09. Februar 2011, 20:20 Uhr

Das »größte liegende Hochhaus der Welt«

Frankfurt. Von ferne sieht es so aus, als sei ein riesiger Walfisch an Deutschlands größtem Airport gestrandet. Nicht nur das Äußere des »Squaire«, direkt über dem Fernbahnhof des Flughafens gebaut, wirkt ungewöhnlich.
09. Februar 2011, 20:20 Uhr
Früher »Airrail Center«, heute »Squaire«. Das 660 Meter lange und 65 Meter breite Gebäude ist über dem Fernbahnhof von Deutschlands größtem Airport errichtet worden. Das Foto zeigt den Innenhof des Büro- und Hotelkomplexes, der äußerlich an einen gestrandeten Walfisch erinnert. (Foto: lhe)

Der Frankfurter Flughafen will im Konkurrenzkampf der großen internationalen Drehkreuze zum Dienstleistungszentrum werden. Das Zauberwort heißt »Airport City«: Es geht um den Bau von Konferenzcenter für global agierende Unternehmen, um teure Läden und um Wellness-Angebote für Umsteigepassagiere.

Rund um den Flughafen sind bis zum Jahr 2016 Büros mit einer Fläche von 700 000 Quadratmetern geplant. Neben dem über dem Fernbahnhof errichteten »Squaire« gehören dazu auch Bauten im neuen Stadtteil »Gateway Gardens« und in den Cargo-Citys Süd und Nord. Insgesamt soll die »Airport City« ein Areal von 20 Millionen Quadratmetern umfassen.

Für die Flughafenbetreiber wird der Umsatz, der außerhalb des reinen Airportverkehrs umgesetzt wird, immer wichtiger. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport erwirtschaftet nach eigenen Angaben inzwischen mehr als die Hälfte des operativen Gewinns mit Einzelhandel, Gastronomie und Immobilienvermarktung.

Am Flughafen arbeiten rund 70 000 Menschen. Etwa 500 Unternehmen sind dort tätig. (lhe)

Frankfurt. Von ferne sieht es so aus, als sei ein riesiger silbrig glänzender Walfisch an Deutschlands größtem Airport gestrandet. Nicht nur das Äußere des »Squaire«, direkt über dem Fernbahnhof des Rhein-Main-Flughafens gebaut, wirkt ungewöhnlich. Auch sonst bietet das neue Gebäude Superlative: Büros, Restaurants, Arztpraxen sowie zwei Hotels finden in dem 660 Meter langen und nur 65 Meter breiten Bau Platz. Rund 10 000 Menschen sollen künftig im »Schiff«, wie der Volksmund das schlauchartige Gebäude nennt, arbeiten und flanieren. Als erste ist die Unternehmensberatungsfirma Arthur D. Little eingezogen.

Vier Jahre nach Baubeginn und etlichen Verzögerungen erhält das »Squaire«, früher unter dem Namen »Airrail Center« bekannt, im Innern den letzten Schliff. Die Vermarktung des neunstöckigen Objekts, das weltweit zu den größten Büro-Immobilien gehört, läuft bereits seit Jahren. 66 Prozent der 140 000 Quadratmeter Nutzfläche sind inzwischen vermietet, wie der Immobilienkonzern IVG am Mittwoch berichtete. Hauptmieter mit 33 000 Quadratmetern und mehr als 2000 Beschäftigten ist die Firma KPMG. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft will ihre Londoner Zentrale nach Frankfurt verlegen.

Das »Squaire« - der Name ist eine Mischung aus »square« (Platz) und »air« (Luft) - will sich dem künftigen Arbeiten anpassen. Global agierende Unternehmen sollen dort, wenige hundert Meter vom Flughafen-Gate entfernt, ihre »Satellite-Offices« eröffnen. Die gestressten Manager könnten dabei vor allem Zeit sparen. »New Work City« haben die Marketing-Strategen von IVG das getauft.

Der an der Börse notierte Bonner Immobilienriese ist schon aus wirtschaftlichen Gründen beim »Squaire« zum Erfolg verdammt. Das Gebäude hat die stolze Summe von einer Milliarde Euro verschlungen - einst waren einmal 660 Millionen Euro veranschlagt. Die Spitzenmieten im »Squaire« liegen bei rund 30 Euro pro Quadratmeter, das entspricht dem Niveau der Frankfurter Innenstadt. Mit im Boot sitzt der Flughafenbetreiber Fraport, denn das »Squaire« ist Teil des neuen Konzepts »Airport City«, mit dem Frankfurt im harten Konkurrenzkampf mit anderen Großflughäfen den Dienstleistungssektor stärken will. Unter anderem sind zwei neue Hilton-Hotels, ein Business-Club sowie mehrere gehobenere Restaurants geplant. Eines davon soll Starkoch Johann Lafer betreiben - offiziell will das aber IVG noch nicht bestätigen. Von April an sollen Einzelhandel und Restaurants einziehen. Darunter ist auch ein ganz normaler Supermarkt, der nur nachts zwischen ein und vier Uhr schließen will. Ende des Jahres soll es eine große offizielle Eröffnungsparty geben. Thomas Maier, dpa



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