25. August 2014, 11:49 Uhr

Unsere Galaxie erkunden

Genau 264,86 Meter über Normalnull 8 Grad, 43 Minuten, 41,6 Sekunden östliche Länge und 50 Grad, 21 Minuten, 58,5 Sekunden nördliche Breite liegt, auf den Mauern einer alten gotischen Kirche errichtet, die Bad Nauheimer Sternwarte. Der markante achteckige Turm auf dem Johannisberg wird seit fast 50 Jahren als verlängerter Arm zu den Sternen genutzt.
25. August 2014, 11:49 Uhr
Wanderweg: Auf einer zwei Kilometer langen Strecke lassen sich die Planeten erkunden. (pm) (Foto: Red)

140 Stufen über dem Boden können große und kleine Erdenbürger am Kuppel-Teleskop die faszinierendsten Himmelskörper der nördlichen Hemisphäre in Augenschein nehmen und feststellen, wie klein unser Planet doch ist.

Ausflugstipp des Tages

Möglich macht dies der harte Kern des Vereins Volkssternwarte Wetterau, den eine Handvoll Weltall-Liebhaber im Oktober 1988 gründete, um das Fortbestehen der Sternwarte zu sichern. Ein Friedberger Tankwart, der Hobbyastronom Erwin Krauskopf, hatte den damaligen Aussichtsturm 1965 in Eigenregie (mit Mitteln des Staatsbades) in ein Observatorium verwandelt, in dem jedem die komplexe Wissenschaft der Astronomie mit Wort und Bild verständlich gemacht werden sollte. Mit demselben Anspruch betreibt auch die Gruppe um den Astrophysiker Walter Gröning ihr zeitintensives Hobby. Er und seine Kollegen öffnen jeden Dienstagabend die knarrende Turmtür, um interessierten Sternenguckern die Geheimnisse des Universums ein Stück weit begreifbar zu machen. In einem Diavortrag um 20 Uhr werden Bilder von Galaxien, Sternenhaufen oder Planetensystemen gezeigt und es wird erklärt, wie schwarze Löcher, weiße Riesen oder rote Zwerge entstehen.

Man sollte eine Sternwarte nie besuchen, wenn Vollmond ist. Dann ist es nämlich viel zu hell, um etwas zu sehen, rät Gröning. Die besten Bedingungen für eine Planetenbeobachtung herrschen in einer klaren, wolkenlosen Nacht mit ruhiger Luft (ohne vermischte warme und kalte Luftschichten, die das Bild verzerren) und einem Nachthimmel, der nicht durch Lichtquellen vom Boden aufgehellt wird. Letzteren gibt es über dem Hausberg der Kurstadt leider nicht. Mit den beiden 1995 unter der glasfaserverstärkten Kuppel installierten Hightech-Fernrohren lässt sich im Idealfall dennoch ein nur wenige Kilometer breiter Bildausschnitt des Mondes darstellen. Auch wenn sich die 1969 von Neil Armstrong aufgestellte Fahne nicht erkennen lässt. Und auch wenn die Sichtverhältnisse keinen Blick durch das Teleskop erlauben, so ist der Ausblick vom Turm auf das nächtliche Bad Nauheim dennoch jedem zu empfehlen.

Wer sich schon auf dem Weg hoch zum Johannisberg mit den Sternen beschäftigen möchte: Der 2010 zur Landesgartenschau eröffnete Planetenwanderweg des Vereins ist ein verkleinertes Modell unseres Sonnensystems. Er verläuft vom Aussichtsturm im Goldsteinpark (hier ist die Sonne) bis hoch zur Sternwarte. Jeder Schritt des Wanderers entspricht dabei einer Strecke von 2,8 Millionen Kilometern.

Doch keine Angst: Der knapp zwei Kilometer lange Weg mit den Planetenmodellen des Fuldaer Bildhauers Rainer Landgraf (gespickt mit vielen wissenschaftlichen Fakten) ist innerhalb von maximal einer Stunde absolviert. (hed)

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