07. April 2018, 17:00 Uhr

Landesmuseum

Das Landesmusum in Darmstadt: Ein millionenschwerer Kunstpalast

Das »Liften« historischer öffentlicher Gebäude ist allzu oft eine Rechnung mit mehr als zwei Unbekannten. Billiger als geplant wird's nie. Das Landesmuseum in Darmstadt ist ein Beispiel.
07. April 2018, 17:00 Uhr
Foto: rueg

Voll verplant

Der Flughafen Berlin-Brandenburg und die Elbphilharmonie sind nur die Spitze: Auch in Hessen explodieren Kosten und rücken Fertigstellungen in weite Ferne. In unserer Serie nennen wir Beispiele.

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Es ist vor allem bei der öffentlichen Hand gefürchtet: das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. In ihm listet der nicht gänzlich unumstrittene Verein Jahr für Jahr Fälle von Steuergeldverschwendung auf – auch in Hessen. Als Beispiel für einen Fall erheblicher Kostenüberschreitung nennt der Bund das Hessische Landesmuseum in Darmstadt und spart nicht mit Vorwürfen an das zuständige Ministerium: »Wenn ein Ministerium Großprojekte plant, kann es schon mal vorkommen, dass der Kostenrahmen nicht eingehalten wird.

Wenn sich solche Fälle aber häufen, ist es Zeit, das Baucontrolling und das Planungsmanagement gründlich zu überprüfen und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Nicht so beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, obwohl fast alle Großprojekte finanziell aus dem Ruder laufen«, hieß es schon im Schwarzbuch von 2011.

 

Eines der ältesten Museen in Deutschland

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt ist eines der ältesten öffentlichen Museen in Deutschland. Es ist ein Universalmuseum mit umfangreichen ständigen Sammlungen aus den Bereichen Kunst-, Kultur- und Naturgeschichte, bietet Sonderausstellungen und zählt zu den großen Museen Deutschlands.

Die Ausgangslage: Einerseits die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Präsentation der Kulturschätze des Landes und entsprechende Neukonzeption in dem 1906 eröffneten Museum, andererseits die Nachwirkungen der teilweisen Zerstörung im September 1944 machten eine umfangreiche Sanierung notwendig, sagt das Ministerium. Mit der um die Jahrtausendwende geplanten Grundsanierung solle das Museum zukunfts- und wettbewerbsfähig bleiben. Ursprünglich sollte das Kerngebäude, der Messelbau für rund 24 Millionen Euro saniert werden. Zusätzlich war ein ebenso teurer Erweiterungsbau geplant. Doch es kam anders: »Nach dem Auszug und der Räumung des Museumsgebäudes wurden bei den dann möglichen genaueren Untersuchungen der Gebäudesubstanz – als Grundlage für die weitere Planung – gravierende, bis dato nicht bekannte erhebliche Bestandsmängel ersichtlich«, erklärt das Ministerium.

 

Maroder als angenommen

Daher stellte man den Erweiterungsneubau zurück, um stattdessen den Kargelbau, der dem Neubau weichen sollte, zu erhalten und für eine mittelfristige weitere Nutzung herzurichten. Für fünf Millionen Euro, wie der Steuerzahlerbund feststellt. Die Kostenbewertung für den Messelbau wurde auf 36 Millionen Euro angehoben. Das bewegte sich noch immer im Rahmen, denn für die Neuausrichtung des Landesmuseums waren bereits im Jahr 2005 Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro im Landeshaushalt veranschlagt worden.

Was waren die Gründe, dass sich das Projekt deutlich verteuerte? Im Zuge der Bauarbeiten im Messelbau sei es immer wieder zu unvorhersehbaren Problemen gekommen. »So konnte erst nach der Gerüststellung und dem Beginn der Arbeiten festgestellt werden, dass die vorhandene Dachdeckung weitaus maroder als angenommen war und fast komplett erneuert werden musste. Außen- und Innenputz mussten ebenfalls fast komplett erneuert werden, was auch erst im Zuge der genaueren Überprüfung vom Gerüst aus ersichtlich wurde«, sagt das Ministerium.

 

Mehrkosten betrugen 88 Millionen Euro

Eine besondere Herausforderung und kostensteigernder Faktor sei gewesen, dass die nach heutigen Standards erforderliche Installation von Haustechnik in einem denkmalgeschützten Gebäude nur mit hohem Aufwand zu bewerkstelligen gewesen sei. Hinzu komme, dass bei Landesbaumaßnahmen die zum jeweiligen Zeitpunkt aktuellen Ausführungspreise zugrunde gelegt werden mussten. Die Baukosten hätten sich jedoch zusätzlich alleine durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer 2007, die Änderung der Honorarordnung für Architekten- und Ingenieurleistungen 2009 und die Steigerung der Baupreise erhöht, begründet Wiesbaden die Mehrkosten. Und die betrugen am Ende – das Museum wurde am 11. September 2014 wiedereröffnet – 88 Milionen Euro.

Schadensersatzansprüche gegenüber Planern und ausführenden Firmen wurden geprüft, »ein rechtskonform durchsetzungsfähiger Regressanspruch konnte jedoch im Ergebnis nicht festgestellt werden«. Inzwischen sei die entsprechende Geschäftsanweisung für den staatlichen Hochbau des Landes Hessen überarbeitet worden, insbesondere mit dem Ziel, dass frühzeitig eine höhere Kostensicherheit in Bauverfahren erreicht werden soll.

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