13. Dezember 2017, 22:20 Uhr

1 MAN H+B 6 - A_134809

13. Dezember 2017, 22:20 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA

Dunkle Krawatte, grau melierter Kurzhaarschnitt: John Ausonius versucht, auf der Anklagebank im Frankfurter Landgericht einen seriösen Eindruck zu machen. »Ich ziehe es vor, Deutsch zu sprechen«, antwortet der Schwede mit nur leichtem Akzent auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob er einen Dolmetscher wolle. Der bärtige Mann in beiger Jacke soll vor mehr als 25 Jahren in Frankfurt eine Garderobenfrau getötet haben, mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe.

»Ich habe Schlimmes getan und bin dafür zu Recht verurteilt worden«, räumt der 64 Jahre alte Ausonius vor Gericht ein. Damit meint er allerdings nicht den Tod der Frankfurterin – zu den Vorwürfen der Anklage will er sich derzeit nicht äußern.

Stattdessen schildert er mit ruhiger Stimme seinen Lebenslauf: In Schweden ist er bereits seit 1994 ein verurteilter Mörder, bekannt als »Lasermann«, der mit einer Laser-zielvorrichtung auf Einwanderer schoss – auf »außereuropäische, dunkelhäutige«, wie er am Mittwoch vor Gericht präzisiert. Denn Ausonius stammt selbst aus einer Einwandererfamilie: Der Vater war Schweizer, die Mutter Deutsche.

Dass er damals aus rassistischen Motiven gehandelt habe, das will der 64-Jährige aber nicht gelten lassen. Zwar habe er Einwanderer mit einer »fremden Kultur« nicht gemocht. Doch die Morde und Mordversuche hätten die Polizei nur ablenken sollen, versichert er. Denn er fürchtete, die Ermittler seien ihm bereits wegen einer Serie von Banküberfällen auf den Fersen. Mit dem Geld finanzierte er zahlreiche Spielbankbesuche, immer in der Hoffnung, am Roulettetisch doch noch an das große Geld zu kommen, seine Schulden zu bezahlen und in Südafrika ein schönes Leben führen zu können.

Mord als Ablenkungsmanöver? Ausonius verblüfft mit seiner Erklärung: »Das schien mir damals angemessen.« Er sei »alles andere als ein empathischer Mensch« gewesen und auch von einer möglichen Strafe nicht abgeschreckt worden: »Auf Mord steht zwar lebenslange Haft, aber damals waren verurteilte Mörder viel kürzer in Haft.« Als Ausonius in den 80er Jahren bereits wegen Schlägereien eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßte, lernte er einen solchen Mörder kennen – der Mann kam nach neun Jahren auf freien Fuß. Dass er immer wieder auch durch Gewalttätigkeit aufgefallen war, ließ Ausonius in seiner Aussage weitgehend unberücksichtigt. Stattdessen schilderte er ausführlich den Traum vom Chemiestudium, die Spielerei und Geldprobleme, Gelegenheitsjobs als Taxifahrer, Filmvorführer und Aktienspekulant. »Habgierige Verwirrung« habe zu den Taten geführt, die ihn als »Lasermann« bekannt machten, doch für diesen fragwürdigen Ruhm macht er Sensationsjournalismus verantwortlich – mit seiner tatsächlichen Persönlichkeit habe das gar nichts zu tun. Ein rechtsextremer Rassist will Ausonius nie gewesen sein. Mittlerweile habe er in schwedischer Haft zudem ein Gewaltpräventionsprogramm absolviert, sich auch mit seiner Glückspielerei auseinandergesetzt, versichert er.

Dass seine Taten als mögliche »NSU-Blaupause« vor wenigen Jahren noch einmal Aufmerksamkeit auch der deutschen Justiz erregten, sieht der 64-Jährige nun als möglichen Nachteil vor Gericht. »Ich hoffe, dass ich hier nicht als Sündenbock verurteilt werde«, sagt er am Ende seiner Ausführungen. Schließlich sei er ja auch schon in Schweden zum Mord am damaligen Ministerpräsidenten Olof Palme vernommen worden, sagt Ausonius und zieht kurz eine Verbindung zu den Mordvorwürfen in Frankfurt: »Damals hatte ich zum Glück ein gutes Alibi, was hier leider nicht ganz so der Fall ist.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos