13. August 2019, 20:08 Uhr

400 000 Kubikmeter für Salzabwässer

13. August 2019, 20:08 Uhr
K+S hat durch einen neuen Speicher unter Tage ab sofort eine Alternative zum Hauptentsorgungsweg des Salzwassers über die Werra. (Foto: dpa)

Philippsthal/Kassel (dpa/lhe). Für Bergleute sind Rettungsringe ungewöhnlich. Doch in der osthessischen Grube Wintershall des Kasseler Salz- und Kalikonzerns K+S gehören sie bald zur Sicherheitsausstattung. Das Unternehmen hat in 700 Metern Tiefe einen riesigen Speicher für Salzabwässer angelegt. 400 000 Kubikmeter Flüssigkeit passen in einen nicht mehr genutzten Teil der Grube. Nun hat das Land Hessen grünes Licht gegeben für die sogenannte temporäre Einstapelung - einen Entsorgungsweg, mit dem K+S langfristig die Zukunft des hessisch-thüringischen Kalireviers sichern will.

Bei der Einstapelung wird eigentlich nichts gestapelt. Stattdessen wird eine hochkonzentrierte Salzlösung unter Tage gepumpt. Zwölf Kilometer Rohre hat K+S im Untergrund verlegt. Mehrere Becken sollen den ungeheuren Druck aus den Leitungen nehmen, der durch die Tiefe erzeugt wird. Am Grund eines solchen Beckens steht Johannes Zapp. Er ist Leiter der Grubenbetriebe. Hinter ihm ragt eine Pumpe empor, die auf einer schwimmenden Plattform montiert ist. Sie wird zum Einsatz kommen, wenn die Abwässer wieder an die Oberfläche gebracht werden müssen. Denn die nun erteilte Genehmigung bezieht sich nur auf eine befristete Einlagerung unter Tage.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch - Messstellen erfassen Flüssigkeitsverluste der Leitung und ein Absinken der Decke. »Auf die Zwischeneinstapelung schauen viele Augen, nicht nur deshalb haben wir viel investiert, damit da nichts schiefläuft«, sagt Zapp. 13,6 Millionen Euro hat der Speicher gekostet. Er sichert bei K+S die Produktion, die im Wesentlichen von der Entsorgung abhängt. Denn Hauptentsorgungsweg ist die Einleitung von Salzabwässern in die Werra. Führt der Fluss zu wenig Wasser, stehen schlimmstenfalls Standorte still.

Durch den neuen Zwischenspeicher und oberirdische Becken steigt das Speichervolumen im Werra-Revier auf eine Million Kubikmeter. »Dass wir bei anhaltender Trockenheit einen längeren Stillstand haben werden, der uns im letzten Jahr 110 Millionen Euro gekostet hat, können wir mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen«, sagt K+S-Vorstand Burkhard Lohr. Die Einstapelung sei ein »Meilenstein für K+S«. Denn es geht um mehr. Die Einstapelung soll als Dauerlösung die Versenkung ersetzen, die dem Konzern seit Jahren Ärger mit Kommunen und Umweltschützern einbringt.

»Die Zukunft des Standortes Werra hängt im Wesentlichen an dem Erfolg der Einstapelung«, erklärt Lohr. Das jetzt genehmigte Verfahren sei ein Praxistest für eine dauerhafte Einstapelung, die dann im thüringischen Teil des Kalireviers erfolgen soll. 5300 direkte Arbeitsplätze hängen an der Werra an K+S. Die Zitterpartie um die Jobs könnte mit der dauerhaften Einstapelung enden.

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