17. März 2021, 21:13 Uhr

184 rechte Vorfälle gemeldet

17. März 2021, 21:13 Uhr
Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank , Meron Mendel, wirft dem Land Hessen vor, »nur im Schneckentempo« gegen Rassismus aktiv zu werden. ARCHIVFOTO: DPA

- Auch wenn die Meldestelle »Hessen schaut hin« erst seit einem Jahr besteht, wurden bereits 184 rechte und rassistische Vorfälle aus nahezu allen Städten und Landkreisen Hessens gemeldet. Das geht aus dem am Dienstag vorgestellten ersten Jahresbericht der Online-Pressestelle hervor.

Darunter waren körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen, psychische Gewalt und Mobbing und politisch motivierte Sachbeschädigungen, so die bei der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank angesiedelte Beratungsstelle »response« für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Hinzukämen der rechtsterroristische Anschlag in Hanau mit neun Toten sowie weitere 118 anonym gemeldete Vorfälle. »Wenn Menschen damit rechnen müssen, im Alltag jederzeit zum Ziel von gewalttätigen Angriffen werden zu können, erschüttert das ihr Sicherheitsgefühl ungemein, ganz besonders, wenn die Taten in ihrem persönlichen Wohnumfeld auftreten«, sagte »response«-Leiterin Liisa Pärssinen. »Rechte und rassistische Gewalt fängt nicht erst bei Tötungsdelikten an - die in unserer Meldestatistik erfassten Fälle zeigen sehr deutlich das Spektrum der Gewalt auf, das von verbalen Attacken über Bedrohungen bis hin zu brutalen Angriffen auf Leib und Leben reicht.«

Die Meldestelle vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer: »Das bildet nicht die reale Welt ab. Die Fälle stellen nur den Ausschnitt dar, den wir als Beratungsstelle mitbekommen«, sagte der stellvertretende »response«-Leiter Roman Jeltsch. »Wir gehen von einer wirklich hohen Zahl ungemeldeter Vorfälle aus.«

Auch auf Landesebene sei ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus notwendig, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Wichtig sei, dass nicht nur mehr Menschen hinschauen und Vorfälle melden, sondern auch Betroffene ihr bisheriges Schweigen brechen: »Die Menschen sollten nicht akzeptieren, dass Rassismus oder Antisemitismus zu ihrem Alltag gehört.« dpa

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anne Frank
  • Brutalität
  • Gewalt
  • Mobbing
  • Rassismus
  • Sachbeschädigung
  • Tötungsdelikte und Straftaten gegen das Leben
  • Frankfurt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen