03. September 2017, 22:00 Uhr

Bombe

Bombe erfolgreich entschärft

Endlich: die britische Luftmine in Frankfurt ist erfolgreich entschärft worden. Die Aktion hatte mit Verzögerungen begonnen, weil nicht alle betroffenen Bürger ihre Wohnungen verlassen wollten. Aber auch bei der Entschärfung selbst gab es Komplikationen.
03. September 2017, 22:00 Uhr

Trotz Komplikationen ist am Sonntag in Frankfurt erfolgreich die gefährliche Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Uneinsichtige Anwohner im Sperrgebiet und festklemmende Zündkapseln haben die Aktion bis in den frühen Abend hinein verzögert. Mehr als 60 000 Anwohner hatten im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort der Bombe ihre Wohnungen verlassen müssen. Es war die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik.

Komplizierte Entschärfung

Die Entschärfung der britischen Luftmine war komplizierter als angenommen. Die drei Zünder ließen sich wie geplant entfernen, aber von zweien konnten die Sprengladungen beim Ausbau nicht auf Anhieb gelöst werden. Die Kapseln mussten gesondert ausgebaut und dann kontrolliert gezündet werden. Erst kurz vor 19 Uhr konnten die Experten Entwarnung geben: Bombe entschärft. Um 20 Uhr rollte der Lastwagen mit den Überresten der Bombe aus der Stadt.
Dieter Schwetzler und René Bennert, die beiden Experten des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidium Darmstadt, postierten sich für die Fotografen vor, hinter und neben dem 1,8 Tonnen schweren Monstrum. Wie groß ist Ihre Erleichterung? «Noch größer wie groß», sagt Schwetzler. «Es passte alles, jeder Handgriff hat gesessen.» In den nächsten Tagen wird die Bombe in einem Spezialbetrieb in Niedersachsen zerlegt, die Hülle wird zersägt, der Sprengstoff verbrannt.
 
Bis 24 Uhr alle zu Hause

Die gegen 20 Uhr geplante Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen verzögerte sich am Abend. «Mein Ziel ist es, dass alle um 24 Uhr zu Hause sind», sagte Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries. Nachdem der unschädliche Sprengkörper zum Abtransport auf einem Lastwagen verladen war, begannen Rettungskräfte zunächst damit, Kranke und Alte in Kliniken und Seniorenheime zurückbringen.
Parallel nahmen Busse und U-Bahnen im Sperrgebiet wieder den Betrieb auf. Nach und nach rollte auch der Verkehr auf den Straßen wieder an, stadteinwärts stockte es zunächst. Am längsten sollte die Autobahn A66 gesperrt bleiben, auf der Polizeiautos und Rettungswagen geparkt waren.
Unter anderem mussten die Patienten zweier Krankenhäuser und die Bewohner von zehn Altenheimen im Umkreis von 1,5 Kilometern um die Luftmine herum in Sicherheit gebracht werden. Auch das Frankfurter Polizeipräsidium und der Hauptsitz des Hessischen Rundfunks wurden geräumt. Mehr als 2000 Helfer von Polizei, Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen waren im Einsatz.

Feuerwehrchef ungehalten

Rund 500 Menschen wurden am Sonntagmorgen mit Spezialtransporten in Sicherheit gebracht, 600 waren es bereits am Samstag gewesen. Auch Altenheime und zwei Krankenhäuser wurden evakuiert. Weil bis zum Mittag immer neue Bitten um Hilfe bei der Feuerwehr eingingen, dauerten die Transporte länger als geplant.
Für die längste Verzögerung sorgten jedoch renitente Anwohner, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen. «Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten», schimpfte Feuerwehrchef Ries am Mittag, als die Entschärfung eigentlich schon hätte laufen sollen. Seit dem Morgen hätten Polizei und Rettungskräfte einen super Job gemacht «und diese Herrschaften verhageln uns alles».
Ries sprach von einer Mischung aus «Ignoranz und Dummheit». Rettungskräfte, die Hilfsbedürftige aus der Sicherheitszone brachten, hätten Anwohner winkend am Fenster gesehen. Das sei «unverschämt». Eine Person musste nach Angaben von Polizeichef Gerhard Bereswill in Gewahrsam genommen werden. Der Mann musste mit einer Drehleiter über den Balkon aus der Wohnung geholt werden. Die Behörden prüfen, ob sich der Anwohner damit strafbar gemacht hat und ob ihm die Kosten für den längeren Polizeieinsatz in Rechnung gestellt werden können. Statt wie geplant um 12 Uhr konnte die Entschärfung erst zweieinhalb Stunden später beginnen.
 
 

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