16. Juni 2009, 20:16 Uhr

Bilderbuch-Geschichten unter freiem Himmel

Frankfurt (pia). Pünktlich zum 200. Geburtstag Heinrich Hoffmanns am vergangenen Samstag ist der »Struwwelpeterpfad« zur Erkundung bis zum 20. September bereit.
16. Juni 2009, 20:16 Uhr
Die Fassade des Historischen Museums wurde als Reminiszenz an die Frisur des Struwwelpeters mit einer überdimensionalen »Haarpracht« versehen. (Foto: Faust)

Frankfurt (pia). Pünktlich zum 200. Geburtstag Heinrich Hoffmanns am vergangenen Samstag ist der »Struwwelpeterpfad« zur Erkundung bis zum 20. September bereit. Der Pfad thematisiert die zehn Geschichten aus dem »Struwwelpeter« unter freiem Himmel. Die nach den Figuren benannten Installationen sind auf den jeweiligen Präsentationsort ausgerichtet und bieten die Möglichkeit, den Geschichten in überraschender Weise neu zu begegnen. Konzipiert und gestaltet haben den Pfad Isabell Anhalt, Ellen Heilmann und Kathrin Schumacher, Studierende des Fachbereichs Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach. Betreut wurde das Projekt von Professor Peter Eckart.

Die einzelnen Stationen

Die erste Station, die wohl Hoffmanns bekanntester Figur, dem Struwwelpeter, gewidmet ist, befindet sich am Historischen Museum auf dem Römerberg. Die Fassade des Museums wurde - als Reminiszenz an die Frisur des Struwwelpeters - mit einer überdimensionalen Haarpracht versehen. Die nächste Station greift das Treiben des Friederich auf: »Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich!« Tatortsilhouetten geben am Willy-Brandt Platz Einblicke in die Schandtaten des Bösewichts.

Das traurige Schicksal der Pauline wird an der dritten Station des Pfades, dem Schaufenster für Kinderschuhe des Schuhhauses Görtz in der Biebergasse, aufgegriffen: Hier sind Illustrationen des HfG-Studenten Benedikt Rugar zu sehen: »Ein Häuflein Asche bleibt allein und beide Schuh', so hübsch und fein.« Die Geschichte vom schwarzen Buben findet man am Hauptbahnhof interpretiert. Tintenflecke und Spuren, die sich über den Bahnhofsvorplatz verteilen, gemahnen an die Buben, die von Niklas in das Tintenfass getaucht wurden: »...und hätten sie nicht so gelacht, hätt' Niklas sie nicht schwarz gemacht.«

Die Installation im Holzhausenpark ist der Geschichte vom wilden Jäger gewidmet. Dabei wird der Frage nachgegangen, wer hier wen jagt: Ein Windspiel lässt den Jäger Jäger sein und zugleich zum Gejagten werden: »Die Not war groß; es schießt der Has die Flinte los!« Die sechste Station des »Struwwelpeterpfades« an der Hauptwache thematisiert die Geschichte vom Konrad, der so gern am Daumen lutschte. Eine dort installierte Hörbox lässt in die schmerzlichen Erfahrungen des Daumenlautschers eintauchen: »Ohne Daumen steht er dort, die sind alle beide fort.«

Die Fressgass' ist der passende Ort, um das Geschehen rund um den Suppenkaspar zu verbildlichen. Ein Verzerrspiegel verweist auf die fatalen Folgen der Essensverweigerung Kaspars: »Er wog vielleicht ein halbes Lot - und war am fünften Tage tot.« An den nicht enden wollenden Bewegungsdrang des Zappelphilipps erinnert die achte Station am Mainufer, Höhe Schöne Aussicht: Jeder darf sich hier wie ein Zappelphilipp fühlen - dazu lädt ein Wackelstuhl ein: »Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhl hin und her.« Auf der Sachsenhäuser Seite am Main wurde die letzte Impression von »Hanns guck in die Luft« aufgegriffen: Seine Mappe treibt den Main hinunter: »...und die Mappe schwimmt schon weit«. Der fliegende Robert schließlich findet sich in der Fenstergestaltung am Flughafen Frankfurt wieder: »Wo der Mensch sie hingetragen, ja das weiß kein Mensch zu sagen.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos