15. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Weihnachtsmarathon für Pfarrer

»Das alles ist schön anstrengend«

Hochsaison. Für Pfarrerinnen und Pfarrer, Priester und Ordensleute sind Adventszeit und Feiertage vor allem eines: vollgepackt mit Terminen und Aufgaben.
15. Dezember 2018, 17:00 Uhr
Bruder Paulus vom Kapuzinerkloster Frankfurt freut sich auf Weihnachten und die Möglichkeit, obdachlosen Menschen im Franziskustreff gerade jetzt besonders beizustehen.

Hans-Joachim Wahl lacht. Ob er im Weihnachtsstress ist? »Noch nicht. Und ich hoffe, dass es auch nicht so weit kommt.« Der Pfarrer der katholischen Bonifatiusgemeinde in Gießen, der auch für die Thomas-Morus-Kirche zuständig ist, hat sich darauf eingerichtet, dass in der Advents- und Weihnachtszeit die besonderen Anforderungen und die Termine zunehmen – »aber das muss ja kein Stress sein, ich gehe da gern hin«.

Was ihm hilft: In der Woche vor Weihnachten nimmt Wahl keine festen Termine wahr, die auch jemand anders machen könne – »einfach, um Zeit für Unvorhergesehenes zu haben«.

Schließlich gehe es bei seinem Tun auch um die Vermittlung von Ruhe und um Anregungen, wie man sich auf die Feiertage einstimmen könne.

Der Pfarrer muss einfach da sein

Zu seinen normalen Aufgaben als Gemeindepfarrer kommen in den Wochen vor dem Fest zusätzliche Veranstaltungen wie adventliche Feiern für die Mitarbeiter, bei Verbänden und Institutionen, zum Beispiel bei der Caritas.

Pflegeheime fragen nach Grußworten an, und es gibt ein festliches Orgelkonzert in St. Bonifatius. »Das alles kostet Kraft und braucht Zeit – aber es macht auch viel Freude«, sagt Wahl.

»Das sind die Dinge, die schön anstrengend sind.« Was sich die Menschen zu Weihnachten von ihrem Pfarrer wünschen? »Dass er da ist, ganz einfach.« Vor allem in meditativen Gottesdiensten sei spürbar, dass Menschen dorthinkämen, um einfach zu verweilen.

»Da kommt man auch miteinander ins Gespräch.« Und das Feiertagspensum? Am Heiligabend zelebriert Wahl in Bonifatius zwei Christmetten, am 1. Feiertag ein Weihnachtshochamt morgens, eine Vesper nachmittags und am 2. Feiertag noch eine Messe in St. Thomas Morus.

Zweiter Feiertag für die Familie

Wie er selbst Weihnachten feiert, bei all den Pflichten? »An Heiligabend, wo ich so vielen Menschen begegne, bin ich zwischen den beiden Messen um 16 und 22 Uhr gern allein, gestalte mir diese Zeit für mich.«

Und der zweite Weihnachtsfeiertag nach dem Gottesdienst gehöre der Familie. Drei Tage gibt es frei als Ausgleich zum Dienst um und an Weihnachten. »Die nehme ich dann nach der Sternsingeraktion im Januar«, sagt Wahl.

Von der Stadt aufs Land. Die evangelische Pfarrerin Anne Möller ist zuständig für WORM: Wetterfeld, Ober-Bessingen, Röthges und Münster. Vier Gemeinden, vier Kirchenvorstände: Graut ihr vor der Arbeitsbelastung zu Weihnachten? »Das nicht gerade«, sagt sie. »Wenn es erst mal Weihnachten ist, sind ja im Idealfall die Gottesdienste bereits vorbereitet.«

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Möller

Die Mutter zweier Kinder im Alter von zwölf und neun Jahren hält über die drei Festtage verteilt »nur« sechs Gottesdienste: »Da bin ich meinen Kirchenvorständen sehr dankbar.«

An Heiligabend gibt es in jedem der vier Orte einen Gottesdienst, aber Möller ist jedes Jahr nur in zwei Gemeinden, im folgenden Jahr dann in den beiden anderen Orten. Für die Gottesdienste, die sie nicht selbst hält, hat sich immer ein anderer Zelebrant gefunden.

