30. Juni 2009, 20:32 Uhr

»Gudd Stubb« gewährt Blick hinter die Kulissen

Frankfurt (cf). »Kuppel, Kulissen, Katakomben« - unter diesem Motto feierte die Festhalle am Sonntag ihr hundertjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.
30. Juni 2009, 20:32 Uhr
Die Festhallen-Architektur von Friedrich Thiersch hat auch nach 100 Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt.

Frankfurt (cf). Bereits am frühen Morgen drängte es zahlreiche Einheimische und Bürger aus der Region in Frankfurts »Gudd Stubb«. Alle waren gekommen, um das Ereignis mitzufeiern und die Atmosphäre und Architektur der Festhalle auf eigene Faust zu erkunden.

Die Architektur Friedrich von Thierschs mit Rotunde im Zentrum des Bauwerks hat auch nach 100 Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Zur Zeit ihrer Entstehung war sie Europas größter Kuppelbau. Seit 1977 steht die Festhalle unter Denkmalschutz. Heute bildet sie den historischen Kern des Messegeländes. Bereits ein Jahr vor ihrer Fertigstellung war sie 1908 Schauplatz des elften Deutschen Turnfestes. Sie ist seit dem Auftritt von Led Zeppelin 1970 als einer der großen Veranstaltungsorte für Konzerte in Europa in die Musikgeschichte eingegangen. Zu den legendären Bands, die sich die Ehre in der Festhalle gaben, gehören unter anderem die Rolling Stones, Pink Floyd, Ten Years After, Emerson, Lake & Palmer, Santana, The Who, Deep Purple, Chuck Berry und Genesis. Startenor Luciano Pavarotti, Ex-Beatle Paul McCartney, Peter Maffay oder Eros Ramazotti standen auf der Bühne.

Den Grundstein für ihre musikalische »Karriere« legte die Halle bereits 1909 mit dem »Wettstreit Deutscher Männergesangsvereine«. Anknüpfend an diese Tradition begrüßte vom Balkon aus der »Frankfurter Fleischerchor 07« am Sonntag die ersten Gäste mit einem vielstimmigen Ständchen. Bereits auf dem Festhallenvorplatz gab es für jeden Geschmack etwas: Eine Musikbühne, Biergärten, Essstände, Kinderkarussells und eine Kinderinsel mit Sand und Palme luden zum Verweilen ein. Sportlich ambitionierte Besucher kamen beim sechs Kilometer langen Jubiläumslauf rund um die Halle auf ihre Kosten.

Schwindelfreie schweben durch die Halle

In der Festhalle standen Führungen, Vorträge, Filme und Mitmachangebote im Mittelpunkt. Wer schwindelfrei ist, konnte unter der Kuppel Höhenluft schnuppern. Es ging mit der Seilbahn durch die Festhalle, an einer Seilwinde von einer Hallenseite zur anderen oder mit der Arbeitsplattform ganz nach oben. Die professionellen Rigger, das sind die Höhenarbeiter unter den Bühnentechnikern, zeigten den Wagemutigen auf dem »Scherensteiger« ihren Arbeitsplatz unter der Kuppel. Dort, wo sonst hoch über dem Hallenboden tonnenweise Traversen mit Licht- und Technik hängen, schwebten völlig losgelöst, aber gut gesichert Besucher. Der höchste Punkt liegt immerhin mehr als 38 Meter über dem Hallenboden. Beim Blick nach unten vom Arbeitspodest der Rigger aus, relativierte sich vieles. So schrumpfen die plakatgroßen Fotografien der Ausstellung »100 Jahre - 100 Bilder« auf Briefmarkengröße.

Einen Blick hinter die Kulissen der Halle werfen konnten die Besucher bei Backstage-Führungen mit Hallentechniker Helmut Frömelt und Führungen zur Architektur und Geschichte der »Gudd Stubb«. Sie boten Einblicke, die der normale Konzert- oder Messebesucher nicht bekommt. So führt eine Treppe neben der Bühne führt in die »Katakomben«. Dort befindet sich die fensterlose Kantine der Bühnencrews. Abseits der bunten Spots geht es schlicht und zweckmäßig zu. In ihren Garderoben empfingen »Tina Turner«, »Udo Lindenberg« und »Amy Winehouse« ihre Fans. Diese waren entzückt, und die Doppelgänger der Stars posierten pausenlos willig für Erinnerungsfotos. Zur Audienz baten auch die Hoheiten Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Sissi. Die Doubles eskortierten die Gratulanten wie Oberbürgermeisterin Petra Roth und Architekt Albert Speer auf die Bühne. Speers Architekturbüro rekonstruierte die Fassade des Hauses. Für das gelungene Lifting gab’s als Dankeschön von Roth das erste Stück von der riesigen Geburtstagstorte. Die hatte die Form der Festhalle.

In ihrer Rede erinnerte Roth auch an dunkle Zeiten in der Geschichte des Gebäudes. So gingen von der Festhalle während des Novemberpogroms 1938 »die Deportationen in die Konzentrationslager aus. Es gehört dazu, dass man dies an einem Tag wie diesem erwähnt«, sagte Roth.

Eberhard Gienger landet mit dem Fallschirm

Das Geburtstagsständchen stimmten die Mitglieder des »Frankfurter Fleischerchors 07« gemeinsam mit den Gratulanten und Doppelgängern auf der Bühne an. Auf dem Platz vor der Festhalle legte Turnlegende Eberhard Gienger eine punktgenaue Landung mit dem Fallschirm hin. Thomas Bäppler bat unter der Devise »eins, zwei, cha cha cha« 100 Tanzpaare zu Frankfurts größter Tanzstunde aufs Parkett. Das musikalische Rahmenprogramm bestritten zudem die neun Hobbymusiker der südhessischen Band »Bee Flat«. Für Party-Stimmung sorgten außerdem die »Messe Frankfurt Allstars« und die Musicalshow »Der Schuh des Manitu«. Die Fans der »großen alten Dame« ließen es sich bei Sommerwetter gut gehen und feierten das Jubiläum.



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