Regional

Technik, die Menschen hilft

Ich bin kein großer Fan von Technik-Museen – aber dieses macht Spaß: Das deutsche Feuerwehr-Museum in Fulda. Vielleicht liegt es an den lichten Räumen, an der bunten Mischung aus Historischem und Neuerem oder an der entspannten Atmosphäre.
19. August 2014, 11:51 Uhr
Sommer in der Region_Feuerwehr-Museum

Jedenfalls macht der Rundgang durch die alten Fahrzeughallen mit einer Fülle an Exponaten auch mit einem Fünfjährigen Spaß. Dabei ist das Ausstellungskonzept recht schlicht: Älteste und alte Fahrzeugtechnik kompakt ausgestellt, ein Überblick über die Ausrüstung, dazu ein paar grundsätzliche Überlegungen zum Feuer und ein besonderer Schlenker ins Dritte Reich – fertig.

Ausflugstipp des Tages

Unbestrittenes Glanzlicht ist die älteste Handdruckspritze der Welt von 1624, entstanden also während des 30-jährigen Kriegs. Eigentlich ein plumper Holzkasten mit Hebeln auf Rädern, aber damals feinste Technik. Da geht der Geist auf Reisen, erinnert sich an Bruchstücke, erlesen in historischen Berichten, von Feuersbrünsten, einer plündernden Soldateska, brennenden Fachwerkhäusern in engen Kernstädten.

Wenige Meter weiter erfährt der Besucher, das erst 1673 die ersten Schläuche genäht wurden und nach und nach die Eimerkette als Löschmittel ablösten. Historische Stiche erinnern an verheerende Feuersbrünste, so den großen Brand von Hamburg vom Mai 1842, der in einem Speicher seinem Anfang nahm und zwei Drittel des Stadtkerns einäscherte. 20 000 Menschen wurden obdachlos.

Erst ab 1846 gibt es Freiwillige Feuerwehren, entstanden aus der Turnerbewegung (Sie erinnern sich: Turnvater Jahn und seine Sportkameraden). 1847 kam die erste dieser sportlichen Einheiten aus Durlach im benachbarten Karlsruhe zum Einsatz, um das brennende Hoftheater zu retten. Das geschah offenbar so eindrucksvoll, dass bald überall Freiwillige Feuerwehren entstanden. Ganz nebenbei waren diese Vereinigungen Keimzellen der Demokratie, da sie Selbsthilfe statt Untertanengeist zum Prinzip erhoben.

Besonders bewegt die kleine Abteilung, die dem Dritten Reich gewidmet ist. Da wird an die rund 20 000 Juden erinnert, die in deutschen Feuerwehren Dienst taten, bis die Nationalsozialisten auch die Feuerwehr zur paramilitärischen Einheit erniedrigten. Eine Tafel erinnert an Leo Holzer, als Häftling im KZ Theresienstadt Leiter der Lagerfeuerwehr. Er und seine Leute halfen unter übelsten Bedingungen bei der Überschwemmung von Leitmeritz. Er musste erleben, dass immer wieder seine Wehrmänner ermordet wurden.

Das war eher die Abteilung für Große. Für Kinder spannender ist die Möglichkeit, im Feuerwehrmuseum den Geburtstag zu feiern – das hat sich unser Sohn für den seinen fest vorgenommen. In der Fahrzeughalle mit den historischen Spritzen ist auch ein Modell mit Blaulicht aufgestellt, das der Kleine sofort enterte.

Er hatte aber auch großen Spaß am Rundgang zwischen den im Lauf der Jahrhunderte immer größer werdenden Fahrzeugen. Vom hölzernen Karren über Klein-Lkw bis hin zum Leiterwagen reicht die Palette. Feuerwehr fasziniert, zumal man da Technik betrachten kann, die den Menschen wirklich hilft. Nett gestaltet auch der Außenbereich: Blumen mit Bezug zum Feuer, darunter einige Rosen, erfreuen das Auge.

Und wer dann einen Happen essen möchte, dem gelte ein Tipp: Vini e Panini im Steinweg, nahe dem Universitätsplatz in der Innenstadt. Dort gibt es extrem leckeres italienisches Essen und die Mannschaft ist kinderfreundlich. Für Kuchen würde sich das Museumscafé (Sonntag bis Mittwoch bis 18/19 Uhr, Donnerstag bis Samstag bis 24 Uhr) anbieten, einen Steinwurf vom Vini e Panini entfernt. (jol)

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Wissenswertes

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Eintrittspreise:
5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Familien 15 Euro.

Anfahrt und weitere Informationen:
St-Laurentius-Straße 3 in Fulda: Von Alsfeld/Lauterbach auf der B254 Richtung Stadtmitte, etwa 300 Meter hinter Opel-Autohaus rechts abbiegen, dann ist es ausgeschildert.
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Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/art68,94199

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