16. Mai 2013, 19:33 Uhr

Im Gedenkjahr vermehrt zu hören

Frankfurt. Musikalisch prägt dieses Jahr der zweihundertste Geburtstag von Richard Wagner. Es gibt kaum ein Opernhaus oder Konzertsaal, in denen die Werke dieses einen Titanen nicht auf die Bühne gebracht werden.
16. Mai 2013, 19:33 Uhr
Erlebte in den 1950er Jahren zunächst eine enthusiastische Renaissance: Komponist Paul Hindemith. (pia)

Wesentlich leiser kommen dagegen die Würdigungen eines großen Komponisten des 20. Jahrhunderts daher, der die entscheidenden Phasen seines Lebens in Frankfurt verbracht hat und auch dort gestorben ist: Paul Hindemith.

Das mag daran liegen, dass das entscheidende Ereignis des »Hindemith-Jahres« erst im Dezember liegt, nämlich Hindemiths Tod vor 50 Jahren am 28. Dezember 1963. Eine Rolle spielt aber auch, dass Hindemith noch lange nicht den ihm gebührenden Platz in den Konzertsälen gefunden hat. Seine Werke gehören nicht zum selbstverständlichen Kanon des Musiklebens, ihre Aufführungen sind eher die Ausnahme. Einen erheblichen Anteil an der mangelnden Rezeption Hindemiths haben sicher auch die musikphilosophischen Schriften seines früherer Kommilitonen im Dr. Hoch’schen Konservatorium Theodor W. Adorno, die Generationen von Musikern und Musikkritikern gegen Hindemith vereinnahmt haben.

Die Stadt Frankfurt hat durch die Restaurierung der früheren Wohnung des Komponisten im Kuhhirtenturm und die Einrichtung einer Dauerausstellung in Zusammenarbeit mit dem Hindemith-Institut ein Zeichen für ihren großen Sohn gesetzt. Und im fünfzigsten Jahr seines Todes tauchen seine Werke in einer Vielzahl in den Konzertsälen auf.

Hindemith wurde 1895 in Hanau geboren und starb 1963 in Frankfurt, aber sein Leben ist – wie das vieler anderer Intellektueller dieser Zeit – gekennzeichnet von Exil und langen Auslandsaufenthalten. Die für seine Entwicklung entscheidenden und ihn nachhaltig prägenden Jahre verbrachte er in Frankfurt. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie von Hanau in die Mainmetropole. Sein Vater, von Beruf Malermeister, förderte die früh erkannte musikalische Begabung seines Sohnes sehr. Er erhielt Geigenunterricht und konnte im jugendlichen Alter von 13 Jahren am Dr. Hoch’schen Konservatorium unter anderem Komposition studieren. Dort begegnete er auch seinem frühen Anhänger und späteren Kontrahenten Adorno zum ersten Mal. Als der wohl jüngste Konzertmeister Deutschlands nahm Hindemith diese Position von 1915 an im Frankfurter Opernhaus wahr.

Mit dem Amar-Quartett des Hessischen Rundfunks unternimmt Hindemith zahlreiche Konzerttourneen auch ins Ausland. Vom Schott-Verlag, der seine Werke kontinuierlich veröffentlicht, erhält er ein festes monatliches Salär für seine Kompositionen. 1923 zieht er mit seiner Familie in den gotischen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kuhhirtenturm auf der Sachsenhäuser Seite des Mains ein. In dieser Zeit wird er auch in den Programmausschuss der Donaueschinger Musiktage gewählt, ein bis heute sehr angesehenes Festival für zeitgenössische Musik. Sein Bestreben war, mit dieser Veranstaltung auch einen engeren und neuen Kontakt zwischen Musikern und Publikum herzustellen. 1927 erhält er eine Berufung zum Professor für Komposition nach Berlin.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis werden für Hindemith die Arbeitsbedingungen immer schwieriger. Seine Musik wird als »kulturbolschewistisch« und er als »atonaler Geräuschemacher« (Goebbels) abgestempelt und geächtet. Unter dem Druck des Regimes verlagert er seine Tätigkeiten mehr und mehr ins Ausland. Unter anderem ist er in den Jahren von 1935 bis 1937 in der Türkei tätig und reformiert im Sinne Atatürks das türkische Musikleben, was ihm bis heute eine große Anerkennung in der Türkei einbringt. Nach den Türkeiaufenthalten unternimmt er eine Konzerttournee in die Vereinigten Staaten, die sehr erfolgreich war. Im Jahr 1938 siedelt das Ehepaar Hindemith in die Schweiz um.

Die Musik Hindemiths erlebt nach dem Weltkrieg und in den fünfziger Jahren zunächst eine enthusiastische Renaissance. Als Komponist und als Dirigent kann er auch im Ausland große Erfolge feiern. 1955 wird er in Frankfurt mit der Goethe-Plakette ausgezeichnet. Später sollten seine Kompositionen jedoch wieder weitgehend aus den Konzertsälen verschwinden. Sein fünfzigstes Todesjahr bietet nun dem Publikum die Möglichkeit, in zahlreichen Konzerten seine Werke zu hören. Nikolaus Münster, pia

Im Rahmen der Hessischen Theatertage lädt das Stadttheater Gießen zur »Langen Hindemith-Nacht« ein. Am Samstag, 15. Juni, gedenkt das Kulturhaus des Komponisten durch die Aufführung seines kompletten kammermusikalischen Werkes. Eine Ausstellung und moderierte Gespräche runden das Programm ab. Los geht es um 19.30 Uhr.



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