21. Januar 2020, 19:36 Uhr

Streitthema

B49 in Wetzlar: Neue Hochstraße oder Tunnel?

Nicht nur die Bahn kämpft mit maroden Brücken. Auch an Autobahnen und Bundesstraßen sind viele Bauwerke in die Jahre gekommen. Die Wetzlarer Hochstraße ist ein Beispiel. 2027 endet ihre Nutzungszeit. Doch was ist die Alternative für diese wichtige Ost-West-Verbindung? Neubau oder Tunnel? Zwei Bürgerinitiativen, zwei Meinungen.
21. Januar 2020, 19:36 Uhr

Das vierspurige Band aus Beton und Asphalt führt mitten durch die Stadt und zerschneidet Wetzlar in zwei Teile. Die B49 präsentiert sich im Bereich von Bahnhof, Forum und Rittal-Arena und zwischen den Stadtteilen Garbenheim und Dahlheim als Brückenbauwerk, das in die Jahre gekommen ist. Für die sogenannte Hochstraße muss bis Ende 2027 eine Lösung gefunden werden. Länger darf das marode Bauwerk nicht mehr befahren werden.

Einen Vorgeschmack darauf, welche Auswirkungen sich für den Verkehr ergeben werden, war schon mal am vergangenen Wochenende zu spüren. Da nämlich war die Bundesstraße 49 zwischen den Anschlussstellen Dalheim und Wetzlar-Ost voll gesperrt. Der Grund: Die Verkehrsführung für die umfangreichen Sanierungsarbeiten an den Brückenbauwerken bei Garbenheim musste eingerichtet werden. Gut ein Jahr werden dann die dringend notwendigen Instandsetzungen an den Brückenbauwerken in zwei Bauabschnitten dauern.

Ans Eingemachte geht es allerdings erst in knapp acht Jahren, wenn die Restnutzungsdauer abgelaufen ist. Doch was kommt dann?

Vier Varianten stehen aktuell zur Diskussion: ein Neubau am bisherigen Trassenverlauf, wobei die Straße auf gut 33 Meter verbreitert und jeweils mit Seitenstreifen versehen würde - sowie drei Umfahrungsmöglichkeiten. Zum einen verliefe eine solche Umgehungsvariante durch das Dillfeld. Hier sieht die Stadt Wetzlar aber deutliche Beeinträchtigungen des Gewerbegebietes und damit eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort.

Einschnitt in Natur

Eine zweite Variante wäre eine westliche Umfahrung Dalheims zur A 480 und über das Wetzlarer Kreuz zur A 45 und zur Anschlussstelle Wetzlar-Ost (in Kombination mit dem Neubau von Stadtzubringern). Auch diese lehnt die Stadt ab: Dies sei ein gravierender Einschnitt in den Natur- und Lebensraum und gesetzlich geschützte Biotopflächen sowie vielfältige Nutzungen in diesem Bereich. Außerdem müsste eine neue Anschlussstelle an der B49 zwischen Kloster Altenberg und Tunnel Dahlheim geschaffen werden.

Daher sprach sich die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen September mit großer Mehrheit für eine Umgehung mit Tunnellösung analog zur Variante der Westumfahrung um Dalheim aus. Dies sei die »mit den wenigsten Nachteilen behaftete Planungsvariante«, hieß es in der Begründung des Beschlusses.

Bürgerinitiativen

Mehrere Varianten, mehrere Interessenslagen, unterschiedliche Prioritäten: Zwei Bürgerinitiativen haben sich mittlerweile ebenfalls in die Diskussion eingeschaltet. Die BI Hochstraße B49 mit Sitz in Dahlheim spricht sich klar für den Neubau der Brückenbauwerke am bisherigen Trassenverlauf aus. Dagegen setzt die BI B49 Tunnel pro Wetzlar mit Sitz in Garbenheim ebenso deutlich auf die im Stadtparlament beschlossene Tunnellösung.

Die Befürworter des Hochstraßenneubaus argumentieren, dass eine Verbreiterung der Bundesstraße mit Seitenstreifen nicht notwendig sei. Letztere seien bei den kurzen Strecken zwischen den Auf- und Abfahrten auch nicht sinnvoll. Somit könne man sich mit einer 22 Meter breiten Stadtautobahn begnügen. »Deren Dimensionen erlaubt bequem den Bau durch die Innenstadt Wetzlars.«

Gegen eine Umfahrung Wetzlars sprächen zusätzlicher Flächenverbrauch, mehr CO2-Emissionen und stärkere Lärmbeeinträchtigungen für Aßlar, Hermannstein, Naunheim und Lahnau. Außerdem wäre damit der Lärmschutz für Garbenheim kein Thema mehr, da ohne Hochstraße die Strecke zwischen Wetzlar-Ost und Altenberg zur Kreisstraße heruntergestuft würde, argumentiert die BI pro Hochstraße.

Das sehen die Vertreter der BI pro Tunnel anders: Für die Stadt Wetzlar ergebe sich jetzt die »einmalige Chance, städtebaulich und verkehrspolitische Fehlentscheidungen der Vergangenheit« zu korrigieren. Die Umfahrung der Stadt durch einen Tunnel an und unterhalb des Stadtteils Dalheim vorbei tangiere weder Anliegergrundstücke noch beeinträchtige sie die Lebensqualität der Anwohner, heißt es in einer Pressemitteilung.

In einem offenen Brief wendeten sie sich die Tunnelbefürworter vergangene Woche an die Hochstraßeninitiative und schlugen eine Zusammenarbeit vor. Die BI sei aufgefordert, sich »jenseits von Partikularinteressen gemeinsam für das Allgemeinwohl der Stadtbevölkerung einzusetzen«. Doch da scheint wenig Konsens zu erwarten zu sein. »Auch die Tunnellösung ist für uns nicht akzeptabel«, erklärt BI-Sprecher Detlef Prochnow. Dies sähen auch viele Mitstreiter aus der Region so. Gleiches gelte für die direkt betroffenen Landwirte, die besten Ackerboden verlieren würden, für die ansässigen Unternehmen und die Einzelhändler in der Altstadt, die Nachteile befürchten müssten, wenn der Tunnel käme.

Ziel von Hessen Mobil ist, in diesem Frühjahr alle erforderlichen Erkenntnisse zu den vier Alternativen zu gewinnen, um dem Bund als Baulastträger eine Entscheidung bezüglich einer Vorzugsvariante zu ermöglichen. Denn die Entscheidung obliegt letztendlich dem Bund als Straßenbaulastträger der B 49.

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