31. Oktober 2008, 20:10 Uhr

»Möchte Musiktalente fördern«

Frankfurt (aho). Vor 125 Jahren wurde Dr. Hoch's Konservatorium gegründet. Und seit Mitte Juli hat es mit Mario Liepe einen neuen Leiter.
31. Oktober 2008, 20:10 Uhr
Mario Liepe vor dem Porträt von Dr. Hoch. (Foto: Hofmann)

Frankfurt (aho). Vor 125 Jahren wurde Dr. Hoch's Konservatorium gegründet. Und seit Mitte Juli hat es mit Mario Liepe einen neuen Leiter. »Es ist für mich eine große Freude und Ehre, in diesem sehr renommierten Hause tätig sein zu dürfen. Ich möchte im Sinne von Dr. Hoch versuchen, dass alle Musiktalente eine entsprechende Ausbildung erhalten können.« Dabei habe Hoch durchaus alle Künste im Auge gehabt, nicht nur die Musik. Gedacht habe er an Menschen, die zwar Talent, nicht aber die finanziellen Mittel hatten, eine Ausbildung zu absolvieren. Talentförderung und -ausbildung mit einer sozialen Finanzierung der Ausbildung sei immer »der Geist des Hauses« gewesen, so Liepe. »Dieser Grundgedanke ist bis heute erhalten geblieben«, sagt er. »Wir haben entsprechend dem Stifterwunsch Entlastungssysteme wie Stipendien und Förderungen, beispielsweise durch den Richard-Wagner-Verband. Darüber hinaus gibt es Ermäßigung von Gebühren und auch Abteilungen, die kostenfrei besucht werden können.

Vor seiner Funktion als Leiter des Konservatoriums lehrte er nicht im Hause. »Ich bin aus Köln neu hierhergekommen.« Fast 26 Jahre habe er Musikschulen in Göttingen, Braunschweig in der Region Hannover und einige Jahre in Solingen, geleitet. »Wobei wir in den Schulen immer auch studienvorbereitende Abteilungen hatten«, sagt Liepe. »Mich hat immer gereizt, Talente zur Berufsfähigkeit zu führen.« Insofern sei er auch sehr an seiner jetzigen Tätigkeit interessiert gewesen, denn in Musikschulen gehe es nur zum kleinen Prozentsatz um berufliche Ausbildung, als vielmehr darum, möglichst viele Kinder und Jugendliche zur Musik zu führen. Das besondere an Hoch's Konservatorium sei aber eben, dass durchgängig von der musikalischen Früherziehung mit 18 Monaten bis zum akademischen Berufsabschluss alles in diesem Hause stattfinde.

Momentan fühle er sich in seine Tätigkeit ein, sagt Liepe, der nach seinem Schulmusikstudium Dirigieren und Klarinette studierte. »Ich habe aber vor, wenn ich mich eingelebt habe, mich da auch lehrend zu betätigen. Da das Haus mit dem Dirigenten des Sinfonieorchesters und dem Chordirigenten bestens besetzt sei, würde Liepe gern als Klarinettendozent tätig werden. »Ich unterrichte sehr gern. Das macht mir nach den vielen Jahren immer noch Spaß.« Eigentlich habe er auch sehr viel Kammermusik gemacht, aber dafür reiche die Zeit nicht mehr, bedauert Liepe.

Eine mittelfristige Aufgabe sieht er darin, »die glückliche Ausbildungssituation« in Frankfurt zu koordinieren. Hier gebe es die Frankfurter Musikhochschule, die Musikschule und das Konservatorium zu harmonisieren. Man könne sich die Aufgaben der drei Institute anschauen und miteinander abstimmen. »Dann kann man Schwerpunkte setzen und Bereiche bestimmen.«

»Zum anderen müssen wir uns als Musikakademie und Ausbildungsinstitut auch mit dem Bologna-Prozess auseinandersetzen.« Dieser Prozess bedeute die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor- und Master-Studiengänge, um sie im europäischen Rahmen vergleichbar zu machen. Hier habe der Stiftungsvorstand den Auftrag gegeben, dass die entsprechenden Möglichkeiten gegeben sein sollten. »Das muss eng mit der Hochschule abgestimmt werden, sodass es keine Konkurrenz gibt, sondern wir uns ergänzen und unterstützen.«

Noch pendelt Liepe. »Ich habe hier eine kleine Wohnung. Die Familie, meine Frau und drei Kinder, lebt weiter in Köln.« Der eine Sohn studiert Geige, und der andere nach seiner künstlerischen Ausbildung Instrumentalpädagogik Klavier an der Kölner Musikhochschule. Die Tochter studiert Geige in den USA.

»Frankfurt ist mit seinen Stiftungen, Fördermöglichkeiten und seiner kulturellen Vielfalt eine attraktive, sehr sympathische Stadt«, sind Liepes erste Eindrücke. »Die Mainmetropole ist eine glückliche Stadt, muss man sagen.« Sie sei eben nicht nur die coole Bankerstadt, von der man denke, außer Börse und Euro gäbe es nichts anderes. »Wir sollten versuchen, das Kulturelle zu erhalten und auszubauen.«



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