04. April 2017, 09:00 Uhr

Comedy auf Abwegen

Badesalz babbelt in de Bahn

Hessens erster Comedy-Sonderzug rollt am Montag durch Frankfurt. Ansagen kommen von Badesalz – natürlich auf Hessisch. In 400 Straßen- und U-Bahnen ist das Duo künftig zu hören.
04. April 2017, 09:00 Uhr
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Von DPA
Badesalz mobil: Henni Nachtsheim (r.) und Gerd Knebel (l.). (Foto: dpa)

Am Montagmorgen macht sich ein Sonderzug auf zur Frankfurter Commerzbank-Arena. Die Straßenbahn befördert aber keine Fußballfans. Der gewohnte Schriftzug »Stadion« auf der Stirn des vordersten Waggons ist durch ein »Badesalz« ersetzt. Und schon tönt bei der Abfahrt die Ansage im südhessischen Dialekt: »Hallo, wir wolle Sie net hetze oder nerve, aber es wäre im Sinne aller Beteiligten, wenn Sie weiter in den Zug neigehe, also reingehe.«

Es babbeln weder der Schaffner noch eine sterile Computerstimme, sondern Hendrik "Henni" Nachtsheim und Gerd Knebel. Die als Badesalz bekannten urhessischen Komiker stellen 40 Ansagen vor, die sie für die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) aufgenommen haben. Sie sollen von Mai an in etwa 400 Frankfurter Straßen- und U-Bahnen zu hören sein.

Bei der Hälfte da »Aansache« handelt es sich um Haltestellen-Ankündigungen, bei den übrigen kommentiert das Duo Situationen wie Verspätungen, bei denen der Humor ansonsten schnell verloren geht. »So Wörter wie Betriebsstörung klingen ja sehr steril«, sagt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) – in der Hoffnung, dass die Fahrgäste wegen der witzigen Ansagen in Zukunft etwas entspannter auf Verspätungen reagieren.


"Vielleicht stressen wir die Leute"

Gerd Knebel ist sich da nicht so sicher: »Vielleicht passiert genau das Gegenteil. Vielleicht stressen wir die Leute.«

In anderen Städten haben besondere Ansagen bisher gut funktioniert. In den Stuttgarter Stadtbahnen hat es in den zurückliegenden Jahren mehrmals schwäbische oder sogar gesungene Ansagen gegeben. In Würzburg sagen seit 2008 Kinderstimmen über 700 Haltestellen an.

Und wie funktioniert das in Frankfurt? Als die Straßenbahn beim Baseler Platz einfährt, tönt es aus dem Lautsprecher: »Nächste Haltestelle: Baseler Platz. Alle Schweizer bitte aussteigen!« Kurze Pause, dann babbelt die Stimme weiter: »Hehehe. Kleiner Gag, Super-Gag. Ich lach mich kaputt. Und am Goethe-Platz müssen dann alle Dichter aussteige, oder was? Nur wenn se dicht sind.«


"Füß runter! Aber flott"

Diese Ansage ist eine der längeren im Repertoire. »Man kann natürlich keine Vollsketche abliefern«, erklärt Nachtsheim. Bei Sonderansagen wie Verspätungen oder Hinweisen für Fahrgäste habe es Vorgaben von der VGF gegeben. Die Texte sind dann kürzer und prägnanter, aber nicht weniger witzig: »He Chef, ham wir kei Fußmatte daheim? Füß runter! Aber flott!«

Die Idee zu den dialektgefärbten Ansagen war im vergangenen Jahr entstanden, als Nachtsheim die Feier zum 20. Jubiläum der VGF moderierte. VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott erklärt, dies sei »der Beginn einer wunderbaren Freundschaft gewesen«. Bei der Premierenfahrt der Ansagen darf Henni auf dem Weg zum Stadion sogar ans Steuer der Straßenbahn, natürlich unter Beobachtung. Und der Komiker legt prompt eine Vollbremsung hin – und sagt: »Ich habe da schon Respekt dafür, wenn einer das hauptberuflich macht.«



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