30. September 2020, 19:16 Uhr

Erste Lichtblicke am Arbeitsmarkt

30. September 2020, 19:16 Uhr

Nürnberg/Gießen - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist ungeachtet der Corona-Krise im September um 108 000 im Vergleich zum Vormonat gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg waren 2,847 Millionen und damit 613 000 mehr Menschen arbeitslos als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 6,2 Prozent und damit 0,2 Prozehtpunkte unter dem August-Wert.

Der saisonbedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit fällt in diesem Jahr etwas höher aus als in früheren Jahren. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist derzeit auf niedrigem Niveau stabil, nachdem sie während der Kontaktsperre im Frühjahr praktisch eingebrochen war. »Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind nach wie vor deutlich sichtbar«, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur. Allerdings sehe er leichte Zeichen der Besserung.

Auch die Zahl der Kurzarbeiter geht in der Corona-Krise weiter zurück. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 24. September für 85 000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Im August (1. - 26.) lag die Zahl der Neuanzeigen noch bei 170 000, nach 254 000 im Juli und 387 000 im Juni. Damit geht die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, weiter zurück. Im Juli wurde nach Angaben der Bundesagentur für 4,24 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt. Im Juni waren es neuesten Hochrechnungen der Arbeitsagentur zufolge noch 4,6 Millionen Kurzarbeiter. Der bisherige Höchststand war im April mit 5,95 Millionen erreicht worden. Die Zahl der tatsächlichen Kurzarbeiter liegt erfahrungsgemäß niedriger, weil Unternehmen Kurzarbeit zum Teil vorsorglich anzeigen.

Auch in Hessen ist die Zahl der Arbeitslosen im September wieder zurückgegangen. Als Gründe dafür nennt die Regionaldirektion in Frankfurt vor allem Saisoneffekte wie den Beginn des Ausbildungsjahres und das Ende der Sommerferien. Die Folgen der Pandemie seien gleichwohl weiter zu spüren. Der hessische Arbeitsmarkt befinde sich immer noch in einer Ausnahmesituation, erklärte Direktionschef Frank Martin. Zum Stichtag waren 200 733 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren zwar 7734 Menschen weniger als im August, aber auch knapp 54 000 mehr als ein Jahr zuvor. Mehr Arbeitslose in einem September hatte es zuletzt vor zehn Jahren gegeben. Erstmals seit fünf Monaten ging die Arbeitslosenquote in der Monatsfrist wieder zurück, und zwar um 0,2 Punkte auf 5,8 Prozent.

Schäfer: Junge Leute profitieren

Nachdem die Zahl der Arbeitslosen in der Region fünf Monate in Folge gestiegen war, hat sich die Lage im September etwas entspannt. Insgesamt waren im Kreis Gießen, im Wetteraukreis und im Vogelsbergkreis 19 500 Menschen erwerbslos gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber August von 737 Personen. Die Quote sank um 0,2 Prozentpunkte und liegt aktuell bei 5,2 Prozent. Im September vor einem Jahr waren noch 3421 Arbeitslose weniger bei der Gießener Arbeitsagentur registriert. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 4,3 Prozent.

Eckart Schäfer, Leiter der Gießener Behörde, bewertet den Rückgang der Arbeitslosigkeit als sehr positiv. »Junge Menschen unter 25 Jahren haben davon besonders profitiert. Auch das die Zahl der sowohl unbesetzten und auch neu gemeldeten Arbeitsstellen wieder gestiegen ist, freut uns.« Für eine Prognose der weiteren Entwicklung sei es jedoch noch zu früh.

Im Bezirk der Gießener Arbeitsagentur haben 63 Betriebe im September Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt. Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber August. Allerdings waren jetzt weniger Beschäftigte davon betroffen als noch einen Monat zuvor. Seit Jahresbeginn haben insgesamt 6478 Betriebe eine entsprechende Anzeige gestellt. Bis zu 72 102 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen sind oder waren davon betroffen. In den drei Landkreisen gibt es 17 114 Betriebe mit 220 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Kreis Gießen: Im Landkreis Gießen waren im September insgesamt 9035 Menschen erwerbslos gemeldet, 377 Arbeitslose weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 auf nun 6,1 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,3 Prozent. Damals waren 1371 Menschen weniger registriert. 23 Betriebe haben im September eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der insgesamt bis zu 462 Beschäftigte betroffen waren. Seit März sind damit 2513 Betriebe und bis zu 30 252 Personen betroffen.

Wetteraukreis: Die Zahl der Arbeitslosen sank im September um 273 Personen auf jetzt 8131. Die Quote ging um 0,2 zurück und liegt nun bei 4,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 1721 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent. 25 Betriebe haben im September eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 124 Beschäftigte betroffen waren. Seit März sind im Wetteraukreis 3040 Betriebe und bis zu 31746 Personen betroffen.

Vogelsbergkreis: Hier ist die Anzahl der Erwerbslosen im September gesunken. 2334 Personen waren arbeitslos gemeldet, 87 Personen weniger als noch im August. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 und lag danach bei 4,0 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 329 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,4 Prozent. 15 Betriebe haben im September eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 94 Beschäftigte betroffen waren. Seit Beginn der Corona-Krise sind nun 925 Betriebe und bis zu 10104 Personen betroffen. dpa/pi

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