06. August 2019, 19:47 Uhr

Digitale Hilfe für Nachhaltigkeit

06. August 2019, 19:47 Uhr
Eine systematische Naturdatenerfassung soll bei der Entscheidung über die richtigen Baumsorten in Hessen helfen. (Foto: dpa)

So wie das Navi zunehmend den alten Straßenatlas ersetzt, geht auch die Waldbewirtschaftung immer mehr digitale Wege. Messtischblatt und papierene Bestandsliste gehören auch für den Förster immer weniger zum Alltag. Mithilfe des betrieblichen geografischen Informationssystem (GIS) soll der Wald zukunftssicherer, sprich: klimaresistenter gemacht werden. Über Hintergründe informierte sich Dr. Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im hessischen Umweltministerium, gestern auf ihrer Sommertour bei Hessen Forst in Gießen.

Inzwischen spreche man von einem Waldsterben 2.0, stellte Tappeser fest. Durch die Hitze und Trockenheit der vergangenen beiden Jahre seien auch Baumarten betroffen, von denen man es bisher nicht gedacht habe, dass sie so klimaanfällig sein könnten - wie die Buche. Deshalb sei die Frage von besonderer Bedeutung: »Wie bekommen wir einen klimaresistenten Mischwald hin?«

Hier kommt die Forsteinrichtung ins Spiel, die Planung der Bewirtschaftung über einen Zeitraum von zehn Jahren. Katrin Siegert, Sachgebietsleiterin für diesen Bereich bei Hessen Forst in Gießen, erläuterte, dass dabei beispielsweise die Lebensraumtypen, Pflanzen wie Tiere, zu beachten sind, die in einem FFH-Gebiet vorkommen. Entsprechendes Infomaterial werde ins Geodatensystem GIS eingearbeitet, erklärte Dr. Mengistu Abiy, Sachgebietsleiter für forstliche Geoinformation. Dies betreffe auch von Flächen, Wege und Verwaltungsvereinbarungen zum Beispiel mit Hessen Mobil oder Karten für Forstämter. Ein Beispiel aus dem Bereich des Forstamts Wettenberg steuerte Dr. Manuel Weis, zuständig für die GIS-Analyse, bei. Von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) habe man beispielsweise Datenmaterial über Horstbäume im Krofdorfer Forst zur Verfügung gestellt bekommen. Diese dürfen nicht gefällt werden. Ihre Lage wird in eine Karte eingepflegt. Das lässt sich auch mit wertvollen Biotopen oder nachgewiesenen Fledermauskolonien machen. Bedeutet unterm Strich: Ein Pflanzenbewuchs, der ein Vorkommen des nördlichen Kammmolches ermöglicht, muss so auch fortgesetzt werden.

Unterstützung durch Satelliten

Darüber hinaus lassen sich mithilfe von Satellitendaten auch sogenannte Kalamitätsflächen einpflegen, also Flächen, die durch Windbruch oder Käferbefall geschädigt wurden. Die damit mögliche genaue Angabe zum Beispiel von schadhaften Bäumen, die eine Gefahr darstellen könnten, ist ein weiterer Vorteil.

Letztendlich dienen alle diese Daten und weitere Klimaauswertungen dazu, »bestmögliche Entscheidungen für Neuanpflanzungen durch die Waldbesitzer vorzubereiten«, fasste Michael Gerst, Landesbetriebsleiter Hessen Forst, zusammen. Dadurch werde die Arbeitsqualität wesentlich unterstützt. Es gehe aber nicht nur um die kurzfristige Forsteinrichtung für zehn Jahre sondern auch um langfristige Weichenstellungen: »Wenn man für die Anpflanzung Eichen wählt, ist das eine Entscheidung für 200 Jahre.«

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