15. September 2017, 21:15 Uhr

1 MAN H+B 7 - A_122624

15. September 2017, 21:15 Uhr
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Aus der Redaktion
Dietrich Faber

Sollten Sie einmal unter viel zu guter Laune und unter bester innerlicher Stimmung leiden und sogar dabei so etwas wie Menschenliebe empfinden, und sollten Sie dieses anhaltende Gefühl irgendwann nicht mehr aushalten können, dann empfehle ich Ihnen dringend, die sozialen Netzwerke Ihres Vertrauens aufzusuchen und Nutzer-kommentare zu politischen Beiträgen durchzulesen. Pöbeleien, Diffamierungen, Beleidigungen, Wut und Dummheit springen Ihnen sofort entgegen, bevor Sie auch nur angefangen haben, danach zu suchen. Ganz zu schweigen von den unzähligen rassistischen Kommentaren, deren Verfasser derzeit zu den Marktplätzen unserer Republik aufbrechen, um Auftritte von Spitzenpolitikern der demokratischen Parteien wutbürgerlich und tumb niederzupfeifen. Ich frage mich, ob diese selbst ernannten Wertebewahrer unseres Landes nach diesem Vorbild ihre Kinder erziehen: »Schau, Kleine, so wie Papa das macht, so geht das: Wenn du eine andere Meinung hast, dann brülle, pfeife und tröte dem anderen so laut ins Gesicht, dass du seine Auffassung nicht hören musst. So wollen wir miteinander umgehen. Das ist Demokratie!«

Ach, nicht nur ein wenig sehne ich mich zu den gar nicht allzu weit zurückliegenden Zeiten zurück, als politikverdrossene Protestwähler noch die »Piraten« wählten.

Langeweile wäre toll

Immer wieder höre und lese ich, wie langweilig der Wahlkampf sei. Ich finde es so gar nicht langweilig, dass eine rechtspopulistische Partei, deren Spitzenpersonal die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz »nach Anatolien entsorgen« möchte und das Berliner Holocaust-Mahnmal als »Denkmal der Schande« bezeichnet, demnächst als vielleicht drittstärkste Kraft mit einem zweistelligen Ergebnis in den Bundestag einziehen könnte.

Nein, ich langweile mich noch immer nicht, wenn AfD-Spitzenkandidat Gauland vor ein paar Tagen in einer Rede in Thüringen fordert, dass man Deutschland »diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten« müsse und »wir« das Recht hätten, »stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.«

Wie gerne würde ich mich langweilen.

Keiner darf nach dem 24. September sagen, er hätte nicht gewusst, welch Geistes Kinder und welch völkisches Gedankengut er zum ersten Mal seit Beginn der Bundesrepublik in ein deutsches Parlament gewählt hat.

Und dazu fällt mir heute wahrlich keine heitere Pointe zum Abschluss ein.



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