19. August 2013, 23:28 Uhr

Noch 35 Tage: Schilderwald

In der gewohnten Umgebung nimmt man im täglichen Straßenverkehr nur einen Bruchteil der installierten Verkehrsschilder wahr. Man kennt sich schließlich aus. Dennoch werde ich neuerdings durch einen dichten Schilderwald abgelenkt, wenn ich durch die Stadt zur Arbeit oder zum Einkaufen fahre.
19. August 2013, 23:28 Uhr

Das liegt weniger an neuen Verkehrshinweisen als vielmehr an Dutzenden Politikern, die mich mehr oder minder freundlich von der Seite anlächeln. Merkel, Steinbrück, Hahn, Trittin, Braun, Schäfer-Gümbel, Greilich, Bouffier. Wie wohl die Kuh auf dem Grünen-Plakat heißt?

Ich habe Glück, dass die Kreuzung frei ist, denn als ich versuche, einen der vielen Wahlkampfslogans zu entziffern, rase ich ungebremst über eine gelbe Ampel. Gefährdung des Straßenverkehrs: Das kann es nun wirklich nicht sein, was CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke und Piraten mit ihren rechteckigen Pappkartons und zum Teil winzigen Texten im Sinn haben. Dann doch lieber im Großformat wie im Schiffenberger Tal. Denn da sieht man Jörg-Uwe Hahn schon von Weitem. Ob mir das gefällt, bleibt mein Geheimnis.

So wie mir, wird es wohl vielen Auto- und Fahrradfahrern gehen, die neben den bekannten Gesichtern auch die gewollt griffigen Schlagwörter und -sätze zu lesen versuchen. »Gemeinsam erfolgreich«, versprechen die CDU und Frau Merkel. Fragt sich mit wem? Daneben wieder Merkel. Zusammen mit Philipp Rösler. »Beste Regierung seit der Einheit...?«, steht darauf. Ich bin verwirrt. Kurz darauf, nachdem ich meinem Vordermann fast in den Kofferraum gefahren bin, realisiere ich: Das war ein Plakat der SPD. »Negative campaigning« nennt sich so was. Ob das wirklich so clever ist? Schließlich ist der eigene Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf kaum einem der SPD-Schilder zu sehen. »Ist wohl populär genug«, denke ich, während mir die »grüne« Kuh mitteilt, dass sie nur das fressen würde, was auch ihr Bauer kennt. Das Gute am Schilderwald im Wahlkampf ist, dass man ihn ebenso schnell verinnerlicht, wie die normalen Verkehrsschilder. Hat man die ersten gefährlichen Strecken zur Tankstelle oder zum Bäcker lebend hinter sich gebracht, besteht nur noch Gefahr durch »Schilderwaldneulinge«. Zu diesen zähle ich nun nicht mehr. Ich kenne mich schließlich aus. fk



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