12. März 2014, 09:33 Uhr

Ausgesprochen Henni 15

Hendrik »Henni« Nachtsheim über die Trainer-Nachfolge, das Aus in der Europa-League und Horror-Filme.
12. März 2014, 09:33 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, auf der A3 haben mich am Samstag mehrere holländische Autos überholt. Mittendrin ein sündhaft teurer und schneller Bentley. Da hatte ich noch die Hoffnung, dass Huub Stevens von Frankfurt aus wieder in seine Heimat unterwegs gewesen sein könnte. Sie verstehen?

Henni: »Nein!«

Wäre das nichts gewesen, Stevens als neuer Trainer der Eintracht?

Henni: »Auch wenn ich ihn nicht unsympathisch finde, halte ich ihn trotzdem für den Falschen! Huub Stevens mag ja der Etikette halber einen Bentley fahren, aber eigentlich ist er der klassische holländische Wohnmobil-Fahrer!«

Wahrscheinlich war er gar nicht in diesem Bentley, oder er kam von Stuttgart. Was halten Sie eigentlich davon, dass Armin Veh wegen Perspektivlosigkeit der Eintracht im Sommer seinen Hut in Frankfurt nimmt?

Henni: »Ich fand das hart, auch weil es ein bisschen nach ›Auf Dauer bin ich mir für ein Mittelklasseteam der Bundesliga zu schade» schmeckt. Was bei genauerer Betrachtung der Position, die die Bundesliga im Weltfußball inne hat, schon etwas dezent Überhebliches hat. Andererseits ist es für alle Beteiligten dann besser, wenn er geht, weil er nur dann Spirit bei den Spielern erzeugen kann, wenn er den auch in sich selber trägt.«

Haben Sie Wunschkandidaten für die Veh-Nachfolge? Soll’s ein Erfahrener werden? Oder vielleicht ein ganz Junger, ein Unverbrauchter mit frischen Ideen?

Henni: »Wir brauchen, um bei den Autos zu bleiben, einen, der sich im neuen Alfa Romeo Giulietta wohlfühlt! Einen modernen Trainer mit Sinn für das Neue, mit Ideen und Visionen und vor allem Begeisterung! Der nicht muckt, wenn er statt Automatik nur ein Schaltgetriebe bekommt, sondern sich so intensiv damit beschäftigt, dass er am Ende besser damit fährt als die meisten anderen!«

Ich traue mich gar nicht, folgendes zu schreiben, aber man muss auch einmal unbequem sein: Lothar Matthäus wäre frei...

Henni: »Das wäre ungefähr so, wie wenn der liebe Gott irgendwann später Judas adoptiert hätte. Matthäus hat mit zwei fiesen Fouls sowohl die Karriere von Jürgen Grabowski als auch die von Harry Karger beendet, und sich zumindest bei Grabi nie dafür entschuldigt. Im Gegenteil, noch heute kommentiert er das eher zynisch. Er ist aus Frankfurter Sicht eine ›Persona non grata di Drecksacko»!«

Wenn Sie schon mal so in Fahrt sind, bin ich echt froh, dass wir uns nicht direkt nach dem Europa-League-Aus gegen Porto getroffen haben. Wie konnte dieser dritte Gegentreffer kurz vor Schluss nur zugelassen werden?

Henni: »Was für ein bitteres Aus! Ich saß zu diesem Zeitpunkt mit meinem Sohn gut gelaunt beim Essen, weil er Geburtstag hatte. Irgendwann fragt er mich, wie denn das Spiel ausgegangen sei, also hab ich auf dem Handy nachgeschaut. Da war der Abend ... ich will nicht sagen komplett im Eimer ... tendenziell eher doch. Was mich besonders wurmt, ist dieser Mist mit den Drittplatzierten der Champions League, die zur Belohnung, dass sie in ihrer Gruppe nicht gut genug waren, dann in der Europa League einfach weiterspielen dürfen. Die ja eigent-
lich der Wettbewerb der Mannschaften sein soll, die es eben in ihrer Liga nicht unter die ersten drei, vier geschafft haben. Das ist unmoralisch!«

Ist das internationale Aus nun besser für den Bundesliga-Abstiegskampf, oder hätten weitere Erfolgserlebnisse auch in der Liga beflügeln können?

Henni: »Das ist wie in der Landwirtschaft. Ein Bauer, der drei Felder bestellen muss, wird mehr Mühe haben, es dreimal gleich gut hinzubekommen, als der, der nur ein Feld hat. Wenn der mit dem einen Feld allerdings nichts draufhat, wird ihm die geringere Belastung auch nichts nutzen!«

Zuletzt wurde sehr oft auf die Dreifachbelastung verwiesen, dieses Argument zählt nun nicht mehr. Nach dem Sieg gegen Stuttgart und dem Remis in Hamburg schaut es momentan gut aus, oder?

Henni: »Ja, es ist im Moment ganz okay, aber das Spiel in Hamburg war trotzdem nicht gut. Ich hab nicht kapiert, warum sie den Sack nicht zugemacht haben, sondern ihn fast noch komplett ausgeschüttet hätten.«

Trotzdem müssen wir das Tor von Alexander Madlung loben!

Henni: »Stimmt, das war echt ein Kracher. Als ich das gesehen habe, ist mir mein Onkel eingefallen! Der war eigentlich ein ziemlich hüftsteifer und staubtrockener Typ, aber bei einem Familienfest ist er mal für eine Minute auf die Tanzfläche gesprungen und hat ganz kurz ganz wild Samba getanzt. Was er danach nie wieder getan hat!«

Um den Kreis zu schließen, stellen Sie sich vor, ein türkischer Bentley überholt Sie oder mich demnächst auf der Autobahn irgendwo in der Nähe von Frankfurt . Dann fährt aber der Schreck in die Glieder.

Henni: »Ich kapiere es schon wieder nicht. Warum?«

Warum? Christoph Daum könnte mit seinem (Noch-)Dienstwagen am Riederwald vorfahren.

Henni: »Eines wird mir spätestens jetzt klar, Sie gucken eindeutig zu viel Horror-Filme!«

PS: Haben Sie es gemerkt, alle Fragen drehen sich nur um die Eintracht. Dabei wollte ich noch auf die surreale Konstellation Wintersport im Fernsehen und Frühlingstemperaturen vor der Haustür hinweisen ...

Henni: »Schade, dass wir das nicht erörtert haben. Wobei ich ein Fachgespräch über Golfbälle und deren Flugverhalten bei unterschiedlichen Temperaturen auch für einen Kracher gehalten hätte!«

... oder Sie fragen, was sie von Matthias Sammers heiß diskutierten Ausspruch halten: »Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?«

Henni: »Dazu hat ja Jürgen Klopp schon alles gesagt!«

                             Von Hendrik Nachtsheim und Ronny Th. Herteux



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