17. Januar 2018, 21:00 Uhr

Filmmusiker

Ein Hesse auf dem Sprung nach Hollywood

Ein Film ohne Musik ist undenkbar! Sie steht für Spannung, Gefühle, Träume. Markus Nestele aus Nidderau komponiert für bewegte Bilder und konnte auch schon mal in Hollywood reinschnuppern.
17. Januar 2018, 21:00 Uhr
Abstecher nach Hollywood: Markus Nestele (links) mit Darsteller Ian Watson (M.) und ein Gast bei der Premiere von »The Cursed Man«. (Foto: Leire Baztarrica Photography)

Immer steht am Anfang die Initialzündung. Wer sich für einen Job in der Filmbranche entscheidet, hatte irgendwann einmal das einschneidende Erlebnis:

»Als ich das erste Mal ›Star Wars‹ sah und mich John Williams mit seiner unglaublichen Musik in diese ferne Galaxie entführte, wusste ich sofort: Genau das möchte ich machen. Ich wollte, genau wie Williams, die Zuschauer in den Film reinziehen und mit Musik Geschichten erzählen«, sagt Markus Nestele.

Der 25-Jährige aus Nidderau hat Filmmusik zu seinem Hauptberuf gemacht. Daneben arbeitet er als Sprecher und Tontechniker. In Bonn und Frankfurt hat er Komposition für Film und Medien studiert und parallel dazu eine Ausbildung zum technischen Tonmeister absolviert.

 

Erste Komposition mit 13 Jahren

Mit 13 Jahren komponierte er sein erstes Musikstück – »und natürlich hatte ich eine Filmszene im Kopf«. Der Einstieg in die Welt der Soundtrack-Komponisten erfolgte mit dem Kurzfilm »Randgestalten« von Tobias Clever. »Zum ersten Mal meine Musik Hand in Hand mit einem Film zu sehen, war für mich ein wahr gewordener Traum«, erinnert sich Nestele.

Danach kamen Kurzfilme von befreundeten Regisseuren. Während des Studiums in Bonn gab es eine Zusammenarbeit mit einer Filmschule aus Los Angeles. »Da konnte man ein bisschen Hollywood-Luft schnuppern.«

Seinen ersten Spielfilm (mit gutem Zuspruch in Mittelhessen) vertonte Nestele 2011 für den Film-Club Sinn mit dem Western »Die letzte Kugel«. Für dieselbe Produktion folgten mittlerweile die Krimis »GlüXXspiel« (2015) und »Todgeweiht« (2018).

 

Musik für Werbefilme

Doch es sollte nicht beim Erfolg in der Region bleiben. »Ich hatte das Glück, schon sehr früh an internationalen Projekten mitwirken zu dürfen. Liebesfilme aus Südkorea und Kanada, Kunstfilme aus Syrien, Thriller aus England und auch ein Hollywood-Film.«

Seit vergangenem Jahr schreibt Nestele auch viel Musik für Werbefilme, so zum Beispiel 2017 für die »Creating Perfect Places«-Kampagne von Siemens USA.

Es war einfach eine großartige Erfahrung in dieser Stadt, die man aus so vielen Filmen kennt und wo so viele Filme herkommen, die mich geprägt und inspiriert haben, nun seine eigene Musik zu hören

Markus Nestele

Getoppt wird dies alles aber von einem echten Erfolg in der kalifornischen Traumfabrik: »The Cursed Man«, ein Grusel-Thriller, der hierzulande allerdings (noch) nicht gelaufen ist. Unglaublich beeindruckend für ihn die Premiere im Oktober 2016 in Los Angeles.

»Es war einfach eine großartige Erfahrung, in dieser Stadt, die man aus so vielen Filmen kennt und wo so viele Filme herkommen, die mich geprägt und inspiriert haben, nun seine eigene Musik zu hören.«

»The Cursed Man« sei einer dieser glücklichen Zufälle gewesen, auf die man als Künstler aber letztendlich auch angewiesen ist. Jemand, der Einfluss hat, muss merken, dass da jemand Potanzial hat.

»Der Regisseur James L. Perry hatte mich 2011 angeschrieben, als ich meine ersten Stücke online hatte, und fragte mich, ob er ein paar davon in seinen Kurzfilmen und Montagen verwenden dürfte. So habe ich ihm über die Jahre immer mal wieder Stücke geschickt, die er dann in seinen Filmen verwendete.«

2014 kam dann die große Nachricht: »Ich führe Regie bei der Adaption des Buches ›The Cursed Man‹. Willst du die Musik komponieren?«, fragte Perry an. »Ich habe natürlich sofort zugesagt.«

 

Williams und Zimmer als Vorbilder

Ein bevorzugtes Filmgenre hat Nestele, der Michael Giacchino, John Williams und Hans Zimmer zu seinen Vorbildern zählt, nicht. »Aber ich würde gerne mal Musik für einen Science-Fiction-Film komponieren.«

Manchmal sei es einfacher, nach Vorgaben zu komponieren, weil man eine genaue Vorstellung von dem bekomme, wie die Musik am Ende klingen soll.

»Aber natürlich liebe ich die Freiheit, mich musikalisch auszutoben, gerade wenn man mit einem Regisseur oder den Filmschaffenden auf derselben kreativen Linie liegt.« Beide Arten seien kreativ herausfordernd.

Für mich macht die Musik den Unterschied, ob ich einen Film nur schaue oder ihn erlebe

Markus Nestele

Und wenn mal eine Komposition beim Auftraggeber nicht so ankommt? »The show must go on. Musikern fällt es oft sehr schwer, damit umzugehen, weil man so viel von sich selbst in seine Arbeit reinsteckt. Und dann fühlt sich eine abgelehnte Arbeit wie ein persönlicher Angriff an«, räumt Nestele ein.

Da müsse man eben professionell sein und sich wieder an die Arbeit machen. Gerade aus Rückschlägen lerne man am meisten. Und manchmal lasse sich eine abgelehnte Komposition woanders wiederverwenden.

 

Hollywood bleibt der große Traum

»Musik im Film kann so viel mit uns als Zuschauer machen, sie zieht uns in die Gefahr bei Action-Szenen, sie lässt uns Tränen vergießen aus Trauer oder Glück, sie lässt uns vor Angst erstarren. Aber vor allem lässt sie uns die Bilder fühlen. Für mich macht die Musik den Unterschied, ob ich einen Film nur schaue oder ihn erlebe«, erklärt der 25-Jährige die Faszination des Soundtracks.

Sein nächstes Projekt ist ein Pilotfilm für eine Webserie. Und der große Traum? »In Hollywood Fuß fassen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bilder
  • Emotion und Gefühl
  • Hans Zimmer
  • Hollywood
  • John Williams
  • Michael Giacchino
  • Siemens AG
  • Träume
  • Werbefilme
  • Rüdiger Geis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos