02. Juni 2013, 19:03 Uhr

Ute Lemper gibt Konzert in der Frankfurter Alten Oper

Ute Lemper erntet Standing Ovations bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in der Frankfurter Alten Oper.
02. Juni 2013, 19:03 Uhr
Macht auf ihrer »Herzensreise« in der Alten Oper in Frankfurt Station: Ute Lemper. (Foto: Lucas Allen)

Es ist dieser riesige, in Cellophan eingepackte Blumenstrauß, den ihr ein Fan bereits nach dem ersten Song auf die Bühne reicht, und das ernsthaft verwunderte »Jetzt schon?«, mit dem Ute Lemper ihn lächelnd entgegen nimmt. Denn dieser Strauß ist mehr als ein wunderschönes Kompliment. Er wirkt wie eine Verbeugung, eine Hommage oder schlicht wie eine Entschuldigung. »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« hat sie als Erstes gesungen, ausgerechnet die Rote Lola, mit der sie in Deutschland Anfang der 90er Jahre von Hellmuth Karasek und der Berliner Kritik ins schier Bodenlose verrissen wurde. Während man sie in Paris und London bereits überschwänglich feierte. Die Rolle, die letztlich dazu führte, dass sie Deutschland den Rücken kehrte und in New York eine zweite Heimat suchte. Wenn sie jetzt aus dem »Blauen Engel« singt, klingt ihre gewaltige Stimme lässig, innig und voll exzentrischer, kratzbürstiger Eigenwilligkeit. Allerdings zeigt die blonde Münsteranerin unter dem langen schwarzen Kleid erst Mal ganz wenig von ihren schwarzbestrumpften Knien, über die damals so viel Niederträchtiges in der Presse stand.

Ute Lemper präsentiert sich in ihrem einzigen Deutschland-konzert in der Alten Oper Frankfurt mit einer herausragenden Souveränität, vor der man ganz tief den Hut ziehen muss. Chansons und Tangos hat sie im Gepäck von Kurt Weill, Jaques Brel, Edith Piaf, Astor Piazzolla und natürlich »Mackie Messer« und Bob Fosse’s »Cabaret«. Alles Songs, die man gut zu kennen glaubt, die sie aber in ihrer unverwechselbaren Manier bis zur Unkenntlichkeit auseinanderzieht, kommentiert, persifliert und überraschend wieder zusammenfügt, sodass man glaubt, ein völlig neues Couplet zu hören. Da klingt die Lola nach Al Jarreau’s jazzigem Scat-Stil, Weill nach argentinischem Tango und »Ne me quitte pas« versickert im American Swing. Nur eine rote Boa, einen Barhocker und einen schwarzen Hut braucht der Star, um die ganze große Bühne mit Leben zu füllen. Und nur zwei Musiker begleiten sie. Der formidable Vana Gierig am Klavier und der melancholische Victor Hugo Villena mit seinem Bandoneon, fertig ist »The last Tango in Berlin«, wie der aktuelle Titel ihrer Europa-Tournee heißt. Zwischen den Songs erzählt sie schnurrige Geschichten, wie das vom armen kleinen Bandoneon aus Deutschland, das eigentlich in der Kirche spielen wollte, dann aber mit den anderen Emigranten seine weite Reise nach Buenos Aires antrat, dort die Milonga viel zu schnell fand und mutig sprach: »Mal langsam hier, liebe Leute! Da war der Tango geboren«. Immer lässt sie auch Wehmut durchklingen, wenn sie von »ihrer Zeitreise« spricht, fast als wäre auch sie eine echte Emigrantin. In Nebensätzen gibt sie zu, dass »die alten Geschichten wieder hochkommen«, schmunzelt ungläubig über ihren Auftritt im Frankfurter »Peter Pan« vor 25 Jahren und will die »lieben Frankfurter« mitnehmen nach Berlin, wo noch ein alter Koffer in Schöneberg auf sie wartet. Kein Zweifel, die 49-Jährige vierfache Mutter umweht zur Zeit ein verstärkter Hauch von Melancholie. Dazu passt ihre erste Zugabe: Léo Ferrés elegische Rimbaud-Vertonung »Avec le temps«, in der alles, sogar die Liebe von der Mühle des Lebens zerrieben wird. Mit diesem depressiven Chanson »kann ich Sie unmöglich nach Hause schicken«, schüttelt die Lemper den Kopf und schmettert noch eine humorvolle Version von »La vie en rose« ins Halbrund hinterher. Bettina Boyens

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