23. Juni 2014, 12:36 Uhr

DAV-Kletterhalle in Gießen rückt näher

Gießen (ta). Die Finanzierung ist gesichert, die architektonische Vorbereitung ist weitgehend abgeschlossen, und die Baugenehmigung der Stadt Gießen liegt seit einigen Tagen vor. Im Oktober will die Sektion Gießen-Oberhessen im Deutschen Alpenverein mit dem Bau ihrer Kletterhalle beginnen.
23. Juni 2014, 12:36 Uhr
Das DAV-Kletterzentrum an der Rödgener Straße soll ab Herbst 2015 den Kletterkeller in den einstigen Pendleton Barracks und die Geschäftsstelle in der Schillerstraße ersetzen. (Foto: Red)

Das 2,2-Millionen-Euro-Objekt wird – wie berichtet – auf dem Areal der US-Oberschule an der Rödgener Straße entstehen, gegenüber dem Neubau der Sophie-Scholl-Schule. Das 12 000 Quadratmeter große Grundstück hatte die Sektion schon 2011 vom Bundesamt für Immobilienaufgaben erworben.

Die Ausschreibungen für die Gewerke sollen im Juli veröffentlicht, die Aufträge ab September vergeben werden. Die Fertigstellung des DAV-Kletterzentrums, das die hoffnungslos überlastete Kletterhalle in einem einstigen Kohlenbunker der US-Armee am Ernst-Toller-Weg ersetzen soll, ist für September 2015 geplant. Die Federführung bei diesen Vorbereitungschritten hatte Beisitzer Volker Dietz. Der Diplom-Ingenieur im Ruhestand hat so den geschäftsführenden Vorstand erheblich entlastet.

Im Gießener Osten entstehen wird ein zweigeschossiges Hauptgebäude, ergänzt um eine 17 Meter hohe Kletterhalle. Das Erdgeschoss soll vor allem Bistro, Geschäftsstelle, Materialverleih, Bibliothek und Lager aufnehmen. Das Obergeschoss wird geprägt von einem Versammlungsraum (90 qm), einer Boulderhalle (250 qm), einem Kinderkletterraum (15 qm) und Umkleideräumen. Die reine Kletterwandfläche beträgt innen rund 1250 Quadratmeter, könnte aber durch eine Nutzung der überdachten Außenwände auf 2300 qm vergrößert werden.

Umlage führte zu Austritten

Die Gesamtkosten für die Sportstätte einschließlich Grunderwerb belaufen sich auf netto 2,7 Millionen Euro. Diese Summe wird aufgebracht durch einen Kredit der Sparkasse (1,7 Mio.), 650 000 Euro als Darlehen und Beihilfe von DAV-Hauptverein sowie Zuschüsse von Land (200 000) und Stadt (150 000). Die Sektion selbst bringt 20 Prozent als Eigenkapital auf; dieses Geld ist im wesentlichen in den Grunderwerb geflossen.

Die Vereinsmitglieder sind an diesem Bauvorhaben per Umlage direkt beteiligt: Sie müssen binnen vier Jahren zwei Jahresbeiträge beisteuern. Der entsprechende Beschluss bei der Jahreshauptversammlung 2011 hat dazu geführt, dass die Mitgliederzahl von 4000 auf aktuell 3800 geschrumpft und der gewohnte Zuwachs ausgeblieben ist. Vorsitzender Gunnar P. Theiß rechnet aber damit, dass die Sektion wieder wächst, sobald das attraktive Zentrum für Sportkletterer fertig ist.

Der Finanzierungsplan sieht vor, dass der Neubau sich schon nach zehn Jahren amortisiert, weil der Betrieb gewinnbringend arbeitet; dies zeigen die Erfahrungen mit den Kletterhallen in Wetzlar und Marburg. Die Überschüsse sollen zum Teil schon vorher dazu verwendet werden, die Instandhaltung und Modernisierung der Gießener Hütte in Kärnten verstärkt in Angriff zu nehmen.

Während das ehrgeizige Bauvorhaben inzwischen reibungslos vorbereitet werden kann, wird die Sektion immer noch von Querelen aus dem Vorfeld erschüttert. Sie waren entstanden, weil die Planungsgruppe, die das Vorhaben ab 2011 engagiert vorangebracht hatte, die Federführung für alle weiteren Entscheidungen beanspruchen wollte. Das war jedoch vereinsrechtlich problematisch und hatte zudem ein Geschmäckle, weil die Architektin, die das ursprüngliche Baukonzept vorbereitet hatte, zu der Gruppe gehörte; sie hätte sich also mittelbar selbst einen lukrativen Werkvertrag für die Betreuung des Kletterzentrums verschafft. Als der geschäftsführende Vorstand deshalb die Notbremse zog und den Architektenvertrag anderweitig vergab, führte das zu einer dramatischen Rücktrittswelle im Gesamtvorstand.

Dass diese Wunden noch nicht verheilt sind, zeigt sich kürzlich bei der Jahreshauptversammlung. Die hatte zunächst einen wie üblich mäßigen Besuch, doch als die Neuwahlen für den Vorstand anstanden, kam die interne Opposition in den Saal. Das Ergebnis bekam Vorsitzender Theiß zu spüren: Er musste mit 30 Ja- und 24 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen zufrieden sein. Seine Ehefrau, Schatzmeisterin Alexandra Balzer-Theiß, kam bei neun Enthaltungen auf 30 Ja- und 18 Nein-Stimmen. Schriftführerin Annette Artelt schnitt mit 39 Ja und 10 Nein etwas besser ab. Die Unzufriedenen werten diese Abstimmungsergebnisse als Plädoyer gegen den Vorsitzenden und für eine Veränderung des Vorstands. Gegenkandidaten hatten die Kritiker aber nicht aufgestellt.

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