13. Dezember 2017, 21:43 Uhr

Drohnen auf dem Gabentisch

Modelleisenbahnen oder die Carrera-Rennbahn waren früher Geschenkeklassiker zu Weihnachten. Heute dagegen erfreuen sich Drohnen zunehmender Beliebtheit auf den Wunschzetteln. Doch einfach losfliegen kann im wahrsten Sinne des Wortes zum großen Absturz führen. Auch dann, wenn die Sicherheit anderer, Haftungsfragen oder Persönlichkeitsrechte betroffen sind.
13. Dezember 2017, 21:43 Uhr

Über den Wolken oder besser in luftiger Höhe schien die Freiheit bis vor kurzem fast grenzenlos zu sein. Zumindest für die Piloten sogenannter Drohnen. Diese Fluggeräte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Nicht verwunderlich, dass sie vermehrt auf dem Weihnachtswunschzettel auftauchen. Allerdings: Der Luftraum wird langsam eng. Damit das luftige Vergnügen nicht zum Desaster wird, sollte man einiges beachten.

Für Andreas Pfeiffer, der als »Wetterauer Copter« in der Region bekannt ist, sind umfassende Kenntnisse zwingend notwendig, denn viele Drohnenpiloten wissen gar nicht, was sie dürfen und welche Konsequenzen ein Fehlverhalten haben kann. Der Niddataler, Mitglied im Bundesverband Copter Piloten (www.bvcp.de), ist nebenberuflich fotografisch mit einer Drohne unterwegs, nutzt diese also eindeutig gewerblich.

Doch die Grenzen sind fließend. Schnell kann auch ein privater Nutzer ungewollt zum Geschäftsmann werden. Dann nämlich, wenn er seine Aufnahmen Dritten überlässt oder auf Internetportalen wie Youtube oder Facebook einstellt. Gerichte haben dies schon als gewerbliche Überlassung bewertet, zumal wenn das Portal sie mit kommerzieller Werbung verbindet. Gewerbliche Nutzung liegt vor, wenn ein geldwerter Vorteil erworben wird. Folgendes gilt es zu beachten:

Kenntnisnachweis: Grundsätzlich sollte man sich über die Verwendung des Fluggerätes im klaren zu sein. »Der Gesetzgeber unterscheidet hier lediglich zwischen Modellflug und sonstiger Nutzung, wobei die sonstige Nutzung unter Umständen bereits dort anfängt, wenn ich Aufnahmen erstelle«, erklärt Pfeiffer. Für die sonstige Nutzung benötigt man ab zwei Kilo Abfluggewicht den Kenntnisnachweis einer vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Stelle. Dieser wird auch zur Beantragung etwaiger Ausnahmen für Fluggeräte unter zwei Kilogramm benötigt. Den Nachweis für sogenannte Flugmodelle unter den Drohnen kann man schon für etwa 25 Euro online bei einem Modellflugverband oder -verein (ab 14 Jahre) erwerben.

Versicherungspflicht: Verursacht der Hobby-Pilot einen Schaden, muss er dafür einstehen. Seit 2005 ist eine Haftpflichtversicherung für unbemannte Flugobjekte sogar Pflicht. Solange es sich dabei um ein Spielzeug handelt, reicht der Schutz einer privaten Haftpflichtversicherung in der Regel aus, »wobei die Grenzen hier nicht eindeutig definiert sind«, warnt Pfeiffer. Allerdings schließen einige Anbieter Drohnen explizit aus ihrem Schutzumfang aus. Andere versichern ausschließlich Drohnen bis zu einem Gewicht von fünf Kilo, die nur zur Freizeitgestaltung genutzt werden. »Deshalb sollte unbedingt vor dem ersten Flug geklärt werden, ob die Drohne vom eigenen Haftpflichtschutz gedeckt ist«, rät Michael Schwarz, Leiter Sachversicherung beim Finanzdienstleister MLP. Wenn nicht, ist eine Zusatzversicherung notwendig. »Wer die Drohne, etwa für Luftbilder, kommerziell nutzt, braucht in jedem Fall eine separate gewerbliche Haftpflichtversicherung«, erläutert Schwarz.

Kennzeichnungspflicht: Für alle Drohnen ab 250 Gramm – somit für fast alle dieser Fluggeräte – gilt eine neue Kennzeichnungspflicht. Dadurch ist das Anbringen eines feuerfesten Kennzeichens mit dem Namen und der Anschrift des Eigentümers gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist notwendig, um den Eigentümer einer verunfallten Drohne identifizieren zu können.

Einschränkungen: Für Drohnen gilt eine Abstandsregelung von 100 Metern zu Bundesfernstraßen, Menschenansammlungen ab zwölf Personen, Polizeigebäuden, Militäranlagen, Botschaften, Krankenhäusern, Bundeswasserstraßen, Kraftwerken, Einsatzstellen von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr, Naturschutzgebieten oder Justizvollzugsanstalten – was das Fliegen innerhalb von Ortschaften ohne Aufstiegserlaubnis und Kenntnisnachweis fast unmöglich macht. Mindestens 1,5 Kilometer Abstand muss man von Flughafenbegrenzungen halten. Eine Sechs-Kilometer-Bannmeile gilt um den Berliner Reichstag. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften kann bis zu 50 000 Euro Strafe kosten. Auch das Überfliegen von Wohngrundstücken mit Drohnen ab 250 Gramm (oder wenn sie mit Aufnahmegeräten ausgestattet sind), ist ohne Erlaubnis des Nutzers oder Eigentümers grundsätzlich verboten.

Kompakt zusammengefasst sind diese Infos auch im kürzlich erschienen Buch von Maximilian Beck, »Drohnen Guide« (Verlag R.Eisenschmidt GmbH (236 Seiten, 34,90 Euro, ISBN 978-3-87197-017-7). (Foto: dpa)

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