19. August 2020, 23:12 Uhr

»Der schrecklichste Tag«

19. August 2020, 23:12 Uhr
Ein halbes Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau mit neun Toten kamen Angehörige der Opfer sowie Vertreter der Stadt und Hanauer Bürger zu einem Gedenken zusammen. FOTO: FRANK RUMPENHORST/DPA

- Ein halbes Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau haben Angehörige, Vertreter aus Politik und Initiativen sowie Bürger der neun Opfer gedacht - mit einer Schweigeminute und der Forderung nach lückenloser Aufklärung der Tat. Zeitweise kamen am Mittwoch nach Schätzungen der Polizei mehr als 120 Menschen zu der Veranstaltung auf dem Hanauer Marktplatz, bei der auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach. Die Stadtgesellschaft werde »den schrecklichsten Tag, den Hanau in Friedenszeiten erlebt hat«, niemals vergessen, sagte Kaminsky.

Den Angehörigen, die einen Anspruch auf die Aufklärung der Tat hätten, sicherte er zu, man werde sie nicht alleinelassen und weiter unterstützen. Kaminsky erklärte, er werde weiterhin einmal monatlich zu Gesprächen mit den Angehörigen zusammentreffen. »Sie müssen die Wertschätzung verspüren, und dass sie unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger sind, die hier wohnen und leben, und das ist gut so.« Die »rassistische Mordtat« habe eine Zäsur nicht nur für Hanau, sondern auch für Hessen und für ganz Deutschland bedeutet, erklärte der Oberbürgermeister.

Die Stimme lauter erheben

Am Abend des 19. Februar hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen ausländischer Abstammung erschossen. Er soll auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete. Vor der Tat hatte der Mann Pamphlete mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Für die »Initiative 19. Februar« forderte Mitbegründerin Newroz Duman eine lückenlose Aufklärung der Tat und Konsequenzen daraus. »Es muss aus den Fehlern auch gelernt werden«, sagte Duman. Die Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirats, Selma Yilmaz-Ilkhan, erklärte, jeder Einzelne stehe in der Pflicht, die Stimme lauter gegen jegliche Art von Diskriminierung, Rassismus und Hass zu erheben. »So etwas darf es nie wieder geben«, mahnte Yilmaz-Ilkhan. Zugleich rief sie zur Teilnahme an der für Samstag geplanten Demonstration in Hanau auf. Dazu werden rund 3000 Teilnehmer erwartet.

Hanaus Oberbürgermeister erklärte, sechs Monate nach der Tat sei es auch ein Anliegen der Stadt gewesen, das Bild des Gedenkens etwas anders zu präsentieren. So ist nun am Rathaus ein neues Banner mit der Aufschrift »Kein Platz für Rassismus und Gewalt - Hanau steht zusammen - für Re-spekt, Toleranz und Zivilcourage« angebracht. Überall, wo diese Botschaft gelebt werde, »gibt es die Chance auf ein friedliches und gutes Miteinander«. Zugleich widerspreche man damit »all denen, die glauben, die Zukunft der Menschen wäre besser zu gestalten, wenn man Menschen auseinandertreibt, wenn man möglichst das Trennende in den Vordergrund stellt«.

Als Verweis auf das Datum der Tat gedachten die Teilnehmer um 19.02 Uhr mit einer Schweigeminute der Opfer. Neben dem neuen Banner wurde zu der Gedenkveranstaltung auch der Blumenschmuck am Brüder-Grimm-Denkmal erneuert und eine Gedenktafel mit Porträtfotos der Getöteten angebracht. Symbolisch wurden zudem neun Stühle mit Porträts der Getöteten aufgestellt und kurze Lebensläufe verlesen. Auch an den beiden Tatorten und bei den Gräbern auf dem Hauptfriedhof sollen Schilder an die Toten erinnern. Parallel läuft ein Gestaltungswettbewerb, mit dem eine würdige Form für ein dauerhaftes Gedenken gefunden werden solle, sagte Kaminsky. dpa

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