»Am ersten Weihnachtsfeiertag habe ich dann in zwei Orten einen Gottesdienst und am zweiten Feiertag in den anderen.« Der »Adventsmarathon« fordert Vorplanung: »Ich versuche, meine Unterrichtsreihen für Schul- und Konfi-Unterricht Anfang November fertig zu haben«, erklärt Möller.

Familie als Korrektiv

Außerdem wird sie unterstützt: Durch Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder, etwa beim lebendigen Adventskalender: »Da gibt es ein geistliches und gemeinschaftliches Angebot – ohne, dass ich überall involviert bin.« Zeit für das persönliche Gespräch sei ihr jedoch sehr wichtig.

Möllers Kinder haben auch weiterhin ihre Bedürfnisse: »Hobbys und Sportwettkämpfe, zusätzlich Weihnachtsfeiern, Krippenspielproben und Arbeiten in der Schule.

Das alles gilt es, zu koordinieren.« Andererseits wirke die Familie auch als Korrektiv – »sodass ich gar nicht rund um die Uhr arbeiten kann«. Dennoch sind die Feiertage ziemlich getaktet, vor allem der 24. 12.:

Familie kommt an Heiligabend

»An Heiligabend kommen meine Eltern zu uns. Um 16.30 Uhr ist der erste Gottesdienst, da geht die Familie mit. Zum zweiten Gottesdienst um 18 Uhr gehen meine Tochter, die beim Krippenspiel mitmacht, und ich.

Wenn wir nach Hause kommen, haben mein Mann, mein Sohn und meine Eltern alles vorbereitet, damit wir essen können, danach ist Bescherung.« Nach den vier Gottesdiensten an den Feiertagen hat Möller frei bis zum Altjahresabend.

Auf jeden Fall! Ich feiere, dass Gott seine Welt nicht alleinlässt.

Bruder Paulus Terwitte

Aus der Region in die Metropole. Freut sich Bruder Paulus Terwitte vom Kapuzinerkloster und der Kirche Liebfrauen in Frankfurt auf Weihnachten? »Auf jeden Fall! Ich feiere, dass Gott seine Welt nicht alleinlässt.

Mensch sein ist sinnvoll. Familie hat Zukunft. Frieden ist möglich. Mit Gottes Hilfe.« Liebfrauen ist die Kirche mitten in der Stadt, offen für alle, gerade für die Ärmsten der Gesellschaft.

Kommen die sechs Ordensbrüder überhaupt noch zum Luftholen in der Vorweihnachtszeit? Sie bereiten sich vor, erklärt Terwitte: »Die Brüder lassen sich in den Gebetszeiten von der katholischen Liturgie inspirieren. Der Adventskranz und familiäre Zeiten dürfen nicht fehlen.

Und was das Gewoge der Menschen um uns herum angeht: Es ist doch ganz schön, wie Weihnachten Menschen zusammenbringt. Und sei es am Glühweinstand.«

Jede Menge zusätzlicher Aufgaben

Für die Ordensleute gibt es jede Menge zusätzlicher Aufgaben – auch um für Menschen da zu sein, die diese Zeit als sehr schwer erleben: »Manchen fallen gerade jetzt ihre Sünden ein, mehr Leute als sonst suchen Beistand im Beichtstuhl. Im Franziskustreff, dem Frühstücksangebot für obdachlose Menschen, merken wir die Spannungen, die in unseren Gästen entstehen.«

Vielen Menschen falle es sehr schwer, die Weihnachtszeit zu begehen, weil sie Vergangenes ins Heute holen wollten und nicht die Chance ergriffen, mit den verbliebenen Möglichkeiten nach vorne zu blicken.

Was also wünscht Bruder Paulus den Menschen zu Weihnachten? »Freude am Fremden! Lasst uns das Weltfamilienfest feiern: Ein Gott. Eine Welt. Eine Menschheit. Eine Schöpfung. Und Heimat für alle.« (Fotos: pv, Frank Rumpenhorst)

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