04. Oktober 2013, 20:58 Uhr

Schauspiel Frankfurt: »Das Versprechen« überzeugt

Spuren im Schnee: Packender Krimi in den Kammerspielen mit Dürrenmatts »Das Versprechen«.
04. Oktober 2013, 20:58 Uhr
Auf Spurensuche im Schnee: Kommissar Matthäi (Torben Kessler, links hinten) und die Schulkinder. (Foto: Hupfeld)

Es schneit unaufhörlich aus einer wundersamen Maschine vom Schnürboden – kein Wunder, ist der Fall doch in der Schweiz angesiedelt. Gleich mit seiner ersten Einstellung gelingt Regisseur Markus Bothe in den Frankfurter Kammerspielen eine atmosphärische Dichte, die den Zuschauer 90 Minuten, also eine gute Spielfilmlänge, gefangen nimmt. Nach und nach huschen alle Beteiligten in diesem Krimi stumm durchs Bild, erstarren für einen Moment in ihren Bewegungen, ziehen so die Blicke auf sich. Die treibende Jazzmusik von Biber Gullatz tut das Übrige: Die Spannung steigt, die Ermittlungen nehmen ihren Lauf und in kurzen packenden Szenen fächert Bothe eine durchaus bekannte Geschichte neu und in sich stimmig auf, die durch die legendäre Verfilmung mit Heinz Rühmann als Kommissar und Gert Fröbe als Mörder vielen im Gedächtnis blieb.

1958 kam »Es geschah am hellichten Tag« in die Kinos, erst danach verfasste Friedrich Dürrenmatt seinen Roman »Das Versprechen«, weil er mit dem Ende des Films nicht zufrieden war. Rühmann hatte Erfolg bei seiner Tätersuche, in der Frankfurter Adaption, eine Koproduktion mit dem Theater Winterthur, wartet Kommissar Matthäi an der Tankstelle tagelang vergeblich auf den Mörder. Der Zufall will es, dass der Triebtäter, der drei Mädchen auf dem Gewissen hat, bei einem Autounfall ums Leben kommt – makabre Ironie des Schicksals.

Torben Kessler zeichnet diesen Kommissar als einen Besessenen, der – auch als ihm der Fall entzogen wird – nicht von der Idee ablässt, der wahre Täter sei noch nicht gefunden, obwohl sich ein Hausierer unter dem Druck der unnachgiebigen Befragung zur Tat bekennt und sich anschließend das Leben nimmt. Kessler kann die Zweifel des Suchenden glaubhaft vermitteln – schließlich hat sein Kommissar der Mutter der getöteten Gritli Moser das Versprechen gegeben, den Mörder zu finden.

Interessanterweise verkörpert Viktor Tremmel sowohl den vermeintlichen wie auch den tatsächlichen Mörder in Personalunion und mit großer Authentizität. Beiden Figuren haftet etwas Unbeholfenes, fast Mitleiderregendes an, besonders wenn man erlebt, mit welch perfiden Methoden der unterdrückte Chauffeur Albert von seiner reichen Ehefrau gequält wird.

Gaby Pochert erweist sich als Meisterin des schnellen Umzugs. Kaum hat sie den grauen Kittel von Gritlis Mutter abgestreift, erscheint sie schon im strengen schwarzen Kostüm als strafende Gattin, um dann als aufgeschlossene Psychologin die Kinderzeichnung Gritlis von dem Zauberer und seinen Igeln zu deuten.

Der Regisseur jongliert geschickt mit den Effekten, nutzt den schneebedeckten Hang, den ihm Alexandre Corazzola als vielfältige Spielfläche gebaut hat, für allerlei gelungene Einfälle. Die eigentlichen Stars in dieser homogenen Inszenierung aber, in der Till Weinheimer und Christoph Pütthoff das Ermittlerteam vervollständigen, sind die Kinder, die mit ihren Liedern und Reimen immer wieder das Geschehen brechen und so die Spannung bis zum Ende steigern können.

Marion Schwarzmann

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