26. April 2017, 22:31 Uhr

Ab Herbst weniger Kontrollen

26. April 2017, 22:31 Uhr

Frankfurt (dpa/lhe). Die vielen Polizisten im Frankfurter Bahnhofsviertel zeigen Wirkung: Händler und Hotelbesitzer rund um den Hauptbahnhof äußern sich weitgehend zufrieden über die Erfolge im Kampf gegen Drogenkriminalität und Verwahrlosung. Trotzdem möchte kaum einer seinen Namen oder den seines Geschäfts in der Zeitung lesen, um nicht ständig mit dem negativen Thema in Verbindung gebracht zu werden. Einige fragen sich zudem etwas bange, was passiert, wenn die Polizei ab Herbst nicht mehr mit 100 Beamten zusätzlich am Tag im Stadtteil und der unterirdischen Geschäftspassage unterwegs ist?

»Die Situation ist besser geworden, aber es könnte noch ein bisschen besser werden«, sagt etwa der Chefrezeptionist in einem der Hotels. »Man merkt den Unterschied auf den Straßen schon. Es sind weniger seltsame Gestalten vor der Tür.« So gut wie vor sechs, sieben Jahren sei es aber noch nicht wieder. Vor allem zur unterirdischen Einkaufspasage am Hauptbahnhof gebe es immer noch Abgänge, die ein wenig prekär seien. »Ich bin mal gespannt auf den Sommer, wie das dann noch mit den Obdachlosen wird.«

Vorsichtiger Optimismus

»Es ist auf dem Weg, wieder erträglich zu werden«, sagt ein Verkäufer, der schon seit rund 30 Jahren im Bahnhofsviertel arbeitet. »Solange streng kontrolliert wird, und die Dealer mit Razzien rechnen müssen, fühlen sie sich hier nicht wohl.« Er ist optimistisch, dass sich der kleine Stadtteil weiter mausert und »in einigen Jahren völlig anders aussieht«. Erste Anzeichen gebe es ja schon mit sanierten Gebäuden und neuen Geschäften, die sich früher nicht in das Rotlichtviertel getraut hätten. »Man muss ein bisschen Geduld haben.«

»Die Dichte der Dealer ist deutlich reduziert«, heißt es in der Pelzbranche, die mit mehreren Geschäften und Büros rund um die Niddastraße vertreten ist. Dies gelte insbesondere für die unterirdische B-Ebene. »Die Polizei ist schon sehr präsent geworden«, sagt Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelz Institut. Sie lobt das Engagement von Polizei und Stadt, die sich auch um die Sauberkeit verdient mache. »Die Richtung stimmt.« Auch wenn nach wie vor immer noch viele völlig ungeniert an eine Hauswand in der Nähe urinierten.

Kolb-Wachtel hat einen Wandel in der Dealer-Szene beobachtet: »Die Gesichter wechseln häufiger.« Morgens kämen andere Gruppen als nachmittags. Polizeipräsident Gerhard Bereswill schätzt die Zahl der Rauschgifthändler auf insgesamt rund 300. Das Reservoir der jungen Männer, die dazu bereit seien, scheine sehr hoch zu sein. »Unerschöpflich kann es aber nicht sein.«

Der Vorsitzende des Gewerbevereins im Bahnhofsviertel, Ulrich Mattner, sieht die Drogenhilfe gefragt. Die Razzien zeigten Wirkung. »Aber die Drogenszene sucht sich neue Standorte, und Crack als Droge Nummer eins verbreitet sich immer mehr.« Die Strukturen des in der Fachwelt gerühmten Frankfurter Wegs für Drogenkranke seien vorwiegend – und mit großem Erfolg – auf Heroin, jedoch aber kaum auf Crack abgestimmt.

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