19. Juli 2012, 16:33 Uhr

Jaële Vanuls ist: »Ein Mädchen aus Marseille«

Bei der Suche nach einem »Frankreich in Frankfurt«-Aspekt unlängst auf Jaële Vanuls gestoßen: In der »Rob Green Morningshow« der Jugendwelle YouFM des Hessischen Rundfunks gibt die 31-jährige Südfranzösin seit etwas mehr als zwei Jahren den Sidekick für den Moderator-Star. (Der geneigte Medienkonsument kennt eine solche Rolle sehr gut von Nathalie Licard und der Harald-Schmidt-Show.)
19. Juli 2012, 16:33 Uhr

Ortstermin Wiesenhüttenplatz in Bahnhofsnähe; schließlich brauchen wir einen ICE nach Paris zur Illustration der Reportage: Der Biergarten dort heißt »Le Jardin«, eine Bar nebenan »Le Parc« und das Hotel à côté »Le Méridien«. Als dann zwei große Augen und ein strahlendes Lächeln aus dem Großstadtgewusel auftauchen, sich als unverwechselbare Kennzeichen einer mit bezaubernder Stimme agierenden Jaële Vanuls bewahrheiten, ist die erste »Frankreich in Frankfurt«-Duftmarke gesetzt. Voilà!

Vanuls ist eine von etwa 3300 Franzosen in Frankfurt oder – richtiger – eine von knapp 12 000 im Rhein-Main-Gebiet: Sie wohnt in Wiesbaden, hat ihr Appartement in Sachsenhausen aufgegeben. Wer wie sie jeden Morgen um 5.30 Uhr an der Arbeit hellwach sein muss, der braucht in der Nacht ein ruhiges Umfeld.

Zu Hause im heißen Süden

Dass sie einmal hier landen würde in ihrem Leben und zudem mit der Sprache des Gastlandes ihren Unterhalt verdienen, das hätte sie vor 15 Jahren noch nicht für möglich gehalten. Heute bereut sie keine Minute des Weges, der sie hierhin geführt hat.

Geboren in La Ciotat bei Marseille, Vater Professor, Mutter Lehrerin, aufgewachsen in Bormes-les-Mimosas bei Le Lavendou, schlappe 30 Kilometer westlich von Saint Tropez, hatten es die Eltern »nur gut gemeint« mit ihr: Ein Top-Bacalauréat sollte es sein, um Zugang zu allen Studiengängen zu haben. Dazu brauchte es gute Deutsch-Noten. Weil die aber nicht in Sicht waren, schickte der Herr Papa die Mademoiselle mit 16 für zwei Monate nach Berlin. Zurück kam eine total veränderte Jaële – »verliebt in die deutsche Sprache und die deutsche Kultur«. Damals sei die Saat gelegt worden, später »etwas mit Deutschland machen« zu wollen. Die Eltern fielen sprichwörtlich vom Stuhl, als sie nach dem »Bac« hörten, dass die Tochter Germanistik studieren will. Das war dann zunächst in Nizza und später in Saarbrücken der Fall. In der saarländisch-lothringischen Grenzstadt blieb es nicht allein bei der Liebe zu Sprache und Kultur …

Ihre Magisterarbeit schrieb Jaële Vanuls über den Unterschied zwischen deutschen und französischen Medien. In dieser Zeit präzisierten sich die Vorstellungen über den beruflichen Lebensweg: Diplomatie und/oder Journalismus. Noch während des Studiums hatte sie erste Praxiserfahrung sammeln können, als sie beim Saarländischen Rundfunk jobbte.

Dann eröffnete sich vor rund fünf Jahren die Chance, beim Französischen Generalkonsulat in Frankfurt die Stelle einer Pressesprecherin zu bekommen. Was folgte, ist bekannt, lässt sich mit einer genialen Äußerung von Pablo Picasso auf den Punkt bringen: »Je ne cherche pas, je trouve!« Nicht im Suchen liegt das Glück, vielmehr im Finden.

»Mittlerweile habe ich zwei Zuhause«, sagt die Frankfurt-Französin, die einmal im Monat für zwei, drei Tage in die Heimat am Mittelmeer fährt. Wird’s länger, bekommt sie auch schon mal Heimweh nach Frankfurt. Ungelogen. Zumal es ja auch hier jede Menge Französisches gibt, sehr viele Örtlichkeiten zum Lindern einer möglichen Sehnsucht.

Jaëles Lieblingsrestaurant ist das »Jasper’s« in der Sachsenhäuser Schifferstraße; der »französische Deutsche« mache die Foie Gras selbst, die Gänseleberpastete. Und er zaubere eine Crème brûlée, in die man sich reinsetzen möchte. Bevorzugte Pâtisserie der »YouFM«- Französin ist das Caféhaus Siesmayer am Palmengarten mit zarten Eclairs au chocolat und leckeren Macarons. Ihren Käse kauft die 31-Jährige bei Karin Becker in der Schweizer Straße, einem kleinen Laden mit großer Auswahl; schräg gegenüber vom »Fellini«, das dereinst Matthias Beltz’ angesagtes Café war. Bliebe noch ein guter Tropfen: Hier nennt Jaële Vanuls die Weinstube an der Brückenstraße, in ihrer alten Nachbarschaft.

Aïoli oder Anchoïade?

Ganz abgesehen davon mag es Jaële, selbst zu kochen – deutsch wie französisch. Einmal die Woche gibt es bei ihr Ratatouille (aus Gemüse vom Markt in Offenbach!). »Und ich liebe Grüne Soße, trinke gern deutsches Bier.« Nur mit Apfelwein sei sie »noch nicht so weit«. Mit Rob gönnt sie sich hin und wieder ein Charolais-Steak – mit einem Rosé aus der Provence, einem Coteaux d’Aix etwa. Überhaupt die Esserei: Sie schwärmt von Fisch, einer gute Bouillabaisse mit einer kräftigen Rouille, von Sardinen und Sardellen, beschreibt den Unterschied zwischen Aïoli und einer Anchoïade. »Ich bin eben ein Mädchen aus Marseille!«

Die Zeit drängte beim Rendezvous mit der charmanten Frau vom Hörfunk: Sie hat noch ein Date in »ihrer« Weinstube. Was ist noch zu sagen, zwischen Tür und Angel: Lieblingsmusiker sind Zaz und deren Nouvelle-Chansons, Mia (»Tanz der Moleküle«) oder etwa Bénabar, der Geschichten aus dem Leben erzählende Chansonnier. Und von Krimi-Schriftsteller Jean-Claude Izzo sprechen wir mit Leidenschaft, dem Marseille-Autoren schlechthin (M.-Trilogie mit Kommissar Fabio Montale). Sie kannte Izzo persönlich.

Und was ist heute, am Nationalfeiertag? Champagner am Main? Geht nicht: Jaële Jaële moderiert das Programm beim sagenhaft dicht programmierten Frankreich-Fest in Düsseldorf. »Das ist säär schön!« Drei Tage in Bleu, Blanc, Rouge. (no)



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