20. Januar 2020, 20:42 Uhr

Elf Jahre Haft für falschen Arzt

20. Januar 2020, 20:42 Uhr
Der Angeklagte (l). ist in München zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. FOTO: DPA

München/Gießen - Urteil im Stromschlagprozess vor dem Münchner Landgericht: Ein 30 Jahre alter Mann ist unter anderem wegen 13-fachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung - jeweils in mittelbarer Täterschaft - zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt worden. Außerdem soll er in einer Psychiatrie untergebracht werden. Der Mann hatte bundesweit junge Frauen dazu gebracht, sich selbst Stromschlägen auszusetzen; eine Nebenklägerin kommt aus Gießen.

Angeklagt war der Mann wegen 88-fachen versuchten Mordes; nach der Beweisaufnahme konnten ihm laut Kammer 13 Fälle nachgewiesen werden. Verurteilt wurde er auch wegen Titelmissbrauchs und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

Der Informatiker hatte sich zwischen 2013 und 2018 als Mediziner oder Hochschulmitarbeiter ausgegeben und hohe Geldbeträge für die Teilnahme an einer angeblichen Forschungsreihe in Aussicht gestellt. Gegenüber der zur Tatzeit 22 Jahre alten Gießenerin hatte er sich zum Beispiel als Mitarbeiter der Justus-Liebig-Universität Gießen ausgegeben.

Übers Internet hatte er die jungen Frauen angeleitet, provisorische Apparaturen zu bauen. Dann forderte er sie auf, sich über das 230-Volt-Stromnetz der jeweiligen Häuser selbst Stromstöße zu versetzen. Dabei machte er Videoaufnahmen - während er für die Frauen nicht zu sehen, sondern nur zu hören war. All das, um seinen sexuellen Fetisch zu befriedigen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 14 Jahren sowie die Unterbringung in einer Psychiatrie gefordert - unter anderem wegen versuchten Mordes.

Die Verteidigung des Mannes berief sich auf eine psychische Störung des Angeklagten - er leidet unter dem Asperger Syndrom - und plädierte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen Titelmissbrauchs und der Erstellung von Bildaufnahmen - oder hilfsweise die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger versuchter Tötung.

Die Gießener Nebenklägerin vertreten hatte der Gießener Rechtsanwalt Alexander Hauer. Die Kammer hatte in ihrem Fall keinen versuchten Mord, sondern eine gefährliche Körperverletzung gesehen. »Letztlich war es eine Rechtsfrage«, sagte Hauer. Das Gericht habe das Urteil gut begründet. Deshalb tendiere er dazu, das Urteil zu akzeptieren. Am vorherigen Prozesstag hatte das Gericht der Frau ein Schmerzensgeld von 2000 Euro zugesprochen. Was Hauer wichtig ist: Die Kammer habe deutlich gemacht, wie lebensgefährlich die Experimente des 30-Jährigen gewesen seien. khn

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