13. Januar 2020, 22:33 Uhr

Bauern auf Konfrontationskurs

13. Januar 2020, 22:33 Uhr
Auf die Agrarpolitik des Bundes sind Bauern nicht gut zu sprechen. Auch durch Hessens Landesregierung sehen sie ihre Interessen momentan ungenügend vertreten. FOTO: DPA

Baunatal/Wiesbaden (dpa/lhe). Treckerdemo, Proteste und direkte Kritik: Auf die Agrarpolitik des Bundes sind die hessischen Bauern nicht gut zu sprechen. Die Landwirte haben Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) auf der Landwirtschaftlichen Woche in Nordhessen einen rauen Empfang bereitet. Sie wendeten sich gegen die aktuelle Agrarpolitik, die wegen des Umweltschutzes oft zulasten der Landwirte gehe. »Wir sind Teil der Lösung und nicht des Problems«, sagte Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, am Montag in Baunatal.

Hinz ist auch für die Landwirtschaft in Hessen zuständig. Doch aus Sicht der Bauern liegt ihr Schwerpunkt anders: »Beim Umwelt- und Klimaschutz ist sie meist an der Spitze der Bewegung und plädiert für Verschärfungen«, erklärte Schmal. Er forderte, dass Hinz den Landwirten mehr den Rücken stärke.

Kritik an Düngeverboten

Die Bauern kritisierten vor allem die in Arbeit befindliche Verschärfung des Düngeverbotes. »Der wunde Punkt sind die sogenannten roten Gebiete und die dort geltenden Einschränkungen bei der Stickstoffdüngung«, erklärte Schmal. Sie beträfen etwa ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche und müssten verringert werden. Eine pauschale Reduzierung der Düngung dort von 20 Prozent unter dem Pflanzenbedarf sei fachlich nicht zu begründen. Zudem forderte Schmal den Abschuss von Wölfen in Hessen: »Für Mensch und Tier gefährliche und verhaltensauffällige Wölfe müssen konsequent und schnell entnommen werden.« Die Raubtiere dürften keinen höheren Stellenwert haben als Schafe, Ziegen und Rinder.»Es ist klar, dass der Wolf zurückkehrt und wir neu lernen müssen, mit ihm zu leben«, sagte Hinz. Das Problem sei eher, dass Schaf- und Ziegenhalter generell für ihre Arbeit zu wenig Geld bekämen. Das Land werde sich für eine bundesweite Weidetierprämie einsetzen - oder sie in Eigenregie schaffen.

In Sachen Düngeverordnung machte Hinz den Landwirten wenig Hoffnung: »Wir werden mit einer verschärften Düngeverordnung leben müssen.« Nur so könne man hohe Strafzahlung an die EU abwenden.

Unangenehme Entscheidungen

Bei anderen Themen betonte die Ministerin Gesprächsbereitschaft, sagte aber: »Natürlich muss Politik manchmal trotzdem hinterher unangenehme Entscheidungen treffen und sie dann entsprechend verteidigen, auch gegenüber einem Berufsstand und einem Verband.« Dabei ist die nächste Konfrontation zwischen Bauern und Politik schon in Sicht: Am Mittwoch wollen laut Schmal Weidetierhalter in Wiesbaden gegen den Umgang mit Wölfen protestieren.

Die Landwirtschaftliche Woche findet noch bis Mittwoch in Baunatal statt. Dabei diskutieren Politiker, Bauern und Agrarexperten über Landwirtschaftsthemen.

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