16. September 2014, 08:58 Uhr

Der Vater als unvergessener Held

Friedberg (geo). Bei der zehnten Auflage von »Friedberg lässt lesen« machte Volker Lechtenbrink den Auftakt in der Friedberger Augustinerschule.
16. September 2014, 08:58 Uhr
Volker Lechtenbrink (Foto: pv)

Schon früh entdeckte er, was er wollte: Auf der Bühne stehen, Menschen zum Lachen und Weinen bringen. Mit dem Antikriegsfilm »Die Brücke« wurde Volker Lechtenbrink als 15-Jähriger über Nacht berühmt. Er überzeugte als Sänger, Regisseur, Intendant. Immer wieder erfolgreich ist er auf der Theaterbühne. Die 190 Zuhörer dieser Tage in der Friedberger Augustinerschule liebten den 70-Jährigen für seine temperamentvolle Autobiographie, die durch größte Offenheit imponiert. In dem 302-seitigen Werk »Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf: Mein Leben« erzählt Lechtenbrink von berühmten Kollegen wie Gustav Knuth, der Knef, seiner »frühen Liebe« Nadja Tiller oder auch, wie Robert de Niro sein Freund wurde. Die Lesung war Auftakt der zehnten Saison von »Friedberg lässt lesen«.

Die Zuhörer erlebten einen Lechtenbrink, der ehrlich und geradeheraus über sein Leben sprach. Denn, er wurde nicht einfach so in die Welt gesetzt, nein, er erfüllte einen Zweck. 1943 erhielt seine Mutter Marianne einen Bescheid zur Einteilung für die Arbeit in einer Munitionsfabrik. Um dies zu umgehen, wurde sie schwanger. Volker Lechtenbrink wurde 1944 geboren, in Cranz bei Königsberg. Zehn Tage nach seiner Geburt floh die Familie nach Bremen. Obwohl er nur zehn Tage an seinem Geburtsort verbrachte, bekam er noch Jahrzehnte die Vertriebenenzeitung geschickt. Immer wieder erinnert er an seinen »tollen Vater« und erzählt die Geschichte von seinem größten Wunsch auf dem Bremer Freimarkt: ein Fahrtenmesser. Sein Vater zog zweimal los, um mehr Geld zu holen, weil es für das Nachladen an der Schießbude nicht reichte. »Endlich fiel das Messer, und ich hatte einen Helden als Vater, der Dinge für mich getan hatte, die man nur macht, wenn man jemanden sehr lieb hat.«

Schwärmerisch erzählte er, wie er sich als 14-Jähriger im Kinofilm »El Hakim« in Nadja Tiller verliebte. Mit Walter Giller, ihrem Mann, machte er zwei Inszenierungen. Mit ihm erlebte er viele Momente mit »zwei Blonden und einem Verbindungsmann«. Es waren Gillers Bezeichnungen für zwei Bier und einen Schnaps. Mit rauchiger Stimme erzählte er von der Knef, die kleine Provokationen liebte und mit einem riesigen Schrankkoffer reiste, der eine gut sortierte Bar enthielt. Hilde nannte ihn Völker, weil sie meinte, dass einer allein unmöglich so verrückt sein könne.

Mit leuchtenden Augen berichtete er davon, wie er die Rolle des Klaus Hager in »Die Brücke« erhielt. Unterstützung erfuhr er von Klassenlehrer Krause. »Inzwischen über 90 Jahre alt, besucht er die Vorstellungen im Ernst-Deutsch-Theater, wenn ich spiele – und ich würde auch spielen, wenn er allein im Publikum säße.«

Unerwartet singt er eine Passage aus dem Lied »Leben, so wie ich es mag« von Peter Maffay. Robert de Niro begegnete er im Chateau Marmont in Los Angeles – und in einem Burger-Restaurant. Was der damalige König von Hollywood sagte, als er den Schauspieler in den Arm nahm, verrät er im Buch.

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