29. August 2008, 19:08 Uhr

»Die Rhein-Main-Region braucht das nicht«

Frankfurt/Kelsterbach (lhe). Fast drei Monate halten sie es nun schon aus: Rund 30 Gegner des Ausbaus des Rhein-Main-Flughafens haben sich im Kelsterbacher Wald mehr oder weniger eingerichtet – dort, wo bis 2011 eine neue Landebahn für den aus den Nähten platzenden Airport entstehen soll.
29. August 2008, 19:08 Uhr

Noch steht rund 100 Meter vor ihrem Camp – das sie lieber Dorf nennen, weil das nach längerem Bestand klingt – ein hölzernes Schild an einem Wegkreuz: »Erholungswald der Stadt Kelsterbach. Haltet Ruhe, haltet den Wald sauber«, steht da drauf.

Ursprünglich waren die meist jungen Leute einfach so in den Wald gegangen, hatten ihre Zelte aufgeschlagen und angefangen, Baumhütten zu bauen. Ein illegaler Zustand. Der Flughafenbetreiber Fraport darf in dem Waldgebiet, wo die 2800 Meter lange Nordwestlandebahn bis 2011 entstehen soll, Vorarbeiten vornehmen, wie die Kartierung der Grundwasserpegel und des Pflanzenvorkommens. Dazu gab es eine so genannte vorzeitige Besitzeinweisung. Schließlich hatte Fraport zugesagt, keine unabänderlichen Fakten zu schaffen, solange der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel noch nicht signalisiert hat, wie er mit den Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau umgehen will.

Nun sitzen die Waldbesetzer auf alten Matratzen, einem alten Sofa und »diskutieren heftig politisch«, wie einer von ihnen sagt. Fragt man nach dem, was sie antreibt, kommen Antworten wie: »Die Region braucht den Ausbau nicht.« Aber auch unpolitische Argumente werden für den Freiluftaufenthalt angeführt: »Ich bin im Sommer ganz gern woanders«, sagt der 19 Jahre alte Peter aus Berlin. Viele aus der bunten Truppe kommen nicht aus der Rhein-Main-Region. So auch der 23 Jahre alte Florian, den es aus Freiburg hierher verschlagen hat und der gerne jedem Gast die Örtlichkeiten zeigt.

Frisch gebaut haben die jungen Leute provisorische Fahrradständer aus Baumstämmen. Schließlich sind es ein paar Kilometer bis in Kelsterbachs Mitte. Ihre Küche ist ein Sammelsurium aus Gegenständen von einer Plane überdeckt. Zelte und Plattformen in den Bäumen dienen zum Schlafen. In den Boden haben sie Holzschilder mit Straßennamen gerammt. »Rosenstraße« und »Mariannenplatz« steht da drauf. Und der »Klosett-Boulevard« führt folgerichtig zu den Kompost-Toiletten. »Das sind praktisch komfortable Donnerbalken«, sagt Florian.

Für ihre Verpflegung können sich die Camper weitgehend auf Unterstützer aus den umliegenden Flughafen-Anrainergemeinden verlassen: Einer bringt ihnen täglich mehrere Kanister Trinkwasser, bei anderen holen sie Lebensmittel ab. Das Wasser für den Abwasch schöpfen sie im nahe gelegenen Mönchswaldsee, der auch mal für ein Bad gut ist. Ansonsten geben Anwohner gelegentlich die Möglichkeit zu einer Dusche.

Die Stadtverwaltung in Kelsterbach bleibt abwartend. »Ich sehe das gelassen«, sagt der Erste Stadtrat Manfred Ockel (SPD), der vor kurzem zum Bürgermeister gewählt wurde. Anfangs hatte die Stadt, die auch zu den Gegnern des Ausbaus gehört, für drei Wochen eine Mahnwache genehmigt, die aber ein deutlich kleineres Areal umfasste als das Camp. Was derzeit im Wald liefe, sei nicht genehmigt, betont Ockel. Aber die Kommune duldet es und diskutiert die neuerliche Zulassung einer Mahnwache, die aber nach Angaben eines Sprechers der Stadt neben dem Camp-Gelände liegen müsse und auf der keine festen Hütten errichtet werden dürften.
Wie lange sie es noch im Wald aushalten, ist für die Besetzer klar. »Wir gehen erst, wenn der Ausbau vom Tisch ist oder die Polizei gewaltsam räumt«, sagt Peter.

Internet: www.waldbesetzung.blogsport.de



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