23. November 2012, 18:13 Uhr

Deep Purple haben es in der Frankfurter Festhalle gut drauf

Auch nach 40 Jahren ist die tolle Chemie der britischen Hardrock-Band immer noch spürbar. Die Fans sind mit den Musikern gereift.
23. November 2012, 18:13 Uhr
Gut in Form: Deep-Purple-Bassist Roger Glover. (Foto: axc)

40 Jahre nach »Made in Japan«, dem Karrierehöhepunkt der britischen Band, die den Hardrock mit erfunden haben soll, zeigen Deep Purple in der gut gefüllten Festhalle, dass sie es nach neun Umbesetzungen immer noch drauf haben und ihre mitgereiften Fans fast zwei Stunden lang begeistern können.

Die Gruppe betritt die Bühne zu Prokofjews wuchtigen »Montagues & Capulets« aus dem »Romeo und Julia«-Ballett. Das hätte besser zu Purple vor 1993 gepasst, als die Streitereien zwischen Saitenhexer Ritchie Blackmore und Ian Gillan die Band lähmten, während die musikalischen Kämpfe zwischen Blackmore und Keyboarder Jon Lord für geniale Konzertmomente sorgten. Gillan ist nach wie vor am Mikro (vokal und körperlich sehr fit), während Blackmore Purple-Geschichte ist und sich lieber seiner Vorstellung von mittelalterlicher Musik widmet. »He used to be evil, now he is medieval«, hat Gillan das einmal kommentiert.

Steve Morses Einstieg 1994 hat die Band am Leben erhalten, auch wenn die Klagen der beinharten Ritchie-Fans wohl nie verstummen werden. Lord stieg 2002 schweren Herzens aus, um mehr Zeit für seine klassischen Projekte zu haben. Don Airey füllt die riesige Lücke musikalisch problemlos, jedoch ohne das Charisma seines Vorgängers. Für die spürbar tolle Chemie der Band zeichnen immer noch Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice mitverantwortlich.

Dass die »Jungs« (Jungspund Morse ist 58) trotz ihrer Endlostourneen immer noch Spaß haben, verwundert auch, weil sie ihr Programm nur sehr sparsam variieren. Von dem wohl fertig eingespielten neuen Album gibt es in Frankfurt keinen einzigen Appetithappen und aus 18 Morse-Jahren nur drei Songs.

Immerhin ist »Sometimes I feel like screaming«, ein hartnäckiger Ohrwurm, wieder dabei. Erfreulich auch, dass Paice, wahrlich einer der Besten seines Faches, wie anno 72 bei »The mule« wieder ein Drumsolo bekommt und mit »Fireball« und »No one came« zwei weitere Songs von Gillans Lieblings-LP »Fireball« gespielt werden. Die Band sollte häufiger Raritäten aus den Archiven holen, statt immer wieder »Strange kind of woman« oder auch »Smoke on the water« runterzunudeln.

Das übliche Keyboardsolo mit Versatzstücken aus sämtlicher Literatur für Tasteninstrumente vermag nur zu langweilen, Aireys Intro zu »Lazy« aber begeistert mit Keith-Emerson-Sound und einer kleinen Stelle, an der er den rechten Finger blitzschnell zur höchsten Note auf dem Keyboard zieht. Dieses »hitting the high notes« war ein Markenzeichen des im Juli 2012 verstorbenen Jon Lord. Sollte das schon die Verbeugung vor dem verdienten Purple-Mitgründer sein, die sich sicher viele Fans aus dem Mund von Ian Gillan gewünscht haben?

Bei der Zugabe lassen sie es nochmal richtig krachen: »Speed king« mit Gesangseinlagen aus Rock’n’Roll-Klassikern, »Hush« mit schön getupfter Orgel und ein angenehm wildes »Black night«. Und »Highway star«? Gestrichen! Da sind sie dann doch mal ganz innovativ gewesen. Unterm Strich ein sehr gutes Konzert mit deutlichen Schwächen beim Soundmix. Axel Cordes

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