01. Juni 2020, 22:32 Uhr

Dramatischer Start ins Leben

01. Juni 2020, 22:32 Uhr
Oft nur eine Handvoll Leben: Frühgeborene haben einen schweren Start. FOTO: DPA

Fulda - In Fulda ist nach Angaben des Klinikums eines der jüngsten Frühchen der Welt nach einer Notgeburt behandelt worden. Das mit 21 Wochen und vier Tagen geborene Mädchen wurde von März 2019 an dort medizinisch betreut, wie das osthessische Krankenhaus am Freitag berichtete.

Vor Kurzem wurde es nach rund 13 Monaten Klinikaufenthalt nach Hause entlassen, wie der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Reinald Repp, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Das Mädchen war am 5. März 2019 zusammen mit seinem Zwillingsbruder bei einer Hausgeburt im Vogelsbergkreis überraschend zur Welt gekommen. Anschließend seien die beiden Säuglinge per Notarztwagen ins Klinikum gebracht worden. Der Junge sei wenige Stunden nach der Entbindung an Kreislaufversagen gestorben. »Das alles war sehr dramatisch, vor allem für die Eltern«, sagte Repp. Dem Mädchen glückte mithilfe der Mediziner am Klinikum Fulda der Sprung ins Leben. »Dem Kind geht es den Umständen entsprechend gut. Es hat sich sehr gut stabilisiert«, sagte Repp.

Bei derart unreif geborenen Kindern bestehen große Risiken von Erkrankungen und Behinderungen im Bereich von Lunge, Hirn, Darm und Augen, wie Repp erklärte. Wie das Kind heißt und wo es lebt, wollen die Eltern anonym halten. Am Donnerstag wird das Klinikum weitere Einzelheiten zu dem Fall der jungen Patientin schildern.

Nach Angaben von Repp mit Blick auf wissenschaftliche Fundstellen zum Thema gibt es bislang nur ein Kind, das genauso früh zur Welt gekommen ist. Es sei im Jahr 2014 in den USA ebenfalls mit 21 Wochen und vier Tagen zur Welt gekommen. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Das Klinikum Fulda hat bereits Erfahrungen gesammelt mit extrem unreifen Säuglingen. Am 7. November 2010 kam dort Frühchen Frieda zur Welt, es war damals 21 Wochen und fünf Tage alt. Es gilt somit als Europas jüngstes Frühchen.

In der Literatur sei ansonsten nur ein Kind zu finden, das ebenfalls nach 21 Wochen und fünf Tagen geboren wurde. Es kam 1987 in Kanada zur Welt, wie Repp sagte.

Schon Frühchen Frieda hatte Repp immer wieder als medizinisches Wunder bezeichnet. Trotz der extremen Frühgeburt - sie war 26 Zentimeter groß und wog 460 Gramm - sei das Mädchen gesund und habe sich besser entwickelt, als zu erwarten war.

Das nun jüngste Frühchen hatte schwerer zu kämpfen beim Start ins Leben, es wog nur rund 450 Gramm und maß 25,5 Zentimeter. Vor allem hatte es lange Lungenprobleme, wie Repp sagte. dpa

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