12. Juli 2018, 22:23 Uhr

»Blende 2018« startet

12. Juli 2018, 22:23 Uhr
Beispielfoto zum Thema »Aus der Vogelperspektive« von Frank Seltmann: »Dead Men Walking«.

»Blende«, der Fotowettbewerb der Zeitungleser, findet auch in diesem Jahr statt. Alle Leser können ab sofort zu drei Themen Aufnahmen machen und diese online hochladen oder auf dem klassischen Weg als Abzug an den Verlag schicken. Auch Jugendliche können sich mit einem besonderen Thema beteiligen. Fotograf Richard Stephan hat für jedes Thema einen Tipp parat.

1. Thema: »Aus der Frosch- und Vogelperspektive« – Dieses Thema hat durch das Spiel mit der Perspektive viel zu bieten. Entsprechend variantenreich wird die Motivpalette, aber auch die fotografische Umsetzung sein. Fotografen, die bereits mit dem Multicopter unterwegs sind, werden sich hier besonders angesprochen fühlen und sehenswerte Luftbildaufnahmen – auch aus der Region – einfangen.

Der Tipp von Profifotograf Stephan: »Achtung, das richtige Bild kann auch mal wehtun. Keine Angst vor Matsch!«

2. Thema: »Welt der kleinen Dinge« – Sich den kleinen Objekten des Lebens fotografisch zu nähern, bringt Details hervor, die man selbst mit wachsamem Auge nicht wahrnehmen würde. Gerade die Natur hat Beeindruckendes zu bieten, was man erst mithilfe der Fotografie erschließen kann. Etwa die Facettenaugen von Insekten oder ihre Flügel, der Aufbau einer Blüte oder ein Spinnennetz. Aber auch alltägliche Objekte wie ein Reißverschluss oder eine Schraube können durch die Nahaufnahme erst interessant werden, weil Details enthüllt werden, die dem bloßen Auge sonst entgehen.

Der Tipp von Stephan: »Die Wahl des richtigen Makroobjektivs hilft, genügend Abstand zu kleinen Dingen zu haben. Ich verwende hier gerne mein 150 mm Apo Makro mit Lichtstärke 2,8. Was für ein Bokeh!«

3. Thema: »Farbspiele« – Farbe bringt Spannung ins Bild. Kontrastierende kräftige Farben sind dabei ebenso spannend wie feinste Farbverläufe. Jede Farbe hat ihre eigene Dramaturgie und löst beim Betrachter der Bilder unmittelbar Emotionen aus. Farbe berührt und bewegt. Entdeckungen gilt es dabei ebenso in der Stadt wie in der Landschaft zu machen. Die Natur hält spannende Farbspiele bereit. Das gilt aber auch für die künstlichen Welten von Architektur, Mode und Technik.

Der Tipp von Stephan: »Hier hilft sicherlich das Kennenlernen von Goethes Farbenlehre, um sich etwa mit Komplementärkontrasten auseinanderzusetzen.«

Das Thema nur für Jugendliche: »Das bewegt mich« – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die Fotografie ist die Sprache, die jeder versteht. Die Jugend bewegt viel und sie nutzt verstärkt die Fotografie, um sich mitzuteilen. Der fotografische Nachwuchs versteht es mitunter besser als Erwachsene, in Bildern nicht nur das Schöne festzuhalten, sondern auch Kritik zu üben und persönliche Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Es ist zudem ein Thema, dass sich in das Projekt Zeitung und Schule integrieren lässt.

Der Tipp von Stephan: »Das kann einen mich bewegenden Inhalt haben. Oder auch einfach nur ein Bild mit Bewegung: rennen, fahren, springen oder tanzen – wie Skateboard oder Streetdance.«

Im Zeitalter von Smartphones knippst jeder einfach mal drauflos. Doch was macht eigentlich ein gutes Bild aus, und reicht ein Handy oder braucht man dafür eine professionelle Kamera? Nachgefragt bei Profifotograf Richard Stephan aus Gießen.

1 Wie kann man gute Fotos noch verbessern?

Mit dem richtigen Schnitt kann ein vermeintlich gutes Bild noch besser gemacht werden. Ein Beispiel: Das Bild wurde im Hochformat aufgenommen, ist allerdings im Querformat überzeugender. Manchmal passiert es, dass der Fotograf zu subjektiv an die Sache geht. Ich sage oft, was ich nicht sehen will, sehe ich nicht!

2 Was sollte man beim Fotografieren vermeiden?

Es ist wichtig, dass man das geplante Motiv komplett erfasst. Ich lese ein Bild immer von links oben nach rechts unten. Störende Inhalte können somit vermieden werden. Hilfreich ist auch die Wahl der richtigen Brennweite. Ich benutze feste Brennweiten und verwende ein Stativ. Zudem sollte man sich immer die Frage stellen: Was ist die »Hauptebene« im Bild? Außerdem kommt noch die korrekte Blende-Zeit-Kombination ins Spiel. Ist der Fokus an der richtigen Stelle? Soll etwas unscharf abgebildet werden? Welche Verschlusszeit unterstützt die geplante Wirkung?

3 Braucht man noch richtige Kameras oder kann man auch mit einem Handy gute Fotos machen?

Falsche Blende-Zeit-Einstellungen können ein Bild zerstören. Diese wesentlichen Handgriffe können bei Handy-Fotos schlecht oder gar nicht gemacht werden. Dazukommt noch die leidige Bildkontrolle am Monitor. Dennoch können mit einiger Übung und den neuen Aufnahmefunktionen der Handys auch gute Fotos gelingen. Außerdem hat das Handy den Vorteil, dass es immer dabei ist und auch in schwierigen Situationen einhändig bedient werden kann. Das gelingt mir mit meiner Systemkamera eher selten. Feste Brennweiten und ein Stativ helfen mir jedoch, gute Aufnahmen zu machen.

KURZBIOGRAFIE

Richard Stephan, geboren 1957 in Gießen, studierte an der Fachhochschule Köln Fotoingenieurwesen. Seit 1984 hat er sein eigenes Fotostudio – erst in Marburg, anschließend in Gießen. 1992 legte er die Meisterprüfung im Fotografenhandwerk ab. Stephan ist im Central Verband Deutscher Berufsphotographen ehrenamtlich aktiv, zudem ist er seit 1992 Obermeister der Fotografeninnung Hessen-Rheinhessen.

(age/Foto: age)

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