16. Dezember 2019, 19:37 Uhr

Brrr ist oft weiblich

Fenster zu, ich friere! Frauen wissen jetzt wahrscheinlich gleich, was gemeint ist. Die kalte Jahreszeit bringt es wieder einmal an den Tag: Das Bibbern ist oft weiblich. Zum Phänomen Frostbeulen und Frieren hat Annette Heerz, Heilpraktikerin und Apothekerin für Naturheilkunde und Homöopathie aus Pohlheim, einiges zu sagen.
16. Dezember 2019, 19:37 Uhr
Anette_spiller_li
Von Annette Spiller
Annette Heerz

Ich friere, Frau Heerz. Was passiert dabei in meinem Körper?

Annette Heerz: Wenn Sie frieren, hat Ihr Körper festgestellt, dass er abkühlt. Er ergreift dann quasi ein Notprogramm, denn sein Ziel ist es, vor allem die lebenswichtigen Organe in der Körpermitte warm zu halten. Füßen und Händen und der Oberfläche des Körpers wird dabei aber eben Wärme entzogen. Ergebnis: Wir frösteln.

Kommt daher das Zittern?

Heerz: Der Wärmeausgleich wird über das Blut organisiert. Als Erstes ziehen sich die Blutgefäße an der Körperoberfläche zusammen. Dadurch verlieren wir nicht so viel Wärme nach außen, bekommen aber kalte oder blasse Haut, frieren an Ohren und anderen Extremitäten. Als Nächstes fangen die Muskeln an zu zittern - dabei entsteht Wärme.

Und dann noch diese unangenehme Gänsehaut...

Heerz: Beim Frieren zieht sich die Haut zusammen und die feinen Härchen richten sich auf. Man vermutet, dass dies noch ein Relikt aus der Zeit ist, als die Menschen am ganzen Körper behaart waren; zwischen den aufgerichteten Haaren entstanden isolierende Luftpolster. Heute haben wir Menschen ja kein Fell mehr, sondern Kleidung - aber die Gänsehaut haben wir immer noch.

Manche bibbern schon im Haus, während andere noch ohne Jacke rausgehen. Wie kann das sein?

Heerz: Verschiedene Menschen haben eine unterschiedliche Wärmeempfindlichkeit. Das hängt davon ab, wie viel isolierendes Fett wir haben und auch davon, wie wir Kälte individuell empfinden. Es kommt darauf an, wie der Kältereiz im Hirn verarbeitet wird.

Ist Frieren weiblich? Frauen gelten ja landläufig als Frostbeulen.... Warum genau ist das so?

Heerz: Frauen haben durchschnittlich weniger Muskeln als Männer, und durch Muskelbewegung gewinnt der Körper viel Wärmeenergie. Das bedeutet, dass Männer generell nicht so schnell frieren wie Frauen.

Warum frösteln wir oft, wenn wir krank werden oder sind?

Heerz: Wenn Viren oder Bakterien in den Körper eindringen, versucht er, sie sofort unschädlich zu machen - unter anderem durch eine Erhöhung seiner Temperatur. Damit die Körpertemperatur steigt, wird quasi der Temperaturregler anders eingestellt, so dass man schon bei normaler Außentemperatur anfängt zu frösteln, weil sich eben die Blutgefäße zusammenziehen. Hierdurch erhöht sich aber die Körpertemperatur, und Erreger können inaktiviert werden.

Warum friert man auch bei Fieber?

Heerz: Bei Fieber ist das derselbe Vorgang. Fieber ist eine wirklich gute Strategie des Körpers, sich durch Hitze gegen Bakterien und Viren zur Wehr zu setzen, daher sollte man Fieber auch nicht immer sofort senken.

Wieso ist mir oft kalt, wenn ich müde bin?

Heerz: Man wird müde, wenn der Körper der Meinung ist, dass man ruhen sollte. Dann wird auf »Schlafprogramm« gestellt. Der Blutdruck geht runter, dadurch wird die Peripherie - also Arme, Beine, Oberfläche - nicht mehr so gut durchblutet und man fröstelt schneller mal. Außerdem entspannen sich die Muskeln. Dadurch sinkt auch die Körpertemperatur etwas.

Muss man sich Gedanken machen, wenn man ständig friert? Kann da etwas Ernsteres dahinterstecken?

Heerz: Wenn man feststellt, dass man schneller friert, ohne dass eine Gewichtsabnahme dahintersteckt, sollte man beim nächsten Arztbesuch seine Schilddrüsenwerte einmal überprüfen lassen. Hinter vermehrtem Frieren kann sich eine Unterfunktion der Schilddrüse verbergen. Die sollte dringend behandelt werden, da man sich dann allgemein wieder viel wohler fühlt, nicht nur dadurch, dass man weniger friert . Auch bei einem Vitamin-B12- und bei Eisenmangel friert man schneller. Hier hilft gesunde Ernährung und eventuell ein gutes Multivitaminpräparat. Besonders Vegetarier sollten hierauf achten.

Was mache ich am besten, wenn ich friere oder mal völlig durchgefroren bin?

Heerz: Unterkühlung ist eine Notsituation für den Körper. Sie sollten dann so schnell es geht für Wärme sorgen - auch innerlich mit einem heißen Kräutertee, zum Beispiel einem Cistus-Tee. Der sorgt im besten Fall dafür, dass aus der Unterkühlung keine Erkältung wird, indem er die Schleimhäute vor dem Eindringen von Viren und Bakterien schützt.

Alkohol wärmt auch, oder?

Heerz: Ja, das kommt einem erst mal so vor. Wenn man einen Glühwein trinkt, bekommt man warme Hände und Füße, weil der Alkohol die Blutgefäße weit stellt. Dadurch verbessert sich die Durchblutung, und es wird uns wärmer - allerdings nur für kurze Zeit. Danach kühlt der Körper umso schneller aus, weil viel Blut an der Körperoberfläche abkühlt - und wir frieren noch mehr. Mal ganz abgesehen davon, welche vielen anderen Schäden Alkohol im Körper anrichten kann, ist es also nicht sehr ratsam, sich damit aufzuwärmen.

Womit kann ich vorbeugen oder mich abhärten?

Heerz: Sie können die Räume, in denen Sie sich aufhalten, weniger stark aufheizen. Dann gewöhnt sich der Körper quasi an die niedrige Temperatur, und man friert dann generell nicht so schnell, wenn man rausgeht. Man kann den Körper auch trainieren, auf Kältereize schneller zu reagieren. Früher hat man ein Loch ins Eis gehackt, und ist einmal täglich in den See getaucht, um sich abzuhärten. Ich bin froh, dass ich das heute nicht mehr machen muss! Hilfreich und weniger drastisch sind Wechselduschen, Kneipp-Güsse oder Saunabesuche. Natürlich ist auch viel Bewegung immer gut, um sich warm zu halten.

Haben Sie noch einen richtigen 1-A-Tipp, wie ich gut durch den Winter komme?

Heerz: Mein absoluter Favorit für die Winterzeit ist Vitamin C. Ich selbst nehme täglich ein Gramm davon ein: Vitamin C schützt sehr effektiv vor Erkältungen und ist auch ein ganz wichtiger Stoff bei unzähligen anderen Vorgängen im Körper - zum Beispiel beim Schutz vor Alterungsvorgängen auf Zellebene.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos