29. Juni 2020, 21:58 Uhr

Erst testen, dann fliegen

Ein leichter Würgereflex, wenn der Spatel den hinteren Rachenraum streift, dann nach einigen Stunden Gewissheit über den Covid-Status: Vor dem Weg zum Gate können sich Reisende nun am Frankfurter Flughafen testen lassen
29. Juni 2020, 21:58 Uhr

Erst Check-in, dann Boarding - und zwischendrin auf Covid-19 testen lassen: So können Flugreisen gerade außerhalb der EU in Zeiten der Corona-Pandemie aussehen. Seit diesem Montag hat am Frankfurter Flughafen ein Corona-Testzentrum geöffnet, das Erste an einem deutschen Airport. Es soll eine »Blaupause für die Öffnung des internationalen Reiseverkehrs« sein, sagte Arndt Rolfs, Chef des Biotechnologieunternehmens Centogene. Er startete das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber Fraport und der Lufthansa.

»Die erste vage Idee kam vor sechs Wochen«, sagte Alexander Laukenmann, bei Fraport zuständig für den Geschäftsbereich Terminalbetrieb, über die zügige Entstehungsgeschichte des Testzentrums. Solange es keinen Impfstoff gebe, seien größere Testkapazitäten entscheidend. Wenn Privat- oder Geschäftsreisende nach der Ankunft an ihrem Zielort erst einmal eine 14-tägige Quarantäne durchlaufen müssten, bedeute das in vielen Fällen den »Wegfall des Reisezwecks«. Voraussichtlich bis Ende Juli 2021 können abfliegende und auch ankommende Passagiere das »Walk-in-Testcenter« in der Nähe des Terminalgebäudes und des Fernbahnhofs aufsuchen. Die derzeitige Kapazität betrage etwa 300 Tests pro Stunde, hieß es. Ein Ausbau sei aber problemlos möglich, wenn größere Kapazitäten benötigt würden.

Tests können den Angaben zufolge entweder am Vortag oder vor Reiseantritt am Tag der Abreise in einem Eilverfahren vorgenommen werden. Alle Ergebnisse würden den Passagieren über eine sichere digitale Plattform zur Verfügung gestellt und mit dem Flugticket verknüpft, sagte Rolfs. Das Ergebnis des 59 Euro teuren Tests liege nach etwa fünf bis sechs Stunden vor.

Wer kurzfristig reisen und etwa in einem Drittland bei der Einreise einen höchstens 72 Stunden alten Corona-Test vorweisen muss, kann das »Fast Track«-Verfahren nutzen, dessen Ergebnis bereits nach zwei bis drei Stunden vorliege, so ein Sprecher. Für dieses Schnellverfahren sind nach Unternehmensangaben 139 Euro fällig.

»Mit der Eröffnung des Testcenters bieten wir unseren Gästen eine komfortable Möglichkeit, sich für Flüge ins Ausland oder einen Aufenthalt in Deutschland zu testen, um eine Quarantäne zu vermeiden«, sagte Björn Becker von Lufthansa. Schon jetzt werde bei Reisen in Staaten, die einen zeitnahen Corona-Test bei der Einreise vorschreiben, nach einem Testergebnis gefragt, ehe die Passagiere an Bord gehen können - denn wenn sie bei der Einreise zurückgewiesen werden, muss die Fluglinie sie zurückbefördern.

Das Testzentrum steht nicht nur Flugreisenden offen, sondern allen, die etwa nach dem Besuch einer Veranstaltung mit zahlreichen Teilnehmern, vor einem Besuch bei alten oder kranken Angehörigen oder aus sonstigen Gründen ihren aktuellen Covid-19-Status kennen wollen.

Bei Kurzarbeit gute Zahlen in Hessen

Auch wenn das Zentrum mit derzeit acht Abstrichkabinen und elektronischer Registrierung im Anmeldungsbereich gerade erst geöffnet hatte, gab es am Montag bereits erste spontane Besucher, die die Gelegenheit zu einem Test nutzten, sagte eine Mitarbeiterin. Auch ein junger Mann, der am Flughafen eigentlich nur die Situation für seinen geplanten Flug nach Sambia prüfen wollte, registrierte sich schon einmal: »Wenn ich fliege, brauche ich schließlich auf jeden Fall einen Test.«

Der Arbeitsmarkt in Hessen ist von der Corona-Krise weniger stark getroffen worden als in anderen Regionen. Darmstadt, Wiesbaden oder auch der Hochtaunuskreis gehören laut einer Auswertung der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung bundesweit zu den Regionen mit den geringsten Kurzarbeitsanmeldungen. Auch der direkte Anstieg der Arbeitslosigkeit erreichte in Hessen keine Spitzenwerte.

Lufthansa hebt ab

Die coronageplagte Lufthansa fährt ihren Flugbetrieb wieder hoch. Das Unternehmen veröffentlichte am Montag seinen Flugplan bis zum 24. Oktober dieses Jahres. Dann soll etwa jedes zweite Flugzeug der Konzernmarken wieder in der Luft sein, rund 380 von 760 Jets. Geflogen würden über 40 Prozent des früheren Programms, womit 90 Prozent der Kurz- und Mittelstreckenziele sowie mehr als 70 Prozent der Langstreckenziele abgedeckt seien. Eindeutiger Schwerpunkt ist der Mittelmeerraum.

Prozesse im Zelt

Angesichts coronabedingter Platzprobleme nutzt das Landgericht Limburg künftig eine Zeltkonstruktion aus Kunststoff als Sitzungssaal für größere Strafprozesse. Es handele sich um eine spezielle Lösung für das Limburger Gericht und sei in dieser Form einmalig in Hessen, sagte ein Sprecher. Der jetzt fertiggestellte Zeltbau soll demnach die Durchführung von Großverfahren ermöglichen, die wegen der Beschränkungen in der Corona-Pandemie nicht in den vorhandenen Räumen im Gerichtsgebäude verhandelt werden können. »Die Zeltkons-truktion in Limburg ist ein guter und kreativer Lösungsvorschlag des Landgerichts, um die Gerichtsverfahren trotz der pandemiebedingten Einschränkungen fortzusetzen«, sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU).

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • Deutsche Lufthansa AG
  • Eva Kühne-Hörmann
  • Flughafen Frankfurt
  • Flugreisen
  • Flugtickets
  • Fraport AG
  • Landgericht Limburg
  • Passagiere und Fahrgäste
  • Reiseantritt
  • Reisende
  • Spatel
  • Strafprozesse
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen