14. Juni 2011, 20:15 Uhr

Auslaufendes Benzin hat Luftschiff entzündet

Reichelsheim (lk/dapd/dpa). Das Luftschiff, das am Sonntagabend in Brand geraten und über dem Flugplatz abgestürzt ist, soll laut ersten Ermittlungsergebnissen von austretendem Benzin entzündet worden sein. Das teilte die Polizei am Dienstag mit.
14. Juni 2011, 20:15 Uhr
Das Luftschiff stürzte aus 40 Metern Höhe auf eine Wiese und brannte aus. (Fotos: dpa)

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ist mit einem Team vor Ort, um nach der genauen Ursache zu forschen. Bei dem tragischen Unglück konnten sich drei mitfahrende Journalisten retten: Sie sprangen wenige Meter über dem Boden aus dem Zeppelin. Für den Piloten endete die Fahrt tödlich: Durch den Gewichtsverlust der abgesprungenen Passagiere schoss das Luftschiff in die Höhe, wo das Feuer von der Gondel auf den Ballon übergriff. Der 52-jährige Pilot aus Australien verbrannte.

Zwei Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sind seit Montagmorgen im Einsatz. Sie sammeln nicht nur Fakten, sondern nehmen auch Zeugenaussagen auf. »Wir verschaffen uns einen Überblick über die gesamte Technik. Der Faktor Mensch spielt bei einem solchen Unfall natürlich auch immer eine Rolle«, sagte Klaus Himmler, Mitarbeiter der Bundesoberbehörde mit Sitz in Braunschweig, bei der rund 35 Personen beschäftigt sind. »Erst wenn gesicherte Fakten vorliegen, werden sie bekanntgegeben«, sagte Himmler.

Das Team der BFU habe die Wrackteile des Zeppelins in eine Halle gebracht. »Sie schauen jetzt, ob ein Materialfehler vorliegt«, sagte Jörg Reinemer, Pressesprecher der Wetterauer Polizei. Derzeit könne weder technisches noch menschliches Versagen ausgeschlossen werden. Die Untersuchungen gestalteten sich schwierig, da das Luftschiff komplett ausgebrannt sei. Klar ist laut den Ermittlern aber bereits, dass bei der missglückten Landung ausgetretenes Benzin den Zeppelin entzündet hat.

Klaus Bender von der Gießener Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass es keine Hinweise auf Sabotage gebe. Am Mittwoch soll ein offizieller Bericht vorliegen.

Obwohl die Hülle des Zeppelins mit unbrennbarem Helium gefüllt war, hat das Luftschiff lichterloh gebrannt: Laut Zeugenaussagen habe er kurz vor dem Absturz wie ein »rauchender Feuerball« ausgesehen. Zeugen hörten den erfahrenen Piloten, einen 52-jährigen Australier, noch fürchterlich schreien, bevor das Luftschiff zu Boden stürzte. Zu diesem Zeitpunkt waren die drei Journalisten, ein Team von RTL und der Fotojournalist Joachim Storch, der auch für die diese Zeitung arbeitet, nicht mehr in der Kabine des Luftschiffs. Ein Teil der Fotoausrüstung Storchs verbrannte. Er machte noch einige Bilder vom abstürzenden Zeppelin, die er der Polizei, der BFU und der Bild-Zeitung, für die er am Tag des Unglücks im Einsatz war, zur Verfügung stellte. »Die Bilder habe ich aus einer beruflichen Verpflichtung heraus gemacht.« Er habe intuitiv und reflexartig zur Kamera gegriffen. Zwischen seinem Blick durch den Sucher der Kamera und dem Unglücksmoment sei »wie eine Welt dazwischen gewesen.« Storch hat gestern wieder angefangen zu arbeiten. Die Polizei habe seine Aufnahmen dankend zur Kenntnis genommen. Auf ihnen seien die Beschädigungen am Unterboden des Luftschiffs sehr gut sichtbar.

Auch mit den RTL-Journalisten, die sich ebenfalls in letzter Sekunde retten konnten, hat Storch inzwischen gesprochen. Beide seien wohlauf. Am Montagabend hat er noch mit der Witwe des Piloten telefoniert. Ihr Mann wäre am Montag 53 Jahre alt geworden. Die Frau bezeichnete ihn in einer australischen Tageszeitung als »mutigen Menschen«, der seinen Passagieren das Leben gerettet habe. »Es hat mich kein bisschen überrascht.« Ihr Mann sei ein Charaktertyp gewesen. »Er war größer als das Leben selbst.«

Rundflüge über Hessentag abgesagt

Das verunglückte Luftschiff mit dem Namen »Spirit of Safety«, was soviel wie »Geist der Sicherheit« bedeutet, war im Auftrag des Reifenherstellers Goodyear zu Werbeflügen angemietet worden und von Reichelsheim aus zu Rundflügen über den Hessentag in Oberursel gestartet. Anlässlich des Vorfalls hat Goodyear die übrigen Veranstaltungen auf dem Hessentag abgesagt. Der Flugbetrieb auf dem Reichelsheimer Flugplatz geht indes weiter. Durch den Absturz sei der Betrieb nicht eingeschränkt gewesen, teilte ein Mitarbeiter der Flugplatz GmbH mit.

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