17. März 2017, 09:00 Uhr

Verkehrsstatistik

Deutlich mehr Unfälle in Hessen

2016 gab es in Hessen so viele Verkehrsunfälle wie zuletzt vor fast einem Vierteljahrhundert. Die neuste Polizeistatistik deckt Licht und Schatten auf und gibt Hinweise warum.
17. März 2017, 09:00 Uhr
2016 wurden laut Polizeistatistik 4789 Menschen bei Unfällen im hessischen Straßenverkehr schwer verletzt. (Foto: dpa)

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Hessen hat 2016 einen so hohen Stand erreicht wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent auf 141 133 Unfälle. Zuletzt hatte die Unfallstatistik 1992 eine höhere Summe ergeben, wie das Innenministerium am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Als Gründe für den jüngsten Anstieg nannte Landespolizeipräsident Udo Münch unter anderem das steigende Verkehrsaufkommen – aber auch eine mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer. Außerdem hätten sich die Vorgaben für Leasing-Wagen geändert, bei denen inzwischen jeder Bagatellunfall bei der Polizei angezeigt werden müsse. Innenminister Peter Beuth (CDU) sah zwar noch keinen statistischen Trend – aber dennoch Grund zur Sorge.

2016 wurden 4789 Menschen bei Unfällen im hessischen Straßenverkehr schwer verletzt, 26 mehr als noch im Jahr zuvor. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Getöteten von 244 auf 231, wie sich aus der Statistik ergibt. Zu den Hauptursachen schwerer Unfälle zählen mangelnder Abstand, Missachtung der Vorfahrt und zu schnelles Fahren.

Motorräder – Zwar machen die Motorradunfälle mit rund 4080 nur einen kleinen Teil der Gesamtzahl aus – allerdings sind sie häufig besonders folgenschwer. Von den 231 Unfalltoten 2016 verunglückte jeder fünfte mit einem Motorrad. Dies wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass nicht das ganze Jahr Saison ist. Die Ursache für Motorradunfälle sind meist zu schnelles Fahren, mangelnder Abstand und gefährliches Überholen. Die hessische Polizei hat ein neues Zivilmotorrad angeschafft, um Raser zu erwischen.

Die Geschwindigkeit von Motorrädern sei schwer zu kontrollieren, sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann. Die Maschinen haben nur hinten ein Nummernschild, bei heruntergeklappten Visier ist der Fahrer kaum zu erkennen. Dennoch lohnten sich an Schönwetter-Tagen gezielte Kontrollen an den beliebten Routen, wenn die Raser direkt angehalten werden können.

Ältere Menschen – Nach den Worten von Landespolizeipräsident Münch bauen ältere Menschen nicht überdurchschnittlich häufig Unfälle. So betrage der Wert bei den 65 bis 74 Jahre alten Verkehrsteilnehmern rund zehn Prozent und entspreche damit in etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung. Vor allem bei der Gruppe 75 Plus gelte jedoch: »Je älter, umso schwerer sind die Verletzungen.« Unfallforscher Brockmann verweist auf steigende Zahlen bei verunglückten oder verletzten Fußgängern im Seniorenalter. Er appellierte an die Städte, bei der Planung von Straßenquerungen auch die Älteren im Blick zu haben und etwa eine Mittelinsel einzuplanen.

Aufmerksamkeit und Verkehrsmoral – »Jeder vierte schwere Verkehrsunfall geschieht wegen Unaufmerksamkeit«, sagte Münch unter Bezug auf verschiedene Studien. Neben den bekannten Problemen mit Handys und Tablets am Steuer seien auch Fälle bekannt, bei denen Lastwagenfahrer während der Fahrt fernsehen. Münch warnte auch vor Radfahren mit Kopfhörern auf dem Ohr. Dies sei zwar nicht verboten – er halte es aber für absolut unvernünftig. Die Polizei beklagt neben ungenügender Aufmerksamkeit auch eine sinkende Moral bei Verkehrsteilnehmern. »Respektlosigkeit und mangelnde Rücksichtnahme prägen das Bild auf unseren Straßen«, heißt es in der Statistik der Behörden. Auch Brockmann sieht eine wachsende Aggressivität. »Jeder meint, er dürfe sich im Straßenverkehr selbst verwirklichen wie im wirklichen Leben.«

E-Bikes und Pedelecs – Radfahren mit Hilfe eines Elektromotors wird zunehmend beliebter. Dementsprechend hatte die Polizei in den vergangenen Jahren steigende Unfallzahlen in dieser Kategorie registriert. 2016 verzeichnete sie nun stagnierende Werte. Rund 190-mal verunglückten im vergangenen Jahr Pedelec-Fahrer (davon zwei tödlich) und 21-mal Fahrer eines E-Bikes (davon einer tödlich). Pedelecs unterstützen den Radler lediglich mit einem Elektromotor, ein E-Bike fährt dagegen von ganz allein auf Knopfdruck.

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