24. September 2010, 20:28 Uhr

»Je länger sie hier leben, desto lieber«

Frankfurt (aho). Ihre Studie zu Frankfurt/Rhein-Main stellte die Hertie-Stiftung am Freitag vor. Dafür wurden in einer Stichprobe telefonisch 3000 zufällig ausgewählte Bewohnerinnen und Bewohner der Rhein-Main-Region befragt, die in Privathaushalten leben.
24. September 2010, 20:28 Uhr
Stellen die für Frankfurt und die Region erfreuliche Hertie-Studie vor: (v.l.) Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Dr. Michael Endres von der Hertie-Stiftung sowie Oberbürgermeisterin Petra Roth. (Foto. Hofmann)

1200 davon in Frankfurt, 1000 in der engeren Rhein-Main-Region, inklusive Darmstadt, Hanau, Hochtaunus und Wiesbaden, und 800 in der weiteren Metropolregion Rhein-Main, die bis in das Umfeld von Limburg, Fulda, Aschaffenburg und über den Rhein hinweg nach Worms reicht. Die Erhebung wurde im März und April dieses Jahres von Infratest durchgeführt und ergab laut Professor Dr. Klaus Hurrelmann, dass die Frankfurter ihre Stadt mögen: »Und je länger sie hier leben, desto lieber.«

Die Studie - die erste ihrer Art - geht nicht von »festen« Daten aus, sondern habe den Menschen »aufs Maul schauen« wollen, erklärte Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Aus dieser zunächst subjektiv erscheinenden Umfrage ließen sich jedoch »harte Fakten« ableiten. Einer davon sei, dass die Frankfurter und die Bewohner von Rhein-Main mit ihrer Stadt und der Region zufrieden sind.

Weltoffen, aber auch hektisch

So ermögliche die Region es in ihrer Vielfalt von Lebensstilen und schroffen Gegensätzen ganz unterschiedlichen Menschen, Heimatgefühle zu entwickeln und sich mit der Gegend zu identifizieren: Mehr als 70 Prozent fühlen sich als Rhein-Main-Bewohner, 80 Prozent sind mit ihren Lebensumständen zufrieden, führte Hurrelmann an. 85 Prozent der Frankfurter seien stolz auf ihre Stadt, die sie in allererster Linie als international und weltoffen, aber auch als aufstrebend und hektisch empfänden. Zum Image der Stadt erklärte Prof. Dr. Andreas Klocke von der Fachhochschule Frankfurt, dass die Mainmetropole als modern, dynamisch, wirtschaftsstark, aber auch als hektisch, laut und anstrengend gesehen werde. Derartige Zuschreibungen bekämen 80 bis 90 Prozent an Zustimmung. Zudem würden von fast fünf Millionen Menschen bestätigen, dass Stadt und Region als international und weltoffen seien. »Die Stadt wird aber auch von 80 Prozent als ›interessant‹ und »lebendig‹ empfunden«, wartete Klocke mit einem Fakt auf.

Zu den drängenden Problemen, die die Befragten nannten, zählte als erstes die Preissteigerung (57 Prozent), gefolgt von der Verkehrsbelastung durch Flughafen und Autobahnkreuze (55) und von der Arbeitslosigkeit (50). Danach folgen Umweltverschmutzung (51), Kriminalität und Gewalt sowie zunehmende Not und Armut (beide 50 Prozent). Mit großem Abstand, nämlich 28 Prozent, kommen erst Ausgrenzung und Intoleranz sowie die Angst vor »zu vielen Ausländern« (ebenfalls 28), dicht gefolgt von »zu wenig Wirtschaftswachstum«.

Zugleich aber werde Frankfurt auch als »schöne Region mit einer eigenen Kultur« bezeichnet. »Frankfurt kann zwischen Hochhäusern und Flughafen eine Heimstatt sein«, stellte Klocke fest. Allerdings sähen die Menschen aus dem Umland die Metropole eher als »hektisch«, »weniger sicher« und als »weniger überschaubar« an, als die Frankfurter selbst. 60 Prozent der Frankfurter sehen ihre Stadt als »sicher« an.

Zehn Porträts inklusive

Die Studie wird über ihren quantitativ-repräsentativen Teil hinaus von zehn Personen-Porträts qualitativ ergänzt. Darin berichten sehr unterschiedliche Menschen - aus Frankfurt und der engeren und weiteren Region - über ihr Leben in Bezug auf die Region und den Ort, wo sie leben. Dieser subjektive Blick zeigt die Komplexität und Vielschichtigkeit der individuellen Perspektive.

»Das Positive für die Menschen in Frankfurt ist, dass sich nicht nur unterschiedliche Kulturen und Lebensstile mischen, sondern dass sie aufeinander neugierig sind. Sodass man automatisch auf einen anderen Begriff von sozialer Zugehörigkeit kommt«, ergänzte Dr. Konrad Goetz vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOF). »Die Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund empfinden diese Vielfalt als einen Heimatfaktor, an die sie andocken können.«

Oberbürgermeisterin Petra Roth begrüßte das positive Bild der Stadt und ihrer Region in der Bevölkerung. Sie sehe sich aber auch durch die - ebenfalls in der Studie abgefragte - Liste dessen, was dringend zu tun sei, zu weiteren Anstrengungen, insbesondere zur Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen, angespornt. »Das ist der Humus, auf dem sich die Stadt zukünftig entwickeln wird: weil sie international ist, weil sie so viel Arbeitsplätze hat, weil wir Frauen arbeiten.« Bereits im kommenden Jahr werde die Stadt auf diesem Gebiet 30 Prozent Abdeckung erreichen, und sie hoffte für 2013 auf 50 Prozent der nötigen Kinderbetreuungsplätze, gab Roth einen Ausblick.

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