Landespolizei, Berufsfeuerwehr Frankfurt und die Deutsche Bahn gemeinsame Pressemitteilung mit ersten Ergebnissen der groß angelegten und in dieser Form einmaligen Übungen am Frankfurter Hauptbahnhof heraus. Darin wurde festgehalten, dass die Beamten sämtliche Szenarien gelöst und alle Aufgaben erfüllt werden konnten. Die Beamten hätten zahlreiche Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die ihnen für den Ernstfall weitere Handlungssicherheit gegeben hätten. Die Ergebnisse der genauen Analyse der Übungen sollen zudem in zukünftige Einsatztaktien und -konzepte einfließen. Dies diene dem Schutz aller Bürger.

 

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