25. August 2014, 12:38 Uhr

Auf der Kinderfarm Jimbala sind alle König

Wer glaubt, Kindern müsse man Achterbahnen mit sechsfachen Loopings und einer Vertikalbeschleunigung von 3,5 G bieten, damit sie Spaß haben, sollte bei diesem Ferientipp vielleicht gleich zu Hause bleiben und den Nachwuchs nicht beim »World of Warcraft«-Spielen stören. Sonst verliert der womöglich jede Menge »Erfahrungspunkte«.
25. August 2014, 12:38 Uhr
Immer wieder ein beliebter Spaß: Stockbrot grillen auf der Kinderfarm Jimbala. (Foto: Jürgen Wagner)

Wer hingegen der Meinung ist, es könne nicht schaden, wenn Kinder ihre Erfahrungen selbst machen, am besten in der freien Natur, mit echten Mitspielern und auch ohne Junkfood, das man beim Computerspielen in sich hineinfuttert, wer also seine Kinder so spielen lassen will, wie man früher selbst gespielt hat, am Bach, hinter dem alten Schuppen, in der Höhle im Wald, wo Blindschleichen leben und der alte krumme Baum zum Klettern einlädt, ist hier richtig.

Ausflugstipp des Tages

Die Kinderfarm Jimbala kann einem in Zeiten von Online-Spielen und permanenter medialer Berieselung als verwunschener Ort vorkommen, irgendwie nicht ganz wirklich, weil aus der eigenen Vergangenheit ins Jetzt rübergeholt. Auf einem Streifen Land hinter den 24 Hallen, dem Friedberger Eisenbahnviadukt, bauen Kinder und Erwachsene seit ein paar Jahren ihre eigene Farm auf. Mit einem hölzernen Piratenschiff, Stockbrot überm Lagerfeuer, mit Hügeln, auf die man klettern und von denen man runterrutschen kann, am besten nach dem Regen, wenn alles schön matschepampig ist, mit einem Sandkasten, mit Holzlatten, Nägeln, Hammer und was man sonst noch so braucht, um eine Hütte oder einen Aussichtsturm zu bauen. Mit Bauwagen und Öko-Klo, mit Kaninchen, die über den Acker flitzen und im Gemüsegarten was Leckeres stibitzen wollen, und vielleicht ja auch bald mit Hühnern, das wünschen sich die Kinder sehr, aber eins nach dem anderen.

Jim-Knopf-Fans haben es vermutlich längst bemerkt (»World of Warcraft«-Fans eher nicht): Jimbala lehnt sich an das geheimnisvolle Land Jimballa (mit zwei l) aus Michael Endes »Jim Knopf und die Wilde 13« an, das versunkene Königreich, von dem nur die Insel Lummerland als höchster Gipfel aus dem Meer ragte, bis, ach, das sollen die »World of Warcraft«-Fans selbst nachschlagen und alle anderen wissen es ja. In Jimballa wird Jim Knopf zum König gekrönt, in Jimbala (mit einem l) sind alle Kinder König. Sie können tun und lassen, was sie wollen, bekommen aber gerne Hilfe von den Erwachsenen des 2007 gegründeten Vereins Kinderfarm Jimbala, der »Kindern einen geschützten Rahmen für selbstbestimmtes Erleben und Lernen« bieten will. Die Kinder lernen den Umgang mit Feuer, Wasser, Erde und Luft im durch eine wilde Hecke umgrenzten Raum. Kitas und Naturschutzgruppen kommen hierher, es werden Ferienspiele veranstaltet, Mehrgenerationenprojekte und integrative Angebote. (jw)

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Wissenswertes

Öffnungszeiten: Die Kinderfarm ist samstags von 11 bis 16 Uhr sowie jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Das offene Angebot ist kostenlos, Spenden wären prima.

So kommt man hin: Über die B 3 und die B 455 im Norden von Friedberg auf die Gießener Straße fahren, kurz vor der Usa-Brücke (in Sichtweite der Burg) nach links in die Straße An den 24 Hallen. Dort parken und unter den Eisenbahnbrücken durchlaufen, nach 500 Metern ist man da.

Weitere Infos: www.jimbala.de.



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