22. März 2012, 19:28 Uhr

Willkommen im Schnellzug Richtung Mittelmeer

Frankfurt (pia/lhe). Der erste Zug aus Marseille soll am heutigen Freitag um 15.58 Uhr in der Mainmetropole eintreffen. Mit an Bord: Bahnchef Rüdiger Grube und Gäste aus Frankfurts Partnerstadt Lyon. Oberbürgermeisterin Petra Roth möchte die Ankömmlinge begrüßen. Der Zug nach Frankreich soll um 14 Uhr starten.
22. März 2012, 19:28 Uhr
Der französische TGV Euroduplex im Frankfurter Hauptbahnhof. (Foto: Faust)

Willkommen im Schnellzug Richtung Mittelmeer, könnte man auch sagen. Einmal am Tag wird es nun pro Richtung je einen »Train de Grande Vitesse«, einen »Zug mit großer Geschwindigkeit« (TGV) geben. Auf dem Weg zum Mittelmeer liegt Lyon, wichtiger Knotenpunkt Frankreichs in Richtung Süden und seit über 50 Jahren mit Frankfurt verschwistert. Nun erhoffen sich beide Städte von der neuen Verbindung einen weiteren starken Impuls für ihre Austausche.

Wer bisher per Zug schnell von Frankfurt nach Lyon wollte, musste über Paris fahren. Von der Ankunft im Gare de l’Est führte der Weg aus dem Bahnhof, dann über eine große Treppe und fünf Minuten Fußweg zum zwei Straßen weiter gelegenen Gare du Nord. Dort war man gezwungen, sich mit Reisegepäck in den Pariser Regionalverkehr (RER) zu stürzen. Ticket kaufen nicht vergessen. Das ist vorab nämlich nicht buchbar. Es folgte der knapp zehnminütige Transfer zum Gare de Lyon. Geschichten, die nun der Vergangenheit angehören. Fast genau sechs Stunden – eine Stunde weniger als bisher – benötigt der zweistöckige TGV Euro-Duplex für die Strecke von Frankfurt nach Lyon. Abfahrt in Frankfurt ist täglich um 14 Uhr, in Lyon geht es um 10.04 Uhr los.

Wirtschaft und Tourismus wollen profitieren

Beide Städte sind kommerzielle und kulturelle Zentren in ihren Ländern und in Europa. Da sind zum einen die Messen von Weltrang. Lyon interessiert sich ausgesprochen für die im April beginnende Light + Building. Immerhin gilt die Stadt an Rhone und Saone seit ihrem Lichtmasterplan von 1989 als Vorreiter in Sachen Licht. Umgekehrt drängt Frankfurt auf die Pollutec, eine Lyoner Messe für Erneuerbare Energien. Für diesen Herbst planen die beiden Städte mit Yokohama dort einen gemeinsamen Auftritt. Ferner haben die Mitarbeiter der rund 400 deutschen Töchter französischer Unternehmen in Rhein-Main zum Pendeln künftig eine neue Option. Auch in der Lyoner Region gibt es insgesamt 570 Unternehmen mit deutschem Kapital. Entsprechend hatte der örtliche Wirtschaftsklub Rhone-Alpes (WKRA) schon seit zehn Jahren die Etablierung einer Schnellbahnstrecke Rhein-Rhone gefordert. Oliver Wiesike, ein in Lyon lebender Wirtschaftsjurist, hält die neue Verbindung für eine sinnvolle Ergänzung zum Flugverkehr und glaubt an ihr wirtschaftliches Potenzial. »Durch den TGV haben sich die Verbindungen sehr verkürzt. Das Auto macht keinen Sinn mehr, und im Flugzeug kann ich nicht arbeiten.«

Der in Rhein-Main lebende Franzose Charles Marchant sieht als Präsident des Club des Affaires de la Hesse insbesondere in den Bereichen Chemie, Pharmazie und Biotechnologie, die an beiden Standorten stark vertreten sind, Chancen für neue Impulse. Eine Erwartung, die auch auf einer Umfrage unter 60 Geschäftsführern von französischen und deutschen Unternehmen in Rhein-Main basiert. Über 90 Prozent bewerteten das Projekt im Jahr 2008 sehr positiv.

Nicht zuletzt will der Tourismus profitieren. Vermarkter »OnlyLyon« will die Stadt als Eventziel für junge Deutsche verankern. In den vergangenen beiden Jahren war »OnlyLyon« mit Streetart-Künstlern auf Tour durch Europa unterwegs. Nur in Frankfurt waren sie zweimal. Die sogenannte »Nuits sonores«, ein 2003 ins Leben gerufene Festival für elektronische Musik, könnte ein Anknüpfungspunkt für junge Frankfurter sein. Schließlich galt die Mainmetropole früher als Hauptstadt des Techno in Deutschland. Auch die Promotion der Tanzbiennale als bunte Mixtur von Tänzen verschiedener Kulturen könnte beim deutschen Erlebnistouristen und Städtereisenden gut ankommen, hoffen Lyons Vermarkter.

Die Frankfurter Tourismus- und Congress GmbH (TCF) hofft, dass nun noch mehr Franzosen aus Lyon den Weg nach Frankfurt finden. Einen Effekt könnte aber auch der Zug-Typus haben. »Die Erfahrungen mit der Paris-Verbindung zeigen, dass die Franzosen sehr viel lieber mit ihrem eigenen Zug fahren«, so eine TCF-Sprecherin. Bleibt für die neue Verbindung zu hoffen, dass die Deutschen nicht auch so wählerisch sind.

Als Normalpreis für ein Ticket von Frankfurt nach Lyon gibt die Deutsche Bahn auf ihrer Internetseite 118 Euro (inkl. Reservierung) an. Mit Kundenkarte und anderen Formen der Ermäßigung kann der Preis aber auch niedriger sein.



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