16. Februar 2009, 20:00 Uhr

Als Präsident hat er »Meilensteine gesetzt«

Frankfurt (cf). Partystimmung vor dem Sauriersaal im Senckenberg Museum verbreitete am Samstag die Band »Hörbar«. Im Saal ging es festlich zu bei der Verabschiedung von Wolfgang Strutz, dem langjährigen Präsidenten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
16. Februar 2009, 20:00 Uhr
Ministerpräsident Roland Koch (r.) überreicht Professor Wolfgang Strutz einen weißen Hessenlöwen zum Dank für die geleistete Arbeit. (Foto: Fauerbach)

Frankfurt (cf). Partystimmung vor dem Sauriersaal im Senckenberg Museum verbreitete am Samstag die Band »Hörbar«. Im Saal ging es festlich zu bei der Verabschiedung von Wolfgang Strutz, dem langjährigen Präsidenten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die Liste der Gratulanten war lang. Sie reichte von Weggefährten und Mitarbeitern über Kollegen und Freunde bis zur Familie und Sponsoren. Gekommen waren Ministerpräsident Roland Koch, Ministerin a. D. Ruth Wagner, Friedrich und Sylvia von Metzler, der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Udo Corts, Senckenberg Vizepräsidentin Beate Heraeus, Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen, Palmengartenchef Matthias Jenny und Kabarettist Lars Reichow. Die Stadt vertrat Stadtverordnetenvorsteher Karlheinz Bührmann.

Oberbürgermeisterin Petra Roth hatte sich entschuldigen lassen. Ihre Vertretung, Bürgermeisterin Jutta Ebeling, sagte kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen ab. Ihre gefaxte Laudatio verlas der neue Senckenberg-Präsident Dietmar Schmid. Über diese Geringschätzung ärgerte sich Strutz sichtlich: »Dass niemand von der Stadt hier ist, macht mich sehr ärgerlich. Frankfurt hat noch nicht begriffen, was es an Senckenberg hat.« Dies waren jedoch die einzigen kritischen Töne beim Empfang. Ansonsten war von allen Seiten nur viel Lob über den »Mann mit ansteckendem Enthusiasmus« zu hören gewesen.

Die Laudatio hielt Ministerpräsident Roland Koch. Dieser überreichte dem nach zehn Jahren aus dem Ehrenamt scheidenden Präsidenten einen hessischen Löwen aus weißem Porzellan. Zuvor lobte er Strutz als einen »zum richtigen Zeitpunkt im Senckenberg-Gebäude eingeschlagenen Meteoriten«. Strutz habe in seinen zehn Jahren als Präsident die Institution verändert, sein Wirken markiere einen epochalen Einschnitt. Er habe seine Chancen genutzt und ein staatlich geführtes Museum durch Einbindung bürgerschaftlichen Engagements und Professionalität grundlegend verändert. Seine Arbeit sei durch drei Dimensionen gekennzeichnet gewesen: Er habe ordentliche Arbeitsplätze geschaffen, Menschen neu für die Institution interessiert und diese nie verwaltet, was seine Mitarbeiter vor große Herausforderungen stellte. Unter seiner Führung habe sich Senckenberg von einem nationalen zu einem internationalen Spitzeninstitut für Forschung und Lehre entwickelt. Die Präsenz des Museums in der Gesellschaft verdeutliche die Tatsache, dass »es kein Kind gibt, dass hier nicht schon einmal unter diesen Knochen herumgelaufen ist«.

Der Kampf zwischen Berlin und Frankfurt sei im Falle Senckenberg für Frankfurt entschieden worden, sagte Koch. Strutz habe das Museum zu dem mit den meisten Besuchern in der Mainmetropole gemacht und dem Forschungsinstitut internationalen Rang verliehen. In der Institution würden wissenschaftliche Arbeits- und Präsentationsmöglichkeiten künftig zu vielen Veränderungen führen.

Voll des Lobes war auch Strutzens Nachfolger Schmid. Er würdigte den 75-Jährigen als jemanden, der in seiner fast zehnjährigen Tätigkeit Meilensteine gesetzt habe. Seit 1992 sei Strutz, ehemaliger Sprecher des Vorstandes der BHF-Bank, Mitglied der Gesellschaft für Naturforschung und wirkte im Verwaltungsrat mit. 1996 übernahm er das Amt des Vizepräsidenten und von 1999 bis Ende 2008 wirkte er als Präsident. Strutz sei ein Macher und Gestalter, dessen Enthusiasmus ansteckend sei. Sein Motto laute: Es ist wichtig, die Menschen für Neues zu gewinnen. So habe er das Museum seit 2002 zu einem Veranstaltungsort ausgebaut, 2003 das Senckenberg-Kuratorium gegründet und 2004 das »Dinner unter Dinos« ins Leben gerufen. »Nebenbei wurde das Museum modernisiert und ausgebaut. Heute ist es mit 350 000 Besuchern die Nummer eins aller Frankfurter und naturkundlichen Museen in Deutschland. « Allein im vergangenen Januar besuchten 71 000 Bürger das Haupthaus und die »Tiefsee-Ausstellung«. Im zweiten Halbjahr gebe es im Darwin-Jahr eine Sonderausstellung zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Eine räumliche Erweiterung sei geplant.

Bei allen Veränderungen solle das Senckenberg weiter ein Naturkundemuseum zum Anfassen bleiben. Strutzens Einsatz habe auch Veränderungen in der Mitarbeiterzahl gebracht: von 150 im Jahr 1999 auf heute dank der von Strutz organisierten über zehn Millionen Euro Spendengelder über 600 Mitarbeiter. Für Sammlungsobjekte stünden 35 Millionen Euro in Aussicht.

Den Reigen der Redner schloss mit einer witzigen Laudatio Kabarettist Lars Reichow. Strutz dankte allen Laudatoren für so viel Lob. Dies mache ihn »dankbar, stolz und verlegen«. Für sein neues Leben mit viel Freizeit stellte er in Aussicht: »Da halte ich es wie Charles Baudelaire. Beim genauen Hinsehen ist die Arbeit weniger langweilig als das Vergnügen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • BHF-Bank AG
  • Charles Baudelaire
  • Feste
  • Heraeus
  • Kabarettistinnen und Kabarettisten
  • Musikgruppen und Bands
  • Petra Roth
  • Roland Koch
  • Ruth Wagner
  • Udo Corts
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos