16. Oktober 2019, 21:43 Uhr

Druck auf örtliche Kontrolleure

16. Oktober 2019, 21:43 Uhr
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Von DPA

Wiesbaden/Korbach (dpa/lhe). Im Skandal um keimbelastete Wurst des hessischen Herstellers Wilke geraten die örtlichen Lebensmittelkontrolleure zunehmend unter Druck. Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) warf dem für die Hygieneüberwachung zuständigen Landkreis Waldeck-Frankenberg am Mittwoch vor, teils nur unzureichend über Mängel in dem Betrieb informiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft sei trotz eines dringenden Hinweises ihres Ministeriums erst nach mehreren Tagen im Zuge der Firmenschließung vom Kreis über die Zustände bei dem Wursthersteller informiert worden.

»Wir müssen klären, ob es bei der Aufsicht zu Fehlern gekommen ist«, sagte die Ministerin im Umweltausschuss des hessischen Landtags. Der Kreis sei aufgefordert worden, bis zum 25. Oktober einen ausführlichen Bericht über die Art und die Zahl der Kontrollen sowie die angeordneten Auflagen für das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren vorzulegen.

Der Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Reinhard Kubat (SPD), versicherte, man arbeite mit Hochdruck an dem Bericht. Nach den bisherigen Erkenntnissen hätten die zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und einen guten Job gemacht. Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft den Behörden vor, zu spät reagiert zu haben.

Die mit Listerien belastete Wurst der nordhessischen Firma wird mit bundesweit drei Todesfällen und 37 Erkrankungen in Verbindung gebracht. Behörden hatten den Betrieb vor zwei Wochen geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. Informationen über neue Krankheits- oder Todesfälle habe sie nicht, sagte Hinz. Auch lägen ihr keine Hinweise über Lebensmittelhersteller in Hessen mit ähnlichen hygienischen Mängeln vor.

Die Ministerin sagte, bei dem Unternehmen sei mit hoher krimineller Energie gehandelt worden. Es wurden nach ihren Angaben immer wieder mit Listerien belastete Lebensmittel produziert. Hinz kündigte im Ausschuss ein Treffen am Freitag der nächsten Woche mit ihren Amtskollegen aus anderen Bundesländern an, um über eine bessere Lebensmittelüberwachung zu beraten. Kernthema soll dabei eine bessere Meldepflicht sein.



